Ostern glauben können

von Redaktion

„Ich glaube nur an das, was ich sehen kann!“ So oder so ähnlich argumentieren manchmal Menschen und möchten damit auf die fehlende Beweiskraft hinweisen, die dem Glauben, insbesondere dem Auferstehungsglauben, der ja das zentrale Geheimnis des christlichen Glaubens ausmacht, fehle.

Gewiss kann man darauf antworten, dass ja gerade die Auferstehung etwas aussagt, nämlich dass Jesus Christus in das Leben der Ewigkeit gegangen ist, was sich unseren irdischen Beweismöglichkeiten entzieht, weil es jenseits von Raum und Zeit ist. Umgekehrt müssen wir als Christen argumentieren, dass Gott ja gerade deshalb in Jesus Christus Mensch geworden, und somit in die Kategorien von Raum und Zeit eingegangen ist, damit wir etwas von Gott annehmen und verstehen können.

In diesen Tagen der Corona-Pandemie, in der sich fast die ganze Welt mit schier unvorstellbaren Einschränkungen begnügen muss, um gegen etwas anzukämpfen, ein Virus, was man mit bloßen Augen nicht sehen kann, bekommt die Frage eine neue Dimension. Glauben wir nicht, dass es dieses Virus gibt, obwohl wir es nicht sehen? Wir können es an den Folgewirkungen erkennen, so kann man sagen.

Aber auch das wäre vom Glauben ebenso aussagbar: Die Folgewirkungen der Auferstehung, wie sie sich bei den Aposteln, den Jüngern, den Frauen am Grab gezeigt haben, sind unübersehbar. Aus einer verängstigten Schar, die sich hinter dicken Mauern und verschlossenen Türen versammeln, wird eine mutige Bekennerschar.

Aber auch in diesem Kreis braucht es die Frage und den Zweifel, um ernsthaft glauben zu können. Das Evangelium des Weißen Sonntags, der Sonntag nach Ostern, spricht dies an. Der Apostel Thomas glaubt nicht einfach auf das Wort der anderen hin, sondern sagt: „Wenn ich meine Finger nicht in die Male seiner Wunden legen kann … glaube ich nicht.“ (Joh 20,25)

Jesus muss ihm als der Auferstandene begegnen, muss sich von ihm berühren lassen und ihn, Thomas, innerlich berühren. Dann kommt er zum Glauben, der sich in seinem Bekenntnis äußert: „Mein Herr und mein Gott!“

Auch wir heutigen Menschen können uns von Jesus, von seinen Worten und Taten, berühren lassen. Auch wir heutigen Menschen können Folgewirkungen der Auferstehung zeigen. Gerade in diesen Tagen, in denen äußere Berührungen nicht möglich sind, gibt es viele Menschen, die innerlich angerührt werden, wenn Menschen sich so verhalten, wie Jesus es uns vorgelebt und aufgetragen hat. Der Glaube wird sichtbar und erfahrbar, dort, wo er gelebt wird.

* Wegen der Corona-Krise haben die Gläubigen derzeit keine Möglichkeit, einen Sonntags-Gottesdienst zu besuchen. Die OVB-Heimatzeitungen wollen ihren Leserinnen und Lesern aus diesem Grund während dieser Zeit in der Wochenendausgabe jeweils eine geistliche Kolumne anbieten. Der heutige Autor ist Helmut R. Kraus, katholischer Pfarrer im Pfarrverband Brannenburg-Flintsbach und Dekan im Dekanat Inntal.

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