Rosenheim – Zwischen Krisenmanagement zu Hause und Mini-Plenum im Landtag: Klaus Stöttner (CSU) erlebt die Zeiten der Corona-Krise so umtriebig wie in Zeiten des Unterwegsseins. Michael Weiser sprach mit dem Abgeordneten über den durch das Virus bedingten Einbruch in der Tourismusbranche bis hin zu den Sorgen von Unternehmern.
Wie geht’s im Homeoffice?
Man glaubt’s nicht, aber es ist auch ohne Termine genauso anstrengend, als wenn man unterwegs ist. Ich arbeite meist in meinem Büro im Wasserkraftwerk an der Klepperstraße in Rosenheim und bin in Telefonkonferenzen. Ich führe Anrufe, zeitweise von 8 Uhr früh bis 22 Uhr von zu Hause aus.
Was gibt es denn gerade so viel zu konferieren?
Beim letzten Telefonat ging es vorhin noch um die schwierige Finanzierung der Unternehmensliquidität. Die KfW hat ein Corona-Kredit-Programm aufgelegt, bei dem die KfW, also der Staat, bis zu 90 Prozent bürgt. Die restlichen zehn Prozent machen in der Praxis bei vielen Kreditaufnahmen enorme Probleme. Ich habe bei meinem Redebeitrag im Landtag die Problematik der fehlenden zehn Prozent an den Ministerpräsidenten herangetragen, der diese Sorge sofort verstanden und angemerkt hat, dass notfalls der Bund oder das Land diese Lücke übernehmen müssen. Der Erfolg ist, dass nach dem Schweizer Model jetzt Kredite bis 500000 Euro sogar zu 100 Prozent von einer Haftung durch die Bank freigestellt worden sind. Mich macht dies insgeheim froh.
Generell: Wie schwierig ist es für Unternehmen, sich Geld zu beschaffen?
Die Banken versuchen, allen Gewerbekunden unter die Arme zu greifen. Die schwierigen Fälle, bei denen es zwickt, schlagen bei mir auf. Viele verstehen dabei die Regularien der Hausbank nicht. Ich höre gerade von einigen Unternehmen, dass sich die Banken die besagten zehn Prozent doppelt absichern lassen. Man muss hier aber genauer hinschauen. Die lokalen Banken sind stark gefordert, auch nach der Corona-Krise den Gewerbekunden stabil zu begleiten. Da bin ich oft Brückenbauer zwischen Banken, Steuerberater und Kunden, um Klarheit zu schaffen und Soforthilfen zu organisieren.
Sie sind einer der Initiatoren des „Stellwerk 18“, dem digitalen Gründerzentrum in Rosenheim. Schadet die Krise Start-ups oder laufen die erst richtig zur Form auf?
Stimmt, ich bin ein wenig der politische Projektpate vom Digitalen Gründerzentrum „Stellwerk 18“. Ich hatte kürzlich Kontakt wegen einer Idee für die mobilen Krankenpflegedienste. Die Software-Jungs sind sehr kreativ, und ihrem Fleiß tut die Krise keinen Abbruch. Sie arbeiten gerade an einer Software für die Koordination bei den mobilen Pflegeeinrichtungen.
Eines Ihrer Hauptanliegen ist Tourismus. Was können Sie zur Situation der Branche sagen?
Wir verzeichnen Rieseneinbrüche, gerade bei den Leistungsträgern in der Gastronomie. Die Hotels haben über Kurzarbeit die Personalkosten zwar reduziert, aber die Fixkosten bleiben trotz Null-Umsatz. Hier helfen zwar die Sofortprogramme, die aber in der Gastronomie und Hotellerie zu gering sind. Großveranstaltungen sind bis Ende August untersagt, Messen und Konzerte sind abgesagt und reißen ein riesiges Loch in die gastronomische Tourismuswirtschaft. Bis da wieder Normalität einkehrt, das wird viele Wochen dauern.
Wir brauchen daher für die Tourismuswirtschaft, Gastronomie und Hotellerie einen baldigen, aber klugen Wiedereintritt ins Wirtschaftsleben. Die Wirtshäuser, Biergärten und Cafés prägen unser Lebensgefühl in Bayern, auf diese Branche muss ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Ich arbeite in meiner Funktion als Präsident des Tourismusverbandes Oberbayern und München gemeinsam mit dem Tourismusverband Allgäu und Staatssekretär Klaus Holetschek an einem Zehn-Punkte-Programm.
Ministerpräsident Söder muss mit seinen 90 Prozent Zustimmung in Bayern keinen Widerspruch erwarten…
Er geht sehr verantwortungsvoll mit der Krise um. Einen guten Käpt’n erkennt man bei schwerer See.
Interview: Michael Weiser