„Masken mit Ventil sind Unsinn“

von Redaktion

Experte zur Frage, was hilft – Rosenheim berät über sofortige Maskenpflicht

Rosenheim – Das Vermummungsgebot ist da: Vor dem Landtag hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Kampf gegen Corona die Maskenpflicht verkündet. Ab nächster Woche muss in Läden und im Öffentlichen Nahverkehr Mund-Nasen-Schutz getragen werden. In Rosenheim vielleicht schon vorher. Darüber wird morgen beraten.

Äußerst feine Filter-Vliese

Doch wie ist das angesichts des Mangels an wirksamen Masken überhaupt zu schaffen? Jürgen Hoffmann ist einer der Fachleute, die Rat wissen. In Schechen bei Rosenheim baute er das Filterkontor auf. Spezialität: Äußerst feine Filter-Vliese, die weltweit für die Filterung von Flüssigkeiten eingesetzt werden. Sinnvoll in Zeiten von Corona. „Jeder Erreger sitzt auf einem Tröpfchen“, sagt er, auf einer winzigen Menge Flüssigkeit, ausgeatmet oder -gehustet von Menschen. Grundsätzlich meint er: Maskenpflicht ist gut. „Wir gehen gerade dazu über, Einschränkungen zu lockern. Da sollte man tun, was möglich ist, um sich und andere zu schützen.“

Die genormten Masken sollten Medizinern, Pflegern und Krankenschwestern vorbehalten sein. Also: Selber schneidern und basteln. Das rät auch Jürgen Hoffmann. Masken kann man aus Vliesstoffen herstellen. „Wasserabstoßendes Mikro-Vlies“, sagt Jürgen Hoffmann, „schützt in beide Richtungen sehr gut.“

Man kann auch auf herkömmliche Stoffe zurückgreifen, etwa ausgemusterte Hemden, Kissenbezüge oder Geschirrtücher. Aber diese Masken schützen eher die anderen. Hoffmann rät, beim Nähen dieser „Stoffmasken“ aufzupassen – auf dass die Nadel den Stoff nicht im Bereich von Nase oder Mund durchsticht. „Eine Nadel macht ein Loch von einem Millimeter Durchmesser“, weiß er – mehr als groß genug, um winzigste Tropfen durchzulassen.

Masken aus herkömmlichem Stoff haben Nachteile. Aus mikroskopischer Sicht klaffen in ihnen riesige Öffnungen.

Im Vergleich: Wenn die Zwischenräume zwischen den Fasern des Schals das berühmte Scheunentor sind, dann sind die Poren eines Vlieses kleiner als das Schlüsselloch. Abgehalten wird aber nur, was auf eine Faser trifft.

Dennoch: „Grundsätzlich ist alles gut, das Mund und Nase bedeckt, egal, ob dies eine medizinische, eine selbstgenähte, waschbare oder ein sogenannter Mund-Nasen-Schutz ist, wie er im OP getragen wird. Dies sagt Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamtes Rosenheim. „Auch ein Schal oder Halstuch sind geeignet.“ Sie schützen zumindest das Umfeld. Aber: Sie stellen eine Gefahr für den Träger dar, wenn der nicht nur eigene Keime, sondern auch die aus dem Umfeld verbreiteten infektiösen Erreger inhaliert.

Wenn die Feuchtigkeit der Atemluft verdunstet ist, sind die Keime nicht mehr an die Faser gefesselt und machen sich wieder auf den Weg in die Atemorgane. Also, sagt Jürgen Hoffmann: Häufig wechseln (nach spätestens drei Stunden), gründlich waschen. „Hitze und Lauge mögen die Erreger nicht.“

Sterilisierung
in der Mikrowelle

Und Masken mit Vlies? Niemals waschen, rät Hoffmann, sonst verlieren sie ihre wasserabstoßenden Eigenschaften. Er empfiehlt die Sterilisierung in der Mikrowelle (einige Minuten) oder im Backofen – bei 80 Grad, 20 Minuten lang. In die Mikrowelle dürfen allerdings nur Masken ohne Draht oder andere Metallteile.

Was gar nichts bringt, sind FFP-Masken mit Ventil. Sie seien entwickelt für Bildhauer oder Trockenbauer und geben der Umgebung ein falsches Gefühl der Sicherheit. „Die sind in der jetzigen Situation Unsinn“, sagt Jürgen Hoffmann.

Hierl appelliert an den Gemeinschaftssinn, der direkt den andern und indirekt einen selbst schützt: „Je öfter und je mehr Bürgerinnen und Bürger eine Maske tragen oder Mund und Nase bedecken, desto größer wird der Schutz für alle vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.“

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