An Ostern drückte sich doch die große Freude aus, dass Jesus wieder da ist – so stellen wir uns das auf jeden Fall immer vor. Und in unseren Gottesdiensten singen wir aufrichtig davon, wie sehr wir uns am neu erfahrenen Leben freuen.
Nur: Folgen wir dem, was in der Bibel steht, war ja damals erst einmal gar nichts klar. Bei den Freundinnen und Freunden von Jesus kann von Osterfreude nicht wirklich die Rede sein. Ein einziges Mal wird erwähnt, wie die Frauen vom leeren Grab zurückkommen und wie sie überglücklich kundtun, dass Jesus auferstanden ist. Doch ansonsten: Von Furcht ist die Rede, von Zweifel und von Unsicherheit. Die Jünger ziehen sich zurück. Sie sind im Krisenmodus.
Ist es nicht seltsam, dass es die Auferstehung ist, die Menschen offenbar mehr durcheinanderbringt als der Tod? Mit dem Zusammenbruch alter Welten und mit Ratlosigkeit konnten sie offenbar besser umgehen als mit dem Neuen. Ihnen war leichter vorstellbar, dass Jesus nicht mehr da ist, als dass er wiederkommt.
Ob es da wohl einen Zusammenhang mit uns heute geben mag: „Wann dürfen wir endlich wieder…“ – das ist die Frage, die uns elektrisiert. Und dann hören wir uns den 57. Virologen-Podcast an und schauen das 83. Corona-Spezial und warten darauf, dass das Leben wieder so ist, wie es einmal war.
Ist es nicht an der Zeit, dass wir uns das Gegenteil klar machen. Wer sich allein am Alten orientiert, kann nur durcheinandergeraten. Was mehr und mehr zur Klarheit dringt, ist dieses: Es wird sich mehr ändern, als wir es uns vorstellen können. So ist auch Auferstehung nicht die Rückkehr in gute alte Zeiten, sondern meint vielmehr: Aufbruch, Hoffnung, Neuanfang. Daher an uns dieselbe Frage wie sie damals den Menschen in der Nachfolge Jesu galt: Haben wir den Mut, neue Wege zu gehen und dem Windhauch des Geistes Gottes zu trauen?
Für uns Menschen und für unsere Gesellschaft, die wir gerade tief in der Krise stecken, kann dies bedeuten: Wo geht eine Welt zu Ende und wir lassen sie gehen? Wo deutet sich in unseren Beziehungen, in unserer Arbeit, im Umgang mit der uns anvertrauten Erde und letztlich im Umgang mit uns selbst das ganz Neue an? Und genau da sollten wir unsere Aufmerksamkeit hinwenden!
Als die frühen Christen den Mut hatten, das Alte hinter sich zu lassen und dem Neuen den Raum zu öffnen, ging das Leben weiter. Sie haben zu ihrem Auftrag und zur Freude zurückgefunden, als sie sich vom Geist Gottes haben anrühren lassen. Lassen wir uns überraschen, welche Inspiration des Geistes uns noch erwartet. Da wären wir ja fast schon bei Pfingsten angekommen.
* Wegen der Corona-Krise haben die Gläubigen derzeit keine Möglichkeit, einen Sonntags-Gottesdienst zu besuchen. Die OVB-Heimatzeitungen wollen ihren Leserinnen und Lesern aus diesem Grund während dieser Zeit in der Wochenendausgabe jeweils eine geistliche Kolumne anbieten. Der heutige Autor ist Markus Merz, evangelischer Pfarrer in Bad Aibling.