Kirche fängt im Herzen der Einzelnen an

von Redaktion

Liebe Leserinnen und Leser!

nun ist sie raus, die Infektionsschutzbestimmung der Deutschen Bischofskonferenz zur Feier der Liturgie (Gottesdienste) in Zeiten der Corona-Seuche. In Bayern soll es ab dem 4. Mai wieder öffentliche Gottesdienste geben. Die Feiern müssen allerdings so gestaltet sein, dass die Gefahr einer Ansteckung maximal vermieden wird. In diesen Tagen sind wohl die meisten Pfarreien in ihren Pfarrverbänden dabei, diese Bestimmungen mit ihren Abstandsregelungen, der Nutzung von Masken und anderen mehr mit den ehrenamtlichen Gremien zu erarbeiten. Mehr dazu findet man auf der Homepage des Erzbistums München/Freising. Da braucht es Geduld von allen Seiten, denn nichts wird so sein, wie es war vor der Corona-Seuche. Liebgewordene kirchliche Traditionen können zurzeit nicht mehr gefeiert werden, vermutlich bis ein Impfstoff gefunden sein wird. Diese Situation fordert auf, darüber nachzudenken was den Kirche ist und wo Kirche entsteht. Das Wort „Kirche“ hängt vom Wortstamm her zusammen mit dem griechischen Wort ekallein – herausrufen. Kirche besteht in ihrem Wesen nach aus Menschen, die sich von der Osterbotschaft Jesu herausrufen lassen, mit Jesus Christus eine Beziehung zu leben. Kirche fängt also im Herzen der Einzelnen an und schenkt eine neue Lebensqualität im Alltag, weil das Wesen unseres Glaubens die Freude ist. Und diese Freude in Gemeinschaft zu feiern, hat die ersten Christen selbst in Verfolgungszeiten der ersten Jahrhunderte getragen und sie wachsen lassen, weil Freude und Hoffnung einfach gut tun. Kirche, damals wie heute, beginnt immer als Haus-Kirche.

In diesen Tagen verfolgt uns ein Virus und zwingt uns zu einem Verhalten, das wir gar nicht gewohnt sind und unserer Sehnsucht nach Gemeinschaft im Weg steht. Diese „Verfolgung“ kann uns als Christen wachsen lassen, wenn wir uns besinnen, dass Kirche in unseren eigenen vier Wänden als Hauskirche beginnt. Wir, die Seelsorger im Pfarrverband Seeon, sehen diese Krise auch als Chance, Kirche wieder mehr als das, was sie von ihrem Wesen her ist, zu entdecken: Überall dort, wo Menschen miteinander das Wort Gottes, die Heilige Schrift lesen und sich darüber austauschen, wo sie beten und bitten, miteinander singen (soweit dies möglich ist).

Die Schwelle, außerhalb der Tradition, beispielsweise am Sonntag, miteinander um ein Kreuz und eine Kerze eine Hausandacht zu feiern, ist für viele sehr hoch. Lassen Sie sich doch überraschen, was geschieht, wenn Sie diese Herausforderung gepackt haben, eben „wenn zwei oder drei in seinem Namen …“.

Wer alleine in einem Haushalt lebt, ist auf das Telefon angewiesen, denn nicht jeder verfügt über Internet – aber es lohnt sich, auch über eine gewisse Entfernung „Kirche“ zu sein.

Wir befinden uns in einer besonderen kirchlichen Lebenszeit, der Osterzeit. Ich meine, dass der Auferstandene sich immer wieder unerwartet und überraschend den Menschen nähert und mitgeht (siehe die Emmauserzählung). Ostern ereignet sich unterwegs, im Gehen geht Er einem auf. Es gehört zu Jesus, dass Er Menschen in Bewegung bringt. Ich möchte Sie einladen zu einem solchen Osterglauben, den Gott mit uns geht und gehen will! Gemeinsam mit Ihnen freue ich mich bereits heute mit Sehnsucht auf die Zeit, in der wir wieder, von der Krise in unserem Glauben gestärkt, frei die Freude an unseren Gemeinschaften und an Gott feiern können.

* Wegen der Corona-Krise haben die Gläubigen derzeit keine Möglichkeit, einen Sonntags-Gottesdienst zu besuchen. Die OVB-Heimatzeitungen wollen ihren Leserinnen und Lesern aus diesem Grund während dieser Zeit in der Wochenendausgabe jeweils eine geistliche Kolumne anbieten. Der heutige Autor ist katholischer Pfarrer in Seeon.

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