Reit im Winkl – Der kleine weiße Ball fliegt wieder über das Grün des Golfclubs Reit im Winkl. Aber Sportanlagen dürfen doch gemäß den aktuellen Corona-Regelungen nicht betreten beziehungsweise betrieben werden? Das stimmt, wäre der Platz in Reit im Winkl nicht eine europaweite Besonderheit: Er ist der einzige seiner Art, dessen Gelände grenzübergreifend liegt.
Da im Nachbarland die Corona-Beschränkungen bereits gelockert sind, dürfen die Bahnen auf österreichischer Seite seit 1. Mai wieder bespielt werden. „Per Absperrband und Hinweisschildern machen wir auf die Abtrennung aufmerksam. Die deutsche Seite bleibt geschlossen“, erklärt Golfmanager Martin Scholtys gegenüber unserer Zeitung. Das heißt konkret für den Spielbetrieb: Loch 1 bis5 sowie Bahn 18 sind offen. Es gelten besondere Hygienevorschriften.
Einmaligkeit sorgt
für skurrile Abläufe
„Ausgerechnet unser Aushängeschild bereitet uns besondere Schwierigkeiten“, so Scholtys weiter, der seit 1. Februar der Manager des Platzes in Reit im Winkl ist. Er kam aus Sylt in die Berge. Zwar können die österreichischen Mitglieder und Gastspieler die Anlage bereits nutzen, doch bedauern sie, dass sie nicht die üblichen 18 Bahnen bespielen können.
Besonders kurios und eigentlich nur theoretisch möglich: „Wenn ein Ball auf die deutsche Seite verschlagen würde, müsste er liegen gelassen werden“, schildert Scholtys. Ebenfalls skurril für Golfpräsidium und Management: Sollte es in Bayern zu Lockerungen der Spielstätten-Regelungen kommen und die deutsche Seite des Platzes geöffnet werden können, „bleibt der Platz dennoch aufgrund der geschlossenen Grenzen zweigeteilt.“ Dies würde dann neben der bisherigen finanziellen Einbußen auch weitere mit sich bringen. Und der Unterhalt koste viel Geld, auch seien die Greenkeeper aktuell in Kurzarbeit. Hinzu kommt, dass das Clubhaus auf österreichischem Boden liegt – knapp 300 Meter von der deutschen Seite entfernt. Es kann aktuell nicht von der Club-Führungsriege oder – selbst nach einer Lockerung der Ausgangsbeschränkung in Bayern – von deutschen Golfern genutzt werden.
Deshalb habe sich Präsidentin Evi Mittermaier-Brundobler (Schwester von Doppelolympiasiegerin Rosi Mittermeier) in einer Art Brandbrief an die Politik gewandt und die besondere Situation „ihres“ Golfclubs erläutert. „Wir dürfen nicht für unsere Einmaligkeit bestraft werden“, betont Scholtys erneut. Zugleich erklärt er, dass die Einhaltung der Vorschriften oberste Priorität habe. Die Mitglieder seien eindringlich aufgefordert worden, sich an die Hygienevorschriften zu halten. Andernfalls würde es nach einer einmaligen Verwarnung zu einem befristeten Platzverbot kommen. „Hier geht es um die Gesundheit aller und um den Ruf des Golfclubs“, sagt Scholtys. Er kann aber aus eigener Erfahrung sagen: „Das rot-weiße Absperrband zwischen den Bahnen 5 und 6 sowie zwischen Loch 17 und 18 wird akzeptiert. Die Spieler halten sich an alles.“
Mitarbeiter wacht über die Vorschriften
Zudem würde ein Mitarbeiter Spieler auf die neue „Etikette“ am Platz hinweisen. Dazu gehört unter anderem, dass Toilettenanlagen auf dem Platz, Umkleiden sowie Duschen am Clubhaus vorerst dicht bleiben. Nur die WCs im Clubhaus seien nutzbar. Dort sei auch mit Desinfektionsmittel und Co. für die Einhaltung der Hygienevorschriften gesorgt. Die Flights (Spielergruppen) sind zudem statt für vier Personen nur für zwei Golfer ausgelegt. Hierzu gehört auch, dass eine Reservierung der Startzeit zwingend notwendig ist.