Hungriger Stachelritter auf Abwegen

von Redaktion

Bruckmühler Spaziergänger und Tierschutzverein retten Igel aus Blechcontainer

Bruckmühl – Eine außergewöhnliche Rettungsaktion organisierten Spaziergänger und Mitglieder des Tierschutzvereins Bruckmühl am Tag der Arbeit: Ein Igel war in einen Weißblech-Container geraten. Zu seinem Glück wurde er von einer Familie entdeckt, die in Bruckmühl gerade in Richtung Vagener Au auf einem Spaziergang war.

Lautes Scheppern am Wertstoffsammelplatz

„Ich hörte ein extremes Dosenscheppern aus dem Container“, beschreibt Spaziergängerin Selina Simeth. Da sich der Wertstoffsammelplatz in unmittelbarer Nähe der Mangfall befindet, wagte sie es nicht, selbst nach der Ursache der Geräusche zu schauen, denn „es hätte ja auch eine Ratte oder ein Marder sein können“. Also kamen ihre drei tapferen Männer – Ehemann Patrick und die Söhne Quirin (4) und Lorenz (1) der ängstlichen Mama zu Hilfe. „Mein Mann hob die Kleinen hoch, damit sie in den Container schauen konnten. Und so wurde der kleine Stachelritter entdeckt.“ Schnell holten sie Handschuhe und eine Schaufel von daheim. „Bevor wir aber versuchten, den Igel aus dem Container zu holen, haben wir erst einmal geschaut, ob es nicht vielleicht sein Zuhause ist“, berichtet Selina Simeth. Doch da sie kein Loch im Container entdeckten, das dem Igel als Ein- und Ausgang dienen könnte, versuchten sie, ihn zu bergen. „Das ist uns allerdings nicht gelungen. Der Igel hatte natürlich Angst und verkroch sich zwischen den Dosen“, erzählt die Bruckmühlerin.

Gleichzeitig war der Familie klar, dass es das Todesurteil für den Igel wäre, wenn sie sich nicht weiter um seine Rettung kümmern würden. Denn Stahldosen werden entzinnt und dann in einem Schmelzwerk wieder eingeschmolzen. Kaum vorstellbar, welchen Qualen das Tier ausgesetzt gewesen wäre.

Der kleine Quirin, der in coronafreien Zeiten im Bauernhofkindergarten in Noderwiechs eine ganz besonders enge Bindung zu Tieren aufbauen kann, war tieftraurig. „Wir müssen den Igel unbedingt retten“, sagte er entschlossen zu seinen Eltern. Die nahmen Kontakt mit Sarah Zapf, der Vorsitzenden des Tierschutzvereins Bruckmühl auf. Und schon nach wenigen Minuten war Michael Zapf zur Stelle. „Wir haben erst mit einem Rechen versucht, das Tier aus dem Container zu heben, aber das funktionierte leider auch nicht“, berichtet Zapf.

Zufällig wohnt unweit des Containerstellplatzes auch Kerstin Peterson vom Bruckmühler Tierschutzverein. Und ihr kam schließlich eine zündende Idee: „Der Igel war kaum größer als ein Apfel, also warum sollte seine Rettung nicht mit einem Apfelernter funktionieren.“ Und tatsächlich: Mit dem richtigen Werkzeug klappte es dann auch sofort. In den weichen Stoff des Werkzeugs gebettet, wurde der Igel schließlich geborgen. „Der kleine Kerl war Gott sei Dank nicht verletzt, obwohl er sich inmitten der Blechdosen hätte tiefe Schnittwunden zuziehen können“, berichtet Zapf. Gut geschützt mit Handschuhen begutachtete der Tierschützer den stacheligen Kerl und stellte fest: „Es war alles in Ordnung. Noch dazu war er richtig gut genährt.“ Nach Rücksprache mit dem Tierarzt wurde der Igel gleich in die Freiheit entlassen. Und da Igel besonders gern in Siedlungsbereichen mit Gärten und Grünanlagen leben, wurde er direkt im Garten von Kerstin Peterson ausgewildert. Hier wird er ausreichend Regenwürmer und Insekten finden und kann sich zudem an einer Futterstelle bedienen.

„Gelbe Säcke wirken wie ein Magnet“

Doch wie kann ein Igel in solch eine missliche Lage kommen? „Viele Leute lassen beispielsweise ihre gelben Säcke draußen stehen. Und die wirken wie ein Magnet auf die Igel.

Die Tiere können in die Säcke klettern, um beispielsweise an leeren Katzenfutterschalen zu naschen“, erklärt Peterson. Die Tiere könnten sich dann nicht nur an scharfkantigen Gegenständen verletzten, sondern es bestehe auch die Gefahr, dass sie den Ausgang nicht mehr finden oder steckenbleiben und versehentlich mitentsorgt werden.

Damit so etwas nicht passiert, bittet sie darum, „Müllsäcke möglichst 50 Zentimeter über dem Boden aufzuhängen oder bis zur Entsorgung für Wildtiere unzugänglich aufzubewahren“. Dieser Igel hatte Glück im Unglück und sein Abenteuer dank der aufmerksamen Spaziergänger und kreativen Retter unbeschadet überlebt.

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