„Wem soll man da jetzt Glauben schenken?“, seufzt eine alte Frau im Gespräch. Die unterschiedlichen Standpunkte der Mediziner und Politiker zur gegenwärtigen Situation tragen zu einer wachsenden Verunsicherung bei. Selbst der sympathische Chefvirologe der Berliner Charité, der jeden Abend in eigentlich verständlichen Worten den Verlauf der Pandemie erklärt, wird allmählich zum Aufreger der Nation.
„Wem soll man da jetzt Glauben schenken?“ Diese Frage begegnet uns nicht nur beim Anhören der echten und selbsternannten Corona-Experten, sondern ist eine Grundfrage unseres Lebens überhaupt. Wenn die Bibel von einem „Guten Hirten“ erzählt, dem man voll vertrauen und nachgehen kann, ist dieses Bild für den modernen Menschen nicht gleich schlüssig. Wer von uns ist heute noch Viehhirte oder möchte sich selber als Schaf sehen, das überhaupt keine Freiheit hat, das eigene Leben zu gestalten? Der Gedanke an einen „Guten Hirten“, der eine ausgehungerte Herde von einem abgegrasten Weideplatz zu einem neuen und guten Ort führen kann, ist für mich trotzdem sehr tröstlich: Da ist eine göttliche Wegweisung, die mich zu einer tieferen Lebensquelle führen will. Eben gerade nicht im Mitlaufen eines blinden Herdentriebs, sondern im Erkennen, dass mein eigener Überblick über die großen Fragen des Lebens doch sehr begrenzt ist und manchmal nur bis zur nächsten Weggabelung reicht. Wie gut, dass es jemanden gibt, der mich nicht in die Irre führen wird und dem ich im wahrsten Sinne des Wortes noch meinen „Glauben schenken kann“.