Wiedereröffnung mit Nachgeschmack

von Redaktion

DEHOGA-Kreisvorsitzende und Tourismusexperte begrüßen die Corona-Lockerungen

Rosenheim – Ministerpräsident Markus Söder hat die langersehnte Wiedereröffnung der Gastronomie gestern angekündigt. Ab 18. Mai geht es für Biergärten los, ab 25. Mai folgen Gaststätten und zum 30. Mai schließlich auch die Hotels. „Wir sind um jedes Lebenszeichen froh!“, sagt Theresa Albrecht, Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) im Kreis Rosenheim. Es sei auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung, da mit jedem Tag der Schließung der finanzielle Druck der Wirte höher werde.

Aber: Nicht verstehen könne sie, warum man mit dem Außenbetrieb beginne. Damit sei nur einem Teil der Wirte geholfen, schließlich habe nicht jeder eine Terrasse oder einen Biergarten. Auch in ihrem Betrieb, dem Gasthof „Zur Post“ in Rohrdorf, seien nur wenige Außenplätze überdacht, hinzu kämen die Abstandsregeln. Außerdem sei eine Öffnung bis 20 Uhr schwer umzusetzen, dunkel werde es ja erst viel später. Vermutlich werde sie ihre Wirtschaft zum 18. Mai noch nicht aufsperren. Für Albrecht kommen die Lockerungen zu spät. Das verlorene Geschäft könne nicht aufgeholt werden. Außerdem kenne man noch nicht die genauen Auflagen, die auf die Gastronomie zukämen. Ein großes Ärgernis sei, dass die Hotellerie noch nicht zu Beginn der Pfingstferien öffnen dürfe.

Sie befürchtet, dass viele Urlauber nach Österreich abwandern, je nachdem, wie Ein- und Ausreise geregelt werden. Tourismusexperte Klaus Stöttner (CSU), Mitglied des Landtags und Präsident des Tourismus Oberbayern München, zeigt sich hingegen überzeugt von der stufenweisen Öffnung. „Das ist ein kluger Schritt. Mit diesem Zeitplan kann sich jetzt jeder gut vorbereiten.“ Schließlich brauche die Gastronomie auch einen Vorlauf für die Öffnung, etwa bei der Bestellung von Lebensmitteln. „Ich vertraue den Unternehmern, dass sie die Auflagen einhalten.“ Zur Sorge vor Grenzöffnungen und Abwanderung von Gästen beschwichtigt Stöttner. Er habe einerseits Verständnis, dass Österreich sich nach deutschen Touristen sehne. „Aber es kann nicht sein, dass wir noch mit Einschränkungen leben und auf der anderen Seite der Grenze nicht“, sagt Stöttner. Er vertraut auf eine maßvolle Reiseregelung, die auf Bundesebene mit der Kanzlerin diskutiert wird.

Auf die Frage nach den fehlenden Aufholeffekten verweist Stöttner auf die bisherigen Hilfen seitens des Freistaats und des Bundes. Ihm sei aber klar, dass es prekäre Situationen für viele Gastronomen und Hoteliers gebe. Derzeit lotet er die Möglichkeiten für einen langfristigen Rettungsschirm aus. Heidi Geyer

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