Erste Sitzung

CSU lässt Kannengießer fallen

von Redaktion

Das Feilschen hinter den Kulissen um die Besetzung der Stellvertreter-Posten von Landrat Otto Lederer ist wohl entschieden. Die CSU will Fraktionssprecher Dieter Kannengießer (Parteiunabhängige) nicht mehr mittragen. Sepp Hofer (Freie Wähler) soll ihm nachfolgen.

Rosenheim – Es sind wohl noch nicht verheilte Wunden aus dem Landrats-Wahlkampf, die bei der Personalentscheidung eine Rolle spielen. CSU-Kreisvorsitzender Klaus Stöttner deutet jedenfalls an, dass der Wahlkampf der Parteiunabhängigen, die den ehemaligen Stephanskirchener Bürgermeister Rainer Auer ins Rennen geschickt hatten, nicht immer fair und sachlich gewesen sei. Gleichzeitig lobt er die Zusammenarbeit der CSU mit den Freien Wählern im Landtag als „sehr konstruktiv“. Beide Parteien verbänden „ein gleiches Wertekonzept und ein faires Miteinander“.

Der sich abzeichnende Wechsel von Kannengießer zu Hofer ist ziemlich sicher die einzige zu erwartende Veränderung in der Stellvertreter-Riege im Vergleich zur vergangenen Amtsperiode. In den Gesprächen mit den Parteien und Gruppierungen haben der Landrat und die CSU-Fraktion keine Hürden entdeckt, den auch bisher amtierenden Stellvertretern Alexandra Burgmaier (SPD), Andrea Rosner (Bündnis 90/Die Grünen) und Marianne Loferer (CSU) erneut das Vertrauen auszusprechen. Sie alle stellen sich bei der konstituierenden Sitzung zur Wahl.

Sepp Hofer aus Halfing, der wieder zum Fraktionssprecher seiner Partei gewählt wurde, wird auf jeden Fall ebenfalls antreten, notfalls auch in einer Kampfkandidatur gegen Dieter Kannengießer. Dies bestätigte Hofer gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

Ob Kannengießer überhaupt ins Rennen geht, erscheint fraglich. „Ich lasse mich nicht verheizen“, kündigte er im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen an. Als Fraktionschef der Parteiunabhängigen wurde er bereits wiedergewählt. Der Kolbermoorer hatte zwölf Jahre das Amt des stellvertretenden Landrates inne und ist wie seine Fraktion überzeugt, dass den Parteiunabhängigen als viertstärkster Kraft im Kreistag ein Stellvertreter-Posten zustünde. Die aktuelle Entwicklung wertet er als „parteipolitische Klüngeleien“. Die seien nicht „sein Ding“.

Eine Breitseite gegen Lederer können sich die Parteiunabhängigen in einer Pressemitteilung nicht verkneifen. Aus den Reihen der CSU habe man gehört, dass Wahlkampfaussagen Kannengießers zur Wiedereröffnung der Geburtenstation im Romed-Klinikum Bad Aibling und die Haltung des ÜWG-Landratskandidaten Rainer Auer zum Brenner-Nordzulauf Landrat Otto Lederer ein Dorn im Auge gewesen seien und die CSU-Kreistagsfraktion Kannengießer deshalb nicht mehr als einen der Stellvertreter des Landrates haben wolle.

„Die Geburtenstation Bad Aibling brachte die CSU als erste in den Wahlkampf. Hier sollte wohl der Anschein erweckt werden, dass durch die Anwesenheit der Gesundheitsministerin in einer Wahlkampfveranstaltung der Geburtenstation wieder Leben eingehaucht werden kann“, so die Parteiunabhängigen. Sie kündigen zugleich an, die Diskussion um den Brenner-Nordzulauf weiter kritisch zu begleiten.

Obwohl sie sich von der Partei ausgebootet fühlen, wollen die Parteifreien die erneute Bewerbung von Josef Huber (CSU) für das Amt des geschäftsführenden Landrat-Stellvertreters unterstützen. Der CSU-Politiker hatte diese Funktion auch in der vergangenen Amtsperiode bekleidet und parteiübergreifendes Lob dafür erhalten – vor allem auch für die umsichtige Art, mit der er das Landratsamt in den knapp zwei Jahren führte, in denen Landrat Wolfgang Berthaler wegen eines schweren Dienstunfalls ausfiel (wir berichteten). Die Parteiunabhängigen sprechen von einer „bewährten Personalie“.

Mittlerweile ist auch klar, dass die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen Huber ebenfalls mitträgt und keinen Gegenkandidaten aufbietet. „Unser interner Diskussionsprozess ist abgeschlossen. Wir unterstützen Hubers Kandidatur und erkennen damit seine Leistung für den Landkreis an“, sagte Fraktionssprecher Georg Reinthaler gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Zustimmung gibt es auch von der SPD. Die wiedergewählte Fraktionssprecherin Alexandra Burgmaier attestiert ihm „ausgezeichnete Arbeit“ und ist auch voll des Lobes für die Vorgespräche mit Otto Lederer. „Offen, kooperativ und partnerschaftlich“ seien diese gewesen.

28 Punkte auf Tagesordnung

Stattliche 28 Punkte umfasst die Tagesordnung für die konstituierende Sitzung des neu gewählten Kreistages, der sich am Mittwoch, 13. Mai, um 9 Uhr in der Turnhalle des Gymnasiums Bruckmühl trifft. Neben der Wahl der Landrat-Stellvertreter geht es unter anderem um die Besetzung der Ausschüsse und die Geschäftsordnung des Kreistages.

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