„Er war ein richtig toller Kerl“

von Redaktion

Erinnerungen an den Magier Roy Horn, der in Las Vegas verstorben ist

Rosenheim/Las Vegas – Als Magier-Duo „Siegfried & Roy“ waren sie weltberühmt, bis die Tigerattacke auf Roy Horn im Jahr 2003 die Traumkarriere jäh beendete. Nun ist der langjährige Partner des Rosenheimers Siegfried Fischbacher im Alter von 75 Jahren an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben.

Um 4 Uhr morgens erreichte die Nachricht Marinus Fischbacher, den Neffen Siegfrieds. „Meine Tochter kam ins Schlafzimmer und hat mir die traurige Botschaft überbracht, dass Roy tot ist“, sagt er. In solchen Momenten werden Erinnerungen wach. An die erste Begegnung zum Beispiel. „1963 war das, da tingelten sie mit Zauber- und Tiertricks noch durch kleinere Theater. Roy war gerade einmal 18 Jahre alt“, erzählt Marinus Fischbacher. Seitdem sei der Bühnenpartner seines Onkels wie ein Familienmitglied gewesen. „Es ist, als hätte ich einen Bruder verloren. Er war ein richtig toller Kerl, der sich auch abseits der Bühne immer tadellos verhalten hat.“ Sehr familienverbunden und fürsorglich sei Roy gewesen. „Als ich die beiden zum ersten Mal in Amerika besucht habe, hat Roy mich vom Hotel abgeholt.“ Noch so eine Erinnerung.

Mit seinem Onkel habe er noch nicht sprechen können, aber in Gedanken sei er natürlich bei ihm. Zusammen mit Erika Körner-Metz vom Verein „Erlesene Oper“, der von dem Duo lange Jahre unterstützt wurde, hat Marinus Fischbacher eine Nachricht nach Las Vegas geschickt. Darin heißt es:

Lieber Siegfried,

mit großer Bestürzung haben wir erfahren müssen, dass unser aller geliebter Roy verstorben ist. Ein großartiger Mensch und fantastischer Künstler hat uns verlassen. Es fällt sehr schwer, diesen Abschied anzunehmen. Roy und seine Tiger – hat er doch die Welt so wunderbar verzaubert. Wir denken in großer Dankbarkeit an Roy zurück. Dirigent Georg Hermansdorfer und alle Künstler des Vereins „Erlesene Oper“ trauern mit Dir. Auch wenn wir Dir Deinen unendlichen Schmerz nicht abnehmen können, sollst Du wissen, dass wir mit unseren Gedanken bei Dir sind und Roy auf seinem letzten Weg mit Gebeten begleiten. „Wir sind voll Verlangen nach Glück – und finden es doch nur in den wechselnden Gezeiten unseres Lebens: Zwischen Freude und Schmerz, Licht und Schatten.“

Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März hat die Show von Siegfried und Roy zweimal in Las Vegas gesehen. Zunächst in den 1990er-Jahren, gemeinsam mit seinem Vater und seinen Schwestern. Es sei ein „grandioses Erlebnis“ gewesen, sagt März. Und erinnert sich, dass er, gemeinsam mit seiner Familie, im Anschluss an die Veranstaltung auch zu Gast sein durfte in der Wohnung des Magierpaares. Der Vater habe Siegfried Fischbacher gut gekannt, sagt März. Er selbst habe die Show dann in den 2000er-Jahren ein weiteres Mal gesehen, zusammen mit seiner Frau. Es sei schade, dass Roy Horn später den schlimmen Zwischenfall gehabt habe und nun gestorben sei. Beide Magier, vor allem aber Siegfried Fischbacher, habe er als sehr bodenständige Menschen in Erinnerung.

Seine Liebe zu exotischen Tieren hatte der am 3. Oktober 1944 geborene Uwe Ludwig Horn schon früh entdeckt. In den Nachkriegsjahren flüchtete er in eine Tier-Traumwelt. Ein Gepard namens „Chico“ im Bremer Zoo wurde zu seinem besten Freund. Nach dem Abbruch der Schule heuerte er als Steward auf einem Kreuzfahrtschiff an, wo er Siegfried Fischbacher traf. In den 1960er-Jahren gelang dem Duo in Monaco der internationale Durchbruch. 1967 kamen sie erstmals nach Las Vegas, ab 1970 waren sie dort drei Jahre im Stardust zu sehen. Im Jahr 1982, damals schon weltberühmt, stattete das Magierduo Siegfrieds Heimatstadt Rosenheim einen Besuch ab. Tausende feierten Siegfried und Roy, als sie im offenen Wagen durch die Bahnhofstraße fuhren.

1988 handelten sie mit dem Mirage-Hotel den bis dahin dicksten Millionen-Deal in der Geschichte der Kasinostadt aus. Mit einem explosiven Mix aus Zauberei und exotischen Tieren, darunter seltenen weißen Tigern, hielt das Duo in den Jahren 1989 bis 2003 Millionen Fans in Atem – bis zu dem Tag, an dem der weiße Tiger Mantecore Roy angriff. Die Ärzte nannten es „ein Wunder“, dass dieser die Verletzungen überhaupt überlebte. Nach schwerem Blutverlust, Schlaganfällen und einer Gehirnoperation erholte er sich nie mehr vollständig und war halbseitig gelähmt. Der Entertainer lernte langsam wieder gehen – schleppend und auf einen Stock gestützt.

Im Mai 2019 hatte das Duo noch Siegfrieds Münchner Heimat und den Tegernsee besucht. Horn machte dort eine Stammzellentherapie mit Eigenblut. Fischbacher selbst musste sich im selben Jahr einer schweren Herz-Operation unterziehen. Nur eine Woche später ließ er sich schon wieder gut gelaunt mit Fans an der Aussichtskapelle am Samerberg fotografieren – sein Freund Roy war allerdings nicht dabei. Sein letzter Besuch in Rosenheim datiert 2017 – auf Familienbesuch bei der diamantenen Hochzeit von Herta und Marinus Fischbacher, dem Bruder von Siegfried.

Nun hat Roy Horn die Lungenkrankheit Covid-19 das Leben gekostet. Horn starb am Freitag (Ortszeit) in Las Vegas an den Folgen einer Coronavirus-Infektion, wie Sprecher Dave Kirvin der Deutschen Presse-Agentur sagte. Er wurde 75 Jahre alt. Der fünf Jahre ältere Siegfried Fischbacher wird in einer Mitteilung mit diesen Worten zitiert: „Heute hat die Welt einen der Großen der Magie verloren, aber ich habe meinen besten Freund verloren.“

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