Erstattung: Pendler bleiben auf der Strecke

von Redaktion

Meridian und Co. haben mit Corona-Folgen zu kämpfen – Kein Angebot für Abo-Kunden

Rosenheim – Auf den Bahnsteigen der Bahnhöfe im Rosenheimer Land kehrt langsam das gewohnte Leben wieder ein. Wo sich sonst Hunderte von Pendlern vom Meridian zu ihren Arbeitsplätzen chauffieren ließen, hatte seit dem Lockdown Stille geherrscht. Und noch jetzt arbeiten viele Menschen zu Hause, im Homeoffice. 

Mit schwerwiegenden Folgen gerade für die regionalen Mobilitätsanbieter. Die Fahrgastzahlen des ersten Quartals seien um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, sagt ein Sprecher von Bayerischer Oberlandbahn und Regiobahn. „Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die massiven Einbrüche der Fahrgastzahlen aufgrund der Corona-Krise erst ab Mitte März zum Tragen kamen. Da hatten wir Einbrüche von bis zu 90 Prozent zu verzeichnen.“ Jetzt noch befinde man sich erst auf 60 Prozent des normalen Aufkommens.

Auf 80 Prozent
reduziert

Das hatte Konsequenzen für den laufenden Bahnbetrieb. Man habe in Absprache mit den zuständigen Behörden die Verkehrsleistungen im Schnitt reduziert, allerdings nur auf 80 Prozent, sagte der Sprecher. So wolle man Menschen „in systemrelevanten Berufen“ ermöglichen, den Weg zwischen zu Hause und Arbeitsplatz mit der Bahn zurückzulegen.

Und was bleibt dem Arbeitnehmer im Homeoffice? Die Erinnerungen ans Pendeln, wenn die Kosten für das Abo-Ticket abgebucht werden. Immerhin kostet ein Monatsticket zwischen Rosenheim und München gute 220 Euro. Der Vertrag lässt oftmals keine kurzfristigen Kündigungen zu. In anderen vom Coronavirus betroffenen Bereichen werden Gutscheine oder andere Ausgleiche diskutiert. Dazu der Sprecher der BRB: „Unsere Tarifbestimmungen sehen eine Erstattung nicht vor, zumal das Verkehrsangebot weiterhin bestand.“

Grundsätzlich hängen Erstattungen vom jeweiligen Eisenbahnunternehmen oder Verkehrsverbund ab. Eine Sprecherin der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, die im Auftrag des Freistaats Bestellerin des Nahverkehrsangebotes ist, berichtet über die Möglichkeit einer Kulanzregelung, die zwischen Eisenbahnverkehrsunternehmen gemeinsam mit dem Verband deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und dem Tarifverband der Bundeseigenen und Nicht-Bundeseigenen Eisenbahnen (TBNE) verhandelt werden. Wie das aussehen könnte, sei noch nicht ganz geklärt. Ziel sei es, eine möglichst bundeseinheitliche Entscheidung zu treffen, die gleichermaßen Interessen der Kunden und der Verkehrsunternehmen berücksichtigt.

Für einige Kunden gelten Sonderregelungen, erklärt der BRB-Sprecher: Reisende im Nahverkehr mit einer Einzelfahrkarte oder einem Pauschalpreisticket des DB-Tarifs – etwa Bayern-Ticket oder Schönes-Wochenende-Ticket – konnten ihre Reise „kostenfrei stornieren“. Das Bearbeitungsentgelt sei entfallen, für die Stornierung habe sich der Reisende an das verkaufende Unternehmen wenden müssen. Folglich habe man nur die Tickets erstattet, „die auch bei uns gekauft wurden“. Einzelfahrkarten und Pauschalpreistickets des Haustarifs wie das BOB-MVV-Ticket wurden ebenfalls kostenfrei erstattet.

„Keine Erstattung
vorgesehen“

Auf der Strecke bleiben die Abo-Kunden. „Für Zeitkarten und Verbundfahrkarten gelten die Tarifbestimmungen“,  erklärt der BRB-Sprecher. Heißt: „Es ist keine Erstattung vorgesehen.“

Andererseits ist auch fraglich, ob die Abo-Kunden nicht doch wieder auf das Auto umsteigen. Angesichts zunehmend wieder ausgelasteter Züge zu den Hauptverkehrszeiten fürchten viele Menschen eine erhöhte Ansteckungsgefahr.

„Für Fahrten mit uns können wir sagen: Wir haben massive Sicherheitsmaßnahmen umgesetzt, die von Beklebungen an den Außenseiten der Türen bis hin zu Durchsagen bei der automatischen Türöffnung gehen. Alle Mitarbeitenden sind mit Mund-Nasen-Bedeckungen ausgestattet.“ Die zuvor schon intensiven Reinigungsmaßnahmen an Bord der Züge habe man intensiviert, sagt der BRB-Sprecher.

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