Na klar können wir sagen, was an Weihnachten war: Jesus wird geboren. Und an Ostern feiern die Christen, dass Jesus lebt: Auferstehung. Nur, was hat es jetzt mit Pfingsten auf sich? Müdes Achselzucken. Es gibt ja weder Geschenke noch Eier zum Suchen. Dieses Fest ist so wenig greifbar! Daher einmal ein kurzer Check. Ich nenne einmal vier Möglichkeiten und bitte Sie anzukreuzen, wofür Pfingsten steht:
Bevor ich die Auflösung bringe: Sie kennen doch die Gegengeschichte zu Pfingsten, aufzuschlagen in der Bibel gleich am Anfang im 1. Buch Mose im 11. Kapitel: Der Turmbau von Babel. Als Gute-Laune-Geschichte nimmt sie ihren Anfang! Man tummelt sich gerne und sonnt sich im Glück. Alle verstehen sich super gut und sie planen ein gemeinsames Großprojekt. „Kommt, bauen wir eine Stadt mit einem Turm, der bis an den Himmel reicht! Dann wird unser Name in aller Welt berühmt und wir werden nicht über die ganze Erde zerstreut werden.“
Wird es wohl gelingen? Wird es nicht! Beim Bau dieses Turmes geraten die Bürger von Babel so sehr in Streit, dass sie nichts mehr zustande bringen. Sie verstehen sich nicht mehr; sprechen nicht mehr eine Sprache. Kein Imagegewinn. Es liegt kein Segen auf ihrem Tun. Der Bau der Stadt, der Turm, der berühmte Namen – alles dahin. Gott selbst haben sie nicht auf dem Sender. Und ehrlich gesagt haben sie längst vergessen, dass sie Gott vergessen haben.
Die Welt, in der wir leben, ist der Stadt Babel gar nicht so unähnlich. So manchen Turm haben wir begonnen und nicht zu Ende gebracht. Wir leben in einer Welt voller Abbrüche. Wir sehen die Natur dann als schützenswert an, wenn bei uns zunächst die Wirtschaft stimmt. Gerechtigkeit greift dann, wenn wir es uns leisten können. Unsere eigenen Nöte bekommen wir erst in den Blick, wenn nichts mehr geht. Doch die Risse hören wir schon. Da ist so vieles, was an ein Ende kommt.
Der Heilige Geist kommt und verändert unsere Welt! Die Verwirrung löst sich auf. Das wurde die Erfahrung der frühen Christen in Jerusalem nach dem Abschied von Jesus. Die verängstigten Freunde Jesu trauen sich wieder vor die Tür. So viele verschiedene Sprachen. So viele Menschen verschiedener Herkunft. Sie verstehen einander und feiern und loben Gott. Pfingsten wird zu einem Fest der Zuversicht nach einem ersten Schock, dass nichts mehr so sein wird wie zuvor. Beschrieben in der Bibel in der Apostelgeschichte im 2. Kapitel. Und die Kraft, die das bewirkt, nennen Christen den Heiligen Geist. Die Kirche nimmt ihren Anfang!
Am vergangenen Donnerstag haben sich Christen des gesamten deutschsprachigen Raumes online zusammengefunden und haben gebetet aus der Kraft des Heiligen Geistes. Sie beten um Gottes belebenden Geist inmitten dieser Zeit des Umbruchs. Noch sind wir verunsichert. Große wirtschaftliche Sorgen packen uns. Solidarität fällt uns schwer, wenn wir nicht wissen wie es mit uns weiter- geht. Genau da gibt Pfingsten einen Ruck: Lass dich mit Gott verbinden! Dass wir uns an ihn erinnern und an den Segen, den wir brauchen.
Ich sehne mich danach, dass die Corona-Krise uns auf neu entdeckte Gaben verweist: Dass die Sorge um Natur keine Dreingabe ist, wenn es uns gut geht, sondern dass wir hören, wie sie seufzt und ruft. Sie braucht mutige Menschen und mutige Entscheidungen. Dass Gerechtigkeit nichts mit Mildtätigkeit zu tun hat, sondern dass wir verstehen, wie es um das Überleben der Menschen- und Völkergemeinschaft geht. Dass wir selbst neue Hoffnung brauchen und dass sie uns verheißen ist, wenn wir unser Leben, unsere Häuser, unser Land für die Kraft des Heiligen Geistes öffnen. Dann kann Neues entstehen.
Zur Auflösung der Eingangsfrage: Gratulation, wenn Sie alle vier Möglichkeiten gewählt haben! Alle Antworten waren zutreffend.
* Zu hohen kirchlichen Feiertagen geben die OVB-Heimatzeitungen Geistlichen aus der Region die Möglichkeit, den Lesern Gedanken zu den Festtagen mit auf den Weg zu geben. Der heutige Autor ist Markus Merz, evangelischer Pfarrer aus Bad Aibling.