Das Cabrio muss warten

von Redaktion

Online-Terminvergabe bei Kfz-Zulassung sorgt nicht überall für Freude

Rosenheim/Breitbrunn – Bürokratieabbau, keine unnötigen Wartezeiten: Das wollen Bürger wie Behörden gleichermaßen. Mit der Online-Terminvergabe für viele Erledigungen, wie etwa bei der Kfz-Zulassungsstelle, wollte man beim Landratsamt Rosenheim für Flexibilität und schnellere Abläufe sorgen. Und jetzt, in der Corona-Krise, hat sich das System erst recht bewährt, wie Pressesprecher Michael Fischer betont: „Es können durch die erforderliche Online-Terminvergabe mehr Aufgaben in kürzerer Zeit bewältigt werden, es hat sich als echter Vorteil erwiesen.“

Einfach
hingefahren

Einer, der das nicht so positiv sieht, und mit seiner Meinung möglicherweise nicht allein steht, ist Andreas Becker aus Breitbrunn. Dem viel beschäftigten 57-Jährigen war bislang schlicht nicht bewusst, dass man nicht mehr ohne einen vorher bestätigten Termin zur Zulassungsstelle fahren kann: „Ich bin am Donnerstagmorgen mit Mundschutz hingefahren und war dann erstaunt, dass ich vor verschlossener Tür stand.“ Dort sei nur ein Zettel mit dem Hinweis gehangen, man müsse sich über die Website einen Termin sichern. Gefunden habe er das Vergabesystem erst mithilfe der Telefonauskunft des Landratsamts. Als „Ärgernis“ bezeichnet der Breitbrunner, dass ihm das System erst frühestens am Dienstag, den 9. Juni, einen ersten Termin vorschlug. „Das sind ja fünf Tage, die ich abwarten muss“, beschwert er sich im Gespräch mit unserer Zeitung. Offenbar hatten kurz vor den Pfingstferien noch viele andere vor, schnell einen Wagen zuzulassen. Und weil er, wie Becker sagt, nicht habe wissen können, ob er zum buchbaren Termin auch vom Arbeitgeber freibekommen würde, habe er sich online gleich mehrere Termine gesichert.

Was aber wenn er die anderen Termine am Ende doch nicht bräuchte? Und andere Bürger es genauso machten wie er? Kommt es deshalb zu so langen Wartezeiten, überlegt Becker. Denn Absagen von Bürgerseite her sieht das System nicht vor. „Vielleicht erklärt das, weshalb die Zulassungsstelle am Donnerstag ungewöhnlich menschenleer war, obwohl die Schalter besetzt waren“, erzählt Becker. Er habe sich darüber sehr gewundert und sich gefragt, ob die Online-Terminvergabe mit möglicher Mehrfach-Buchung nicht letztlich zu einer Minderauslastung im Amt führt – während für andere die Termine dann blockiert seien.

Im Landratsamt kann man diese Überlegungen nicht nachvollziehen. Reagiert eher irritiert auf das Verhalten von Becker und seine Überlegungen. Er könne nicht nachvollziehen, warum der Mann sich gleich mehrere Termine sichern wollte, sagt Sprecher Fischer.

Verärgerung auch
im Landratsamt

Spricht seinerseits von einem Ärgernis. Und erklärt, Absagen für nicht mehr benötigte Termine seien nur per E-Mail möglich: „Weil wir davon ausgehen, dass ein bestätigter Termin auch zuverlässig wahrgenommen wird.“ Bei der Zulassungsstelle sei es deswegen bisher auch noch nie zu Problemen gekommen.

Becker dagegen beharrt darauf, dass ein Arbeitnehmer, wenn er am Tag der Zulassung nicht gerade Urlaub nimmt, diese amtlich angenommene Zuverlässigkeit nicht garantieren könne. Dann jedes Mal eine E-Mail zu schreiben, hält er für unpraktikabel.

Im Landratsamt indes will man an der bisherigen Praxis festhalten, weil sie sich gerade jetzt sehr bewährt habe: „Dass der Herr am Donnerstag keine Menschenmengen wie sonst in der Zulassung gesehen hat, ist eine erwünschte Folge der Online-Terminvergabe“, so Fischer, und kein Zeichen dafür, dass die Mitarbeiter nichts zu tun haben, weil sich Terminbuchungen gegenseitig blockierten oder Bürger einfach nicht erscheinen würden.

Becker und seinem Cabrio bleibt nur, zu warten. Was auch bleibt, ist das Ärgernis über die lange Wartezeit bis zum Zulassungstermin. „Ich habe Glück“, sagt er, „mir steht ein weiteres Auto zur Verfügung. Was aber, wenn man nur eines hat und damit zur Arbeit fahren muss?“

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