Die Suche nach der Dunkelziffer

von Redaktion

Interview Wie das RKI seine Studie in Bad Feilnbach aufzieht

Bad Feilnbach – Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat Bad Feilnbach für eine Corona-Studie ausgewählt. Nun steht fest: Am 23. Juni geht es los, 2000 Testergebnisse sollen in die Studie einfließen. Was die Bad Feilnbacher erwartet, was das RKI herausfinden will: Darüber sprachen die OVB-Heimatzeitungen mit Thomas Lampert, Leiter der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring am RKI.

Gerade ist eine neue Studie bekannt geworden, dass Ischgl eine entscheidende Rolle bei der Ausbreitung von Corona gespielt habe. Sehen Sie einen Zusammenhang mit den hohen Zahlen in Ihrem Studienort Bad Feilnbach?

In Bad Feilnbach gab es wohl verschiedene Auslöser, das ist uns auch gerade im Gespräch vor Ort mitgeteilt worden. Skireisende spielen sicher eine Rolle, aber speziell hier gab es auch eine Veranstaltung mit vielen Besuchern aus Südtirol und Österreich (Ende Februar/Anfang März fand dort das Festival „AlpenBrass“ statt, Anmerkung der Redaktion).

Sie sind gerade im Landkreis, um alles festzuklopfen. Wann geht’s denn los?

Am 22. Juni reisen wir an, am 23. geht es los. Wir werden zwei, drei Wochen vor Ort sein, nochmals drei Wochen später werden die Ergebnisse der Studie vorliegen. Bis dahin werden wir wieder eine andere Situation haben. Wir haben das Gefühl, dass das Infektionsgeschehen jetzt weitgehend durch ist. Es hat in den vergangenen zwei Wochen in Bad Feilnbach keine gemeldete Neuinfektion gegeben. Wir werden also nur nachzeichnen, wie das Infektionsgeschehen in den vergangenen Wochen lief. Interessant für uns ist vor allem, wie hoch der Anteil der Bevölkerung mit Antikörpern ist.

Nicht die akuten Fälle stehen an erster Stelle, sondern die, die es hinter sich haben?

Wir testen zum einen mittels PCR-Rachenabstrich, der das Ziel hat, akute Infektionen nachzuweisen. Wir gehen davon aus, dass wir da nicht viele entdecken, und das wäre ja eine gute Nachricht. Das zweite, was wir testen, ist: Wie viele Menschen in Bad Feilnbach sind bereits durch? Das machen wir mit den Antikörpertests, die gerade in aller Munde sind. Wir können davon ausgehen, dass die Menschen, die Corona hinter sich haben, bei denen also Antikörper im Blut nachweisbar sind, wahrscheinlich zumindest für einen gewissen Zeitraum immun sind.

Gibt es Vermutungen, wie hoch der Anteil sein könnte?

Wir haben zurzeit nur die gemeldeten Fälle, wir wollen aber die Dunkelziffer. Wir wissen, dass nicht alle Infektionen mit dem Coronavirus mit Symptomen einhergehen. Aus der Studie in Gangelt im Kreis Heinsberg wissen wir, dass die Dunkelziffer um den Faktor fünf höher ist. Wie ist das nun in Bad Feilnbach? Höher, niedriger? Für uns ist das wichtig, weil wir dann abschätzen können, wie hoch der Anteil der Menschen ist, die durch sind.

Warum ausgerechnet Bad Feilnbach?

Wir suchten nach Gemeinden, die relativ früh recht hohe Infektionszahlen verzeichneten, so wie Gangelt, Tirschenreuth, aber auch Rosenheim Stadt und Landkreis. Das war unser erster Zugang. Wir wollten auch keine allzu große Kommune auswählen, damit wir besser erkennen können, welche Einflüsse zum Tragen kommen. Was für uns wichtig war, das war auch die Frage, wie hoch die Kooperationsbereitschaft ist. Bad Feilnbach hatte sich bei uns gemeldet, mit dem Angebot zu kooperieren. Die Bereitschaft von Bürgermeister, Landrat und Gesundheitsamt ist da, und das ist wichtig, weil wir ja die Bevölkerung motivieren wollen, teilzunehmen.

Wie geht das vor sich?

Wir tragen den Schutzmaßnahmen Rechnung und stellen sicher, dass weder für Bürger noch fürs Personal vor Ort eine Gefährdung ausgeht. Wir sind mit 25 Mitarbeitern in der Gemeinde. Die Einladung zu den Tests organisieren wir so, dass nur wenige Personen gleichzeitig im Studienzentrum sein müssen. Unser Studienzentrum, das sind zwei Reisebusse, die wir umgebaut haben. Dort werden der Rachenabstrich und die Blutentnahme vorgenommen. Die Menschen bekommen eine fixe Uhrzeit und werden aufgeklärt, etwa wie der Datenschutz sichergestellt wird und was passiert. Die Tests selber führen wir nach allen Maßstäben wie Schutzbekleidung und Mindestabstand durch. Jeden Tag bringt ein Kurier die Abstriche und Proben nach Berlin.

Viele würden gerne wissen, ob sie es schon hinter sich haben. Kann man sich bewerben?

Das geht nicht. Freiwillige Meldungen gibt es nicht. Wir arbeiten mit Zufallsstichproben, um repräsentative Aussagen zu Bad Feilnbach gewinnen zu können.

Die Zufallsstichproben ermitteln wir beim Meldeamt. Wahrscheinlich wählen wir zunächst 4000 aus, 2000 Resultate fließen dann in die Studie ein, und zwar so, dass sie nach Alter, Geschlecht und so weiter repräsentativ für die Bevölkerung in Bad Feilnbach stehen.

Interview: Michael Weiser

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