Zwei Überfälle, ein Täter?

von Redaktion

Tankstellen-Raub am Sonntag weist Parallelen zu Vorfall in Schuhgeschäft auf

Rosenheim – Hat es die Rosenheimer Polizei mit einem Serienräuber zu tun? Nach dem versuchten Raubüberfall auf ein Schuhgeschäft an der Rosenheimer Prinzregentenstraße am 26. Mai hat am Sonntagabend ein bislang unbekannter Täter eine Tankstelle im Rosenheimer Stadtteil Westerndorf St. Peter überfallen. Auffällige Pa-rallelen: Die Täterbeschreibungen zu beiden Vorfällen sind extrem ähnlich, zudem hatte der Unbekannte die Angestellten in beiden Fällen mit einer Schusswaffe bedroht.

Laut Polizei war es Sonntagabend, 20.56 Uhr, als der unbekannte Mann die Shell-Tankstelle an der Westerndorfer Straße betrat. Das Gesicht durch einen hellblauen Einweg-Mundschutz verhüllt und mit einer Schusswaffe in der Hand forderte er den Angestellten auf, ihm das Bargeld auszuhändigen. Anschließend ergriff der dunkel gekleidete Mann mit einem dreistelligen Betrag in der Tasche die Flucht zu Fuß in Richtung Rosenheimer Innenstadt beziehungsweise Mitterfeld.

Wetter verhindert Hubschraubereinsatz

Nachdem der Angestellte einen Notruf abgesetzt hatte, machte sich die Polizei mit mehreren Streifenbesatzungen auf die Suche nach dem Räuber. Bislang ohne Erfolg. Dabei spielte dem Unbekannten auch das triste Regenwetter in die Karten, wie Polizeisprecher Martin Emig gegenüber den OVB-Heimatzeitungen erklärte. Denn ein Hubschrauber, der die Einsatzkräfte bei der Fahndung unterstützen sollte, konnte witterungsbedingt nicht starten. Die Polizei hofft nun, dass etwaige Zeugen wertvolle Hinweise zum Verbleib des Unbekannten unter Telefon 08031/200-0 geben können. Der Mann, der hochdeutsch spricht, wird seitens des Tankstellen-Angestellten als zwischen 20 und 30 Jahre alt und circa 1,75 bis 1,80 Meter groß beschrieben. Er trug zum Tatzeitpunkt dunkle, bis in die Stirn ragende Haare, eine Brille mit runden Gläsern, zwei übereinanderliegende, hellblaue Einweg-Mund-Nasenschutz-Masken sowie eine dunkle Hose, eine dunkle Sweatjacke und blaue Turnschuhe mit weißer Sohle. Nachdem der Mann bewaffnet ist, warnt die Polizei die Bürger jedoch davor, ihn anzusprechen. Stattdessen sollten sie sich umgehend an den Notruf 110 wenden.

Alter, Statur sowie das Erscheinungsbild, das auf verschiedenen Videoaufnahmen zu sehen ist (www.tinyurl.com/ovb-raubueberfall), zeigen deutliche Parallelen zu den Aufnahmen des Unbekannten auf, der am 26. Mai versucht hatte, ein Schuhgeschäft in Rosenheim zu überfallen (siehe Kasten).

Ob es sich bei beiden Vorfällen um den gleichen Täter handelt, dazu kann die Polizei bislang keine Angaben machen. „Die Kriminalpolizei ermittelt in alle Richtungen“, sagte Polizeisprecher Emig gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. „Sie überprüft aber selbstverständlich auch Parallelen zum versuchten Überfall auf ein Schuhgeschäft in Rosenheim.“

Michael Mayer, Inhaber der überfallenen Tankstelle, ist jedenfalls froh, dass die Tat letztlich glimpflich ausgegangen ist. „Ein finanzieller Schaden lässt sich ja immer irgendwie regeln. Hauptsache dem Mitarbeiter ist nichts passiert“, sagte Mayer im Gespräch mit unserer Zeitung. Schließlich könne ein derartiger Vorfall auch deutlich dramatischer ausgehen, so der Tankstellenbetreiber. Beispielsweise wenn ein Kunde im Moment des Überfalls die Tankstelle betritt und sich der Täter dadurch in die Enge getrieben fühle.

Sein Mitarbeiter, der am Sonntagabend überfallen worden ist, habe die heikle Situation seiner Einschätzung nach aber bislang „recht gut verkraftet“. Er selbst ist nach eigenen Angaben direkt, nachdem er vom Überfall informiert worden war, zur Tankstelle gefahren, um sich um seinen Angestellten zu kümmern.

Vor 25 Jahren mit Messer bedroht

Laut Mayer ist es der zweite Überfall auf die Tankstelle, die bereits seit 1924 besteht. Vor 25 Jahren sei dort schon einmal eine Mitarbeiterin Opfer eines Raubüberfalls geworden, erinnert sich der Unternehmer. „Allerdings sei der Überfall damals etwas „harmloser“ abgelaufen. „Die Mitarbeiterin ist ,nur‘ mit einem Messer bedroht worden, und nicht, wie am Sonntag, mit einer Schusswaffe“, so Mayer, der sich auch noch erinnern kann, dass das damalige Opfer „schon einige Zeit daran zu knabbern hatte“.

Niedrige Bargeldbestände

Der Tankstellenbesitzer hofft nun, dass die laut Polizei „sehr guten“ Videoaufnahmen etwaige Nachahmer abschrecken könnten. Zumal es sich angesichts der niedrigen Bargeldbestände, die in den Kassen der Tankstellen lägen, eigentlich „gar nicht lohnt“, eine Tankstelle zu überfallen.

Dennoch will der Unternehmer prüfen, ob es Wege gibt, die Mitarbeiter und sein Unternehmen noch effizienter zu schützen: „Wir sind in puncto Sicherheit zwar schon sehr gut aufgestellt. Ich werde mich aber natürlich damit beschäftigen, ob noch mehr getan werden kann.“ Mayer: „Wenn wir jetzt wieder mindestens 25 Jahre von derartigen Taten verschont bleiben, dann bin ich zufrieden.“

Täter bedroht Angestellte, flieht dann aber ohne Beute

Handelt es sich bei dem jungen Mann, der am Sonntagabend eine Tankstelle in Rosenheim überfallen hat, um den gleichen, der am Dienstag, 26. Mai, versucht hatte, ein Schuhgeschäft an der Prinzregentenstraße, Ecke Gillitzerstraße, zu überfallen? Wie berichtet, hatte der Unbekannte gegen 13.30 Uhr das Schuhgeschäft betreten, eine Verkäuferin mit einer Schusswaffe bedroht und Bargeld gefordert. Plötzlich ließ er allerdings von seinem Vorhaben ab und flüchtete in Richtung Salingarten. Trotz der sofort eingeleiteten Großfahndung, an der sich unter anderem auch ein Diensthund der Polizei sowie ein Polizeihubschrauber beteiligten, blieb die Suche nach dem Unbekannten bis heute erfolglos. Auch die wenigen Hinweise, die nach der Veröffentlichung von Fahndungsfotos bei der Polizei eingingen, lieferten keine heiße Spur. Von der damals betroffenen Verkäuferin wird er als rund 20 Jahre alt, circa 1,75 Meter groß und schlank beschrieben. Zum Tatzeitpunkt trug der Unbekannte, der akzentfrei Deutsch sprach, einen dunklen Kapuzenpulli der Marke Hollister, eine helle Jeans, schwarz-weiße Schuhe, vermutlich Vans Old Skool, eine weiße Community-Maske und einen schwarzen Rucksack. mw

Artikel 7 von 11