Erster Christkindlmarkt abgesagt

von Redaktion

Ja, ist denn jetzt schon Weihnachten? Für Organisatoren von Christkindl-, Advents- und Waldweihnachtsmärkten durchaus. Sie schwanken zwischen „abgesagt“, „haben wir uns noch nicht mit beschäftigt“ und „findet in irgendeiner Form statt“.

Rosenheim – Schlechte Nachricht für die Raublinger: Ihr Weihnachtsmarkt ist abgesagt. Die Gemeinde wollte nicht bis in den Herbst hinein warten und dann erst absagen. Das sei den Ausstellern, die etwas produzieren, gegenüber unfair. Und da die Situation zum Jahresende nicht abzusehen sei, habe man jetzt abgesagt. „Hoffentlich nächstes Jahr wieder“, sagt Stefan Landprecht, Geschäftsleiter der Gemeinde.

Einer der beliebtesten Weihnachtsmärkte der Region findet an den ersten beiden Adventswochenenden auf der Fraueninsel statt. Bei gutem Wetter tummeln sich auf der 300 Meter langen und 600 Meter breiten Insel an zwei Wochenenden zum Teil über 50000 Menschen an den rund 90 Ständen.

Organisiert wird der Christkindlmarkt auf der Insel – ebenso wie der Markt in Prien – von der Prien Marketing GmbH. Dort war „abhalten oder absagen“ noch kein Thema, sagt Magdalena Berka. „Wir warten auf die Entscheidung der Politik, wie es ab Ende August in Bayern weitergeht. Und erst dann beschäftigen wir uns damit.“

Auf die Entscheidung Ende August warten auch die Bad Aiblinger. Bei schönem Wetter sei am Wochenende der Marienplatz gut gefüllt, sagt Thorsten Bäcker, bis zu 1000 Menschen gleichzeitig seien dann durchaus unterwegs. Der Bad Aiblinger Weihnachtsmarkt soll nach Möglichkeit stattfinden, eventuell an einem anderen Ort. Zum Beispiel am deutlich größeren Volksfestplatz. Noch sei aber alles offen, sagt der Mitarbeiter der Stadt, denn es wisse ja noch keiner, ob es bis zum Advent einen Impfstoff gebe oder für derartige Veranstaltungen ausgearbeitete Hygienevorschriften oder gar eine zweite Corona-Welle.

Entzerrter Markt
in der Altstadt

In Wasserburg soll es einen Christkindlmarkt geben. „Der ist für den Einzelhandel in der Stadt extrem wichtig, deshalb wollen wir nicht darauf verzichten“, so Moritz Hasselt, Vorsitzender des Wirtschaftsförderungsverbandes (WFV). Der Vorstand habe verschiedene Szenarien durchgespielt und festgestellt: Die 25 Hütten, gestaltet nach dem Vorbild der Wasserburger Altstadthäuser, können so rund ums gotische Rathaus und in angrenzende Straßenzüge verteilt werden, dass Abstandhalten möglich ist. Die Eisbahn in der Herrengasse mit angeschlossener Alm wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben, so Hasselt. Sie war 2019 Publikumsmagnet und regelmäßig von dichten Menschentrauben umstanden. „Ich sehe schwarz für das Winterbasarzelt“, sagt der WFV-Vorsitzende, auch der Perchtenlauf fällt wohl dem Coronavirus zum Opfer, ebenso wie große Teile des Rahmenprogramms. Die Ausschreibung für die Gstronomie- und Verkaufsstände ist gerade angelaufen, Verträge werden aber unter Vorbehalt abgeschlossen, „schließlich weiß heute niemand, wie es im November/Dezember aussieht.“

Das weiß auch Sebastian Gasteiger nicht. Der Vorsitzende des Bad Feilnbacher Trachtenvereins plant deswegen mit seiner Truppe den Waldadvent ganz normal weiter. Das Bühnenprogramm wird von den Einheimischen selber bestritten, da kann der GTEV „D’Jenbachtaler“ kurzfristig reagieren, „Ende Oktober ist für uns Deadline“, so Gasteiger, aber vermutlich sei die Entwicklung schon vorher abzusehen. Jetzt jedenfalls wolle man den über 60 Standlbetreibern eine Absage noch nicht zumuten. Die Möglichkeit, die Stände weiter auseinanderzuziehen, gebe es im Wald im Naturpark nicht, eine Zugangskontrolle sei nicht machbar, so Gasteiger. Sein Fazit: „Der Waldadvent findet statt wie immer oder er findet gar nicht statt.“

Der größte Weihnachtsmarkt der Region wird alljährlich am Max-Josefs-Platz in Rosenheim vom Wirtschaftlichen Verband (WV) ausgerichtet. Etwa 250000 Besucher tummeln sich dort alljährlich zwischen den 52 Ständen, schätzt WV-Geschäftsführer Klaus Hertreiter.

Gespräche mit
Standlbetreibern

Er geht davon aus, dass es auch 2020 einen Christkindlmarkt in Rosenheim geben wird, „nur, wie der aussieht, das ist völlig offen“. Das sei für den einen oder anderen Standlbetreiber schwierig, mit denen führe man aber gerade Gespräche, und wenn jemand diesen Winter aussetzen wolle, sei das kein Problem.

Im Spätsommer seien Gespräche mit der Stadt geplant, so Hertreiter. „Wir müssen über eine Entzerrung der Besucher nachdenken“ und dann auch mit der Stadt die Möglichkeiten diskutieren. „Und falls das Großveranstaltungsverbot bis zum Jahresende verlängert wird, dann ist sowieso alles obsolet.“

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