„Keine billigere wirksame Methode“

von Redaktion

INTERVIEW Mediziner Nikolaus Klecker erklärt, warum Masken gegen Corona helfen

Rosenheim – Dr. Nikolaus Klecker (63) aus Rosenheim Vorsitzender des Hausärzteverbands in Oberbayern. Er kennt die Diskussionen um Corona-Schutzmasken und will aufklären. Im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen erklärt er, warum Masken ein billiger und doch recht wirksamer Schutz sind.

 Sind die Diskussionen um Masken für Sie nachvollziehbar?

Einerseits ja, wer trägt denn schon gerne Masken, vor allem im Sommer. Anderseits gibt es keine billigere wirksame Methode, das Ansteckungsrisiko herabzusetzen, wenn man die Folgekosten bei Restaurant- und Geschäftsschließungen sieht.

Masken werden schnell feucht, und oft werden sie auch noch falsch aufgesetzt. Was nützen sie?

Natürlich können Masken vor allem beim längeren Tragen von innen feucht werden. Rein experimentell betrachtet sind sie je nach Maskenaufbau – ein- oder mehrschichtig, wasserabweisend oder mit Ventil – mehr oder minder für Viren durchlässig. Ist auch logisch, sonst würden wir damit nicht atmen können. Neuere Studien mit über 2500 Teilnehmern belegen aber, dass neben Abstandhalten das Tragen von Masken das Infektionsrisiko beträchtlich absenkt.

Wie das?

Viren sind bekanntlich unbeweglich und benötigen ein Transportmedium, etwa ein Staubpartikel oder winzige Tröpfchen, sogenannte Aerosole, die beim Sprechen oder Singen entstehen oder bis zu drei Metern ausgehustet werden. Durch das Andocken der  Viren werden die Partikel größer und können somit durch die Masken besser abgehalten werden. 

Welche Belege haben Sie für die Wirksamkeit?

Masken sind sehr wirkungsvoll in geschlossenen Räumen. Als Beispiel sei  für die rasche Virusverbreitung Weihrauch in einer geschlossenen Kirche angeführt, der bald bis zur letzten Bank wahrnehmbar, bei einer Feldmesse hingegen nach wenigen Metern kaum mehr  zu riechen ist. Die Maske allein genügt nicht, vielmehr verringert die Kombination aus Maske und Abstand das Risiko. In Tschechien mit über zehn Millionen Bevölkerung sind lediglich rund 330 Tote zu beklagen. In Schweden hingegen, wo keine besonderen Maßnahmen eingeleitet wurden, sind bei einer ähnlichen Bevölkerungszahl fast 5000 Tote registriert, das ist das 15-fache. Unser Problem ist die Arglosigkeit infolge der Lockerungen. Wichtig ist, sich gegenseitig daran zu erinnern, eine Maske zu tragen und Abstand zu wahren. Solange es keine anderen geeigneten Möglichkeiten gibt, sind diese einfachen Mittel wirkungsvoll und halten möglichst viele auf Dauer gesund.

Interview Michael Weiser

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