Nach Operationen ein Pflegefall

von Redaktion

Arzt erhebt schwere Vorwürfe gegen Romed-Klinik Bad Aibling

Bad Aibling – 13 unfassbar qualvolle Wochen liegen hinter einer 68-jährigen Frau aus dem Mangfalltal, seit sie bei einem Sturz zu Hause einen Ellbogen- und vierfachen Beckenbruch erlitt und sich dann als Hochrisikopatientin in der Klinik mit dem Coronavirus infizierte. Der Leidensweg, den die Patientin seither bei ihrem Weg durch die Kliniken erlebt, brachte sie mehrfach an die Grenze zwischen Leben und Tod.

Massive Fehler bei
der Behandlung?

Dass die frühere Hochschullehrerin nun als Pflegefall nach Hause zurückkehren wird, dazu hätte es aber nach Ansicht ihres Mannes, selbst ein erfahrener Mediziner, der lange eine Hausarztpraxis im Mangfalltal betrieb und auch als Notarzt tätig war, nicht kommen dürfen. Er wirft den Ärzten der chirurgischen Abteilung der Romed-Klinik Bad Aibling vor, bei der Behandlung massive Fehler gemacht zu haben: „Sie haben die enormen Auswirkungen der Covid-19-Erkrankung auf ihre schon geschädigten Organe nicht erkannt.“

Häusliche
Quarantäne

Acht Tage waren seit der der Becken-OP vergangen, als das Ehepaar die Schreckensnachricht traf: Nachdem eine Bettnachbarin akut am Coronavirus erkrankt war, wird auch die 68-Jährige positiv auf eine Covid-19-Erkrankung getestet. Doch noch in der Inkubationszeit der Erkrankung erfolgt – vier Tage nach Erhalt des Testergebnisses – die Entlassung nach Hause in die Quarantäne – „trotz ihres höchsten Risikos, denn meine Frau ist Rheumatikerin unter immunsuppressiver Therapie und war durch die Operation noch sehr geschwächt“, kritisiert der Ehemann. Und das hätte seine Frau zum ersten Mal fast das Leben gekostet. Kaum zuhause, muss der Hausarzt kommen. Diagnose: massive Anämie (Blutarmut) und akutes Leber- und Nierenversagen, sofortige Einweisung ins Krankenhaus, dieses Mal in die Romed-Klinik Rosenheim. Die Patientin überlebt.

Nach knapp drei Wochen wird sie – immer noch positiv auf Coronaviren getestet – zur Nachbehandlung in die Blumenhofklinik Bad Feilnbach verlegt, bleibt dort isoliert. In dieser Zeit die nächste schlechte Nachricht. Die Patientin muss erneut an der Hüfte operiert werden: Die Schraube, die bei der Becken-OP eingesetzt worden war, ist zu lang, hatte Kontakt mit dem linken Hüftgelenk. Etwas, das, wie auch der Ehemann sagt, durchaus vorkommen kann.

Zurück in der Romed-Klinik Bad Aibling wird die Schraube ersetzt. Eine notwendige OP, aber mit dramatischen Folgen: Die Patientin erleidet ein Leberausfallkoma mit hepatischer Enzephalopathie (eine Leber-Hirn-Störung). „Ich dachte, meine Frau stirbt in den nächsten zwei Stunden“, erinnert sich ihr Mann mit belegter Stimme.

Ammoniakspiegel
steigt an

Sein Vorwurf: „Meine Frau hätte nach der OP sofort auf die Innere Abteilung verlegt werden müssen. Man hätte die Ammoniakbildung im Blut messen müssen. Denn wenn der Gehalt stark ansteigt, kann es zu einer Schwellung im Gehirn kommen“, weiß der Mediziner. Erst, als der Ammoniakspiegel wieder sank, stabilisierte sich der Zustand seiner Frau einigermaßen.

Doch auch nach zehn Wochen fast durchgehender Krankenhausaufenthalte war an eine Gehfähigkeit immer noch nicht zu denken. Doch habe die chirurgische Abteilung Bad Aibling eine geriatrische Reha angeordnet. Seit Ende Mai befindet sich die immer noch stark geschwächte Frau nun in der Simsseeklinik in Bad Endorf. Für eine Reha viel zu früh, sagt der Ehemann: „Die Spuren des Leberversagens waren noch nicht beseitigt. Meine Frau war zu Ort und Zeit nicht orientiert, war nicht einmal in der Lage, ihren Namen zu schreiben oder eine Telefonnummer zu notieren.“

Der nächste Tiefschlag nach wenigen Tagen: Der Blutfarbstoff sinkt dramatisch, die Patientin übergibt sich, kommt für zwei Tage zurück nach Rosenheim, erhält unter anderem eine Bluttransfusion. Zurück in Bad Endorf, stürzt sie – alleine auf dem Zimmer – aus dem Rollstuhl. Ihr Mann, der gerade mit ihr telefoniert, hört das aus der Ferne mit an. Besuchen darf er seine Frau aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht, findet aber auch kaum Ansprechpartner, die ihm Auskunft über ihren Zustand geben.

Auf seine Nachfrage Anfang der Woche aber dann die Nachricht, die er bereits befürchtet hat. Seine Frau, einst Hochschullehrerin und Lehrstuhlinhaberin am Institut für Urgeschichte in Erlangen, ist körperlich ein Pflegefall. Kommenden Montag darf sie zurück nach Hause, wo ihr Mann derzeit fieberhaft versucht, alles für die neue Lebenssituation vorzubereiten. Eine Klage erwägt er indes nicht: „Was bringt das? Das macht meine Frau auch nicht wieder gesund. Es ist ein Drama.“

Klinik will Fall „intern
intensiv aufklären“

Ein Drama, zu dem sich die Romed-Kliniken nur knapp gegenüber unserer Zeitung äußern: „Wir bitten um Verständnis, dass aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht und des Datenschutzes Angaben zu diesem konkreten Einzelfall nicht möglich sind.“ Die Romed-Kliniken hielten regelmäßig sämtliche Hygiene- und Schutzvorschriften ein. „Dass es dennoch zu einer Ansteckung mit dem Coronavirus gekommen ist, zeigt die Gefährlichkeit dieses Virus. Die Ansteckung der Patientin bedauern wir zutiefst.“ Selbstverständlich werde dieser Fall intern intensiv aufgeklärt, versichert eine Sprecherin der Klinik.

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