Freistaat lässt den Inselwirt stranden

von Redaktion

Schlösserverwaltung genehmigt Erweiterung der Biergartenfläche nicht

Chiemsee – Der Freistaat wirft sich, so wirkt es auf den ersten Blick, für seine Wirte in die Bresche. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger etwa bat die Kommunen im Freistaat öffentlichkeitswirksam, Stellflächen für die Außengastronomie „rasch und antragstellerfreundlich im Rahmen des rechtlich Möglichen“ zu genehmigen.

Hört sich gut an, schaut nur in der Praxis manchmal anders aus. Denn „antragstellerfreundlich“ zeigt sich der Freistaat selber nicht, wie Daniel Hagen jetzt erfahren musste. Dem Wirt des „Inselbräu“ wurde die Erweiterung seiner Biergartenfläche jetzt verweigert. Von der Bayerischen Schlösserverwaltung. Einer Behörde, die dem Bayerischen Finanzministerium unterstellt ist.

Die Schlösserverwaltung ist Besitzer der Fläche, auf die Daniel Hagen erweitern wollte. Sie lehnte ab, mit Hinweis auf drohende Wettbewerbsverzerrungen, sagt Hagen.

Über Facebook hat Daniel Hagen die Öffentlichkeit über die Verweigerung der Erlaubnis informiert. „In unserer Situation macht leider der Erfinder dieses Gedankens nicht mit“, schreibt er. „Auf der Wiese vor unserem Lokal sind wir leider nur Pächter. Der Eigentümer ist der Freistaat Bayern, und genau dieser hat uns die gastronomische Nutzung abgelehnt… traurig, aber wahr!“

Freistaat als
Wirtschaftsbremser?

Viele Kommunen sind dem Aufruf indes gefolgt, vielerorts genehmigt das KVR schnell und verhältnismäßig. In manchen Städten sorgt die Erweiterung der Freiflächen für geradezu südländisches Flair. In Rosenheim besuchten nach Auskunft eines Sprechers Vertreter der Verwaltung die Fußgängerzone und klärten vor Ort ab, wo um wie viel erweitert werden könne. Anfragen würden weiterhin großzügig behandelt.

Anders auf der Insel im Chiemsee. Er fühle sich schon stark benachteiligt, sagt Daniel Hagen. Dabei sei es um lediglich 80 Quadratmeter gegangen, „neun Tische, eigentlich lächerlich“.

Erweitern drrfte der Klosterwirt – weil dort der Besitzer keine Einwände hat: Das Anwesen gehört der Benediktinerinnen-Abtei Frauenwörth. Eine Erweiterung darüber hinaus aber genehmigte die Gemeinde nicht. Mit Rücksicht auf den „Inselwirt“, vermutet Geschäftsführer Michael Leiner. Stimmt, sagt Bürgermeister Armin Krämmer (FWG), man habe die Kapazität so beschränkt, sodass es auch nach Erweiterung nicht mehr Sitzplätze seien als zuvor – „damit’s einigermaßen gerecht zugeht“.

Daniel Hagen sieht die Wirte auf den Inseln ohnehin in schwieriger Lage. Unter anderem, weil die Schifffahrt früh coronabedingt nur noch Insulaner transportierte und auch nach der Lockerung erst einmal mit einem Notfahrplan fuhr. Nunmehr sei man dringend auf einen schönen Sommer angewiesen.

Landtagsabgeordneter
schaltet sich ein

Eine Anfrage beim Finanzministerium brachte nur einen Verweis auf die Schlösserverwaltung. Die sei für die Angelegenheit zuständig. Die Anfrage der OVB-Heimatzeitungen hatte die Behörde bis Redaktionsschluss noch nicht beantwortet. Eingeschaltet hat sich mittlerweile der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner. Der tourismuspolitische Sprecher der CSU-Fraktion und Vorsitzender des Tourismusverbandes Oberbayern sagte auf Anfrage, er habe sich mit einem Schreiben an das Finanzministerium gewandt.

Auch Bürgermeister Krämmer ist aktiv geworden und hat das Gespräch mit der Schlösserverwaltung gesucht. Er hofft dringend auf einen Sinneswandel. „Denn wenn es so bleibt, wird Daniel Hagen massiv benachteiligt.“

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