Blutige Indizien im Grenzgebiet

von Redaktion

Tote Schafe in Kössen – Hinweise auf Wölfe in der Region verdichten sich

Reit im Winkl/Kössen – Die Hinweise, dass ein Wolf oder sogar mehrere der Raubtiere im Raum Rosenheim unterwegs sind, verdichten sich. Nicht nur, dass am Wochenende ein Video aufgetaucht ist, dass einen Wolf bei Reit im Winkl zeigen soll. Auch mehrere gerissene Schafe in Kössen legen bei Experten den Verdacht nahe, dass sich der Wolf in den Wäldern der Region aufhält.

Das 25-sekündige Video, das am Samstag in Reit im Winkl aufgenommen worden sein soll, zeigt Szenen, die sonst nur bei Tierdokumentationen im TV zu sehen sind: Ein wolfsähnliches Tier zerrt auf einer Wiese ruckartig an den Beinen eines offensichtlich toten Rehs – bis es, nach einiger Anstrengung,mitderBeute in einem Waldstück verschwindet.

Jäger ist sich
ziemlich sicher

Engelbert Fuchs, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Kiefersfelden, hat das Video von einem Bekannten zugeschickt bekommen. Er ist sich ziemlich sicher, dass die Aufnahme einen Wolf zeigt, der seine Beute in Sicherheit bringt. „Natürlich könnte es von der Statur her auch ein großer Hund sein“, sagt Fuchs, „doch ein Hund würde schneller von dem toten Tier ablassen.“

Mehr Aufschluss über das Wesen könnte vielleicht der Urheber des Videos liefern – doch der ist derzeit noch unbekannt. So ist weder sicher, dass die Sequenz in Reit im Winkl aufgenommen worden ist, noch, dass das Video wirklich am Samstag aufgenommen worden ist.

Und dennoch gibt es immer mehr Indizien dafür, das zumindest ein Wolf durch die Wälder des Chiemgaus streift. Denn in Kössen, das nur wenige Kilometer von Reit im Winkl entfernt im österreichischen Bundesland Tirol liegt, sind am Freitag drei gerissene Schafe an der Naringalm entdeckt worden. „Die Schafe weisen eindeutige Kehlbisse und Blutergüsse im Bissbereich auf. Aufgrund des Rissbildes ergibt sich ein konkreter Wolfsverdacht“, teilte Martin Janovsky, Beauftragter des Landes Tirol für große Beutegreifer, nach dem Fund der Kadaver mit. Eine DNA-Anaylse aus den Bissspuren sollen nun endlich Gewissheit bringen.

Gewissheit, die Arno Egger aus Kössen seiner Meinung nach eigentlich gar nicht mehr benötigt. Er hatte die drei toten Schafe am Freitagmorgen in der Nähe der Kössener Naringalm entdeckt – und in einer Entfernung von rund 80 Metern auch das wolfsähnliche Tier beobachtet, dass sich wenig später in ein angrenzendes Waldstück zurückgezogen hatte. Egger, Obmannstellvertreter des Waliser Schwarznasenzuchtvereins Tirol und selbst Züchter von Schafen, ist sich sicher: „Das war ein Wolf.“

Schafzüchter
in Sorge

Er will seine Tiere, die gemeinsam mit Schafen von fünf anderen Züchtern an der Naringalm weiden, so schnell wie möglich zurück ins Tal holen. Denn würden die Tiere auf der Alm bleiben, rechnet Egger nach eigenen Angaben damit, dass „es dort bald 50 bis 60 tote Tiere gibt“. Denn der Kössener vermutet, dass nicht nur ein Wolf in der Region sein Unwesen treibt, sondern mindestens zwei, wenn nicht gar noch mehr dieser Raubtiere durch die Wälder streifen. Seine Vermutung stützt er auf mögliche Wolfssichtungen, die in kurzen Zeitabständen an mehreren Orten im bayerisch-tirolerischen Grenzgebiet erfolgt sein sollen.

Die Einschätzung, dass mittlerweile gleich mehrere Wölfe durchs Chiemgau streifen, hält auch Fuchs aus Kiefersfelden für nicht ganz abwegig. So habe das Wild in der Region in den vergangenen Wochen mehrfach auffälliges Verhalten gezeigt, was allerdings von verschiedenen Einflüssen herrühren könne. Zudem sei die lange Aufenthaltsdauer laut Fuchs für einen einsamen Wolf eher ungewöhnlich. Daher sei es durchaus denkbar, dass bereits ein Pärchen oder gar ein ganzes Rudel in der Region angekommen sei.

Ein ganzes Rudel unterwegs?

Ein ganzes Rudel Wölfe – für den Schafzüchter Egger eine schreckliche Vorstellung. „Durch den Wolf wird unsere jahrelange Arbeit kaputt gemacht“, findet der Kössener, der zudem darauf verweist, dass die Gegend rund um Kössen letztlich ja „eine Ausflugsregion“ sei: „Für Familien, die mit ihrenKindern hier beim Wandern unterwegs sind, ist so ein totes Tier wie jetzt die Schafe kein schöner Anblick.“ Daher hofft Egger, dass die Tiroler Landesregierung, so bald die DNA-Analyse den Wolfverdacht bestätigt, Maßnahmen ergreift. Egger: „Ich hoffe, dass die Politik sich dann durchringt und eine Abschusserlaubnis erteilt.“

Artikel 4 von 11