Prien/Chiemgau – Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und umgestürzte Bäume: Ein schweres Unwetter hat am Sonntagabend über den Gemeinden rings um den Chiemsee gewütet. Am stärksten betroffen war Prien. Gegen 20 Uhr wurde in der dortigen Einsatzzentrale „Vollalarm“ ausgelöst. „Wir hatten bis in die Nacht 80 Einsätze“, sagte Priens Feuerwehrkommandant Samuel Witt. Allein die Feuerwehr Prien war mit 50 Mann im Einsatz. Sie wurde noch unterstützt von den Feuerwehren Aschau, Atzing, Bad Endorf, Bernau, Greimharting, Hittenkirchen und Rimsting.
200 Notrufe
in drei Stunden
Bei den Feuerwehren im Landkreis Traunstein gingen innerhalb von drei Stunden 200 Notrufe ein. „Rund die Hälfte der 80 Feuerwehren im Landkreis war im Einsatz, teilweise die ganze Nacht über“, erklärte Peter Volk, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands Traunstein.
Priens Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG), der auch Feuerwehrmann ist, war den ganzen Abend in der Einsatzzentrale der Feuerwehr. „Das war schon ein sehr heftiges Ereignis“, erklärt Friedrich. Tagsüber sei es sehr heiß gewesen, die herannahende Kaltfront sei auf die extrem warme Front gestoßen, das Unwetter habe sich genau über Prien entladen. Der Sturm hat auch einige Dächer abgedeckt. Das sind für Friedrich mit die schlimmsten Momente, „weil man das Dach ja wegen des Regens ganz schnell wieder dicht bekommen muss“.
An der Staatsstraße 2092 zwischen Prien und Rimsting hat das Unwetter nach Angaben der Polizei viele Bäume umgerissen. Wegen der Aufräumarbeiten mit schwerem Gerät ist die Straße noch bis Freitag gesperrt, die Umleitung über Pinswang ist ausgeschildert.
„Es rufen auch am heutigen Montag nach dem Unwetter noch Leute an, die Schäden erst jetzt bemerken“, so Friedrich. „Die Folgen werden uns noch zwei Wochen beschäftigen.“
Stefan Ertl, Leiter der Integrierten Leitstelle Rosenheim, spricht von circa 130 Einsätzen im gesamten Landkreis. „Wir haben die Leitstelle verstärkt, um der Anrufe Herr zu werden“, so Ertl. Mittlerweile habe sich die Lage wieder entspannt.
Stark beeinträchtigt war der Bahnverkehr auf der Strecke zwischen Rosenheim und Salzburg. Nach Angaben der Bayerischen Regiobahn (Meridian) musste die Strecke zwischen Bad Endorf und Übersee gesperrt werden, da ein Blitz in die Oberleitung eingeschlagen hatte und ein brennender Baum darauf lag. Als Ersatz fuhren zwei Busse und vier Großraumtaxis.
„Zwei Railjets der Österreichischen Bundesbahn kamen nicht mehr durch, die Fahrgäste mussten mit Bussen weitertransportiert werden“, erklärt Michael Schmidt, Sprecher der Deutschen Bahn in Bayern. Am Montagnachmittag hatte sich der Zugverkehr stabilisiert. Nur zwischen Traunstein und Aschau sowie zwischen Traunstein und Waging seien die Strecken noch gesperrt, weil sie unterspült worden seien.