Reit im Winkl/Kössen – Funde von toten Schafen in Tirol und in Reit im Winkl sorgen für Unruhe unter den Almbauern. Ist ein Wolf der Täter, sind es gar mehrere Wölfe, die auf Jagd gehen? In Tirol ist man sich fast sicher, auch in Bayern will man die Möglichkeit von Wolfsaufenthalten nicht ausschließen. Ein angebliches Video vom Beutezug eines Wolfes angeblich in Reit im Winkl hingegen scheint als Beweis auszuscheiden.
Die Landwirte
sind wütend
„Eine Katastrophe ist das“, sagt Leo Mühlberger, „ich spüre Trauer und Wut“. Was diese explosive Mischung in Mühlberger angerührt hat: der Anblick der vier toten Schafe, die zu seinem Bestand gehört hatten. Blutig, mit zerbissenen Kehlen, so liegen sie im Gras. „Aufgrund des Rissbildes ergibt sich ein konkreter Wolfsverdacht“, schreibt das Land Tirol in einer Pressemitteilung zu den toten Tieren.
Gefunden hatte die Kadaver Arnold Egger, Obmannstellvertreter des Waliser Schwarznasenzuchtvereins in Tirol. „Wir waren ja seit vergangener Woche immer wieder auf Patrouille“, sagt Mühlberger. Grund sei der Zwischenfall in Walchsee gewesen, beziehungsweise: der Fund von drei toten Schafen dort, in der Nähe von Kufstein.
Auch in diesem Falle besteht Wolfsverdacht, die Ergebnisse der DNA-Analyse liegen jedoch noch nicht vor – und damit fehlt auch weiterhin die letzte Sicherheit. Aus dem Grenzgebiet zu Bayern gab es schon zuvor Meldungen über Sichtungen eines Wolfes.
Der Almbauer Leo Mühlberger betreut in normalen Zeiten 90 Schafe auf seiner Naringalm bei Kössen in Tirol. Jetzt sind nur noch 60 Tiere da, seine eigenen. Wer die Tiere von Mühlberger auf die Alm hatte treiben lassen, hat sie nun wieder zurück ins Tal geholt. Dorthin, wo sie sicher sind oder zumindest sein sollten. Es ist die Furcht vor dem Wolf, die Almbauern wie Mühlberger umtreibt. Arnold Egger sagt: „Wir hoffen, dass wir bald eine Reaktion der Regierung bekommen und es beispielsweise eine Freigabe für den Abschuss gibt.“
Landesamt testet
nun Rissspuren
Während sich das Land Tirol recht konkret zur Möglichkeit von Wölfen in der Region geäußert hat, gab das Bayerische Landesamt für Umwelt in Augsburg zunächst zurückhaltende Auskünfte. Ein Handyvideo und Fotos eines großen, wolfsähnlichen Tieres hatten bereits vor zwei Wochen im Hochriesgebiet für Unsicherheit gesorgt. Das Landesamt aber hatte das Vorkommen eines Wolfes in der Region seinerzeit nicht bestätigen wollen.
Richtig sicher kann man sich nur sein, wenn DNA eines Wolfes oder ein Wolfskadaver gefunden werden. Dazu scheint sich nunmehr die Möglichkeit zu bieten. Das Landesamt für Umwelt bestätigte gestern Abend auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen, dass in den vergangenen Tagen „im deutsch-österreichischen Grenzgebiet zwischen Traunstein und Kitzbühel auf bayerischer Seite sechs Schafe tot aufgefunden“ worden seien. „Experten vom Netzwerk Große Beutegreifer waren umgehend vor Ort, um den Sachstand zu begutachten und genetische Proben zu nehmen.“ Aktuell, so heißt es weiter, „kann ein Wolf als Verursacher in solchen Fällen nicht ausgeschlossen werden“.
Die Verunsicherung ist groß unter den Almbauern. Videoclips wie der, der seit Kurzem in Facebook kursiert, beunruhigen die Menschen in der Region weiter. Da sieht man, wie ein großes wolfsähnliches Tier ein totes Schaf von einer Wiese zerrt.
Video mindestens
ein Jahr alt
Aufgenommen wurde es angeblich vor Kurzem in Reit im Winkl. Beides ist jedoch höchst fraglich. Der Clip sei mindestens ein Jahr alt, heißt es vonseiten des Landesamtes. „Und in Reit im Winkl ist das sicher auch nicht“, sagt Bürgermeister Mathias Schlechter. Eine derart großkalibrige Schneekanone, wie sie auf dem Video zu sehen ist, gebe es auf Gemeindegrund nicht. Die Zeitung „Salzburg aktuell“ verortete es vor acht Monaten in Südtirol. Sicher ist: Die toten Schafe aus Reit im Winkl werden nunmehr untersucht, und das wird Zeit kosten. Schlechter rechnet mit fünf, sechs Wochen Bearbeitungsdauer.