Zwischen Himmel und Erde

Sich verbandeln lassen

von Redaktion

Hochzeiten gehören zu den schönen Ereignissen. Unvergessen bleibt für mich ein Brautpaar, das durch die Liebe zu den Bergen und den Klettersport zueinandergefunden hatte. Mit der Bitte, die Predigt zu ihrer Trauung zu übernehmen, kam die Frage, ob sie dazu vielleicht auch ihre Kletterseile mitbringen dürften. Heiraten heißt, sich vor Gott „verbandeln“ zu lassen – und so haben die zwei in der Kirche auch ihre beiden Kletterseile zusammengebunden.

Beim Klettern muss jeder Knoten absolut sicher sein. In einer Seilschaft muss sich einer auf den anderen verlassen können. In einer Partnerschaft ist das nicht anders. Wir haben das Kletterseil von nun mehr als 150 Meter Länge dann durch alle Bankreihen weitergereicht. Zur „Lebensseilschaft“ des jungen Paares gehören die Hochzeitsgäste ja dazu. In der sechsten Reihe passierte dann das Malheur: Ein riesen Knäuel, das so nicht geplant war.

Auch in einer Beziehung muss man manchen Knoten mühsam lösen. Die Musiker spielten ein weiteres Lied, bis zu meiner großen Erleichterung endlich alle bis zur letzten Bank mit dem Seil des Brautpaares verbunden waren. „Diese Hochzeitspredigt werden wir so schnell nicht vergessen“, sagte danach ein älterer Herr und meine Antwort war ehrlich: „Glauben Sie mir, ich auch nicht!“

„Die Liebe aber ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht“, schreibt Paulus in der Bibel. Beziehung ist immer ein Wagnis und das Scheitern eine mögliche Realität. Gerade deswegen ist es gut, Gott ganz bewusst in alle Seilschaften unseres Lebens hineinzunehmen.

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