Rosenheim – Die Region Rosenheim bleibt eine der beliebtesten Zuzugsregionen Bayerns: Fast 265000 Einwohner (Zweitwohnsitze nicht eingerechnet) leben einer aktuellen Umfrage der OVB-Heimatzeitungen zufolge derzeit im Kreis Rosenheim – so viele wie noch nie zuvor. Quelle: die 46 Einwohnermeldeämter der 46 Kommunen im Landkreis.
Zahlen aktuell
abgefragt
Die Zahlen sind ganz neu, erfassen den Stand zum 30. Juni 2020 beziehungsweise Anfang Juli. Damit geht die Tendenz weiter nach oben. Vor einem halben Jahr, zum Stichtag 31. Dezember 2019, lebten laut Statistischem Landesamt 261330 Menschen im Landkreis Rosenheim. Die Landesoberbehörde, die dem Bayerischen Innenministerium angehört, liefert regelmäßig die amtlichen Einwohnerzahlen – allerdings mit etwa einem halben Jahr Verzögerung. Oft decken sich diese offiziellen Daten nicht mit den „inoffiziellen“ Zahlen der jeweiligen Meldeämter. Deshalb ist es – so etwa im Zuge der letzten Zensus-Volkszählung 2011 – sogar schon zu juristischen Auseinandersetzungen gekommen. Einige Kommunen im Landkreis waren nicht damit einverstanden, dass ihnen die Statistiker quasi über Nacht einige Hundert Einwohner „strichen“. Landkreisweit „verschwanden“ 2011 über 5000 Einwohner.
Eigentlich wäre 2021 die nächste große Volkszählung fällig. „Doch der Zensus wird verschoben“, erklärt Michael Fischer, Sprecher des Rosenheimer Landratsamtes. Der Grund: die erschwerten Bedingungen durch die Corona-Pandemie. Nun soll erst 2022 die nächste bundesweite Zählung stattfinden.
Nimmt man die aktuellen 265000 Einwohner als Maßstab, sind in den vergangenen zehn Jahren weitere 25000 Menschen im Landkreis hinzugekommen. 2010 waren es noch offiziell rund 249800 Einwohner.
In der Dekade davor war der Anstieg geringer: von 236500 im Jahr 2000 ging es bis 2010 rauf auf fast 250000 Landkreis-Rosenheimer. Zu einem Zuzugsboom war es hingegen in den 90er-Jahren gekommen, als die Einwohnerzahl von 206300 im Jahr 1990 bis 2000 um rund 30000 stieg.
Die Marke von 200000 hatte Rosenheim, heute nach München der bevölkerungsreichste Kreis in Bayern, bereits in den 80ern geknackt. 1980 wurden noch rund 183700 Einwohner gezählt.
20000 Einwohner
im Visier
Der stetige Zuwachs hat dazu geführt, dass die zwei größten Städte im Landkreis, Bad Aibling und Kolbermoor, bald die Marke von 20000 Einwohnern übertreffen könnten. In Bad Aibling kommt das Meldeamt auf knapp 19620 Einwohner, in Kolbermoor auf 19070. Die Größe einer Kommune wirkt sich zwar grundsätzlich auf die Höhe von Geldzuweisungen aus, doch der mögliche Vorstoß in eine neue Dimension werde Kolbermoor kaum spürbare Veränderungen bringen, verfolgt Bürgermeister Peter Kloo die Entwicklung gelassen. Lediglich die Quote für ein Bürgerbegehren verändert sich leicht von zehn auf neun Prozent.
Ganz anders wäre das bei der Schwelle zu 30000 Einwohnern: Laut einer Verordnung der Staatsregierung von 1989 ist Prostitution in Bayern nur in Städten ab 30000 Einwohnern in dafür ausgewiesenen Gebieten erlaubt. Folglich war Erding 1999 in aller Munde, als die Große Kreisstadt mit heute 36000 Einwohnern die Geburt des 30000. Bürgers mit großem Tamtam feierte: Musik, Freibier, Schweinsbraten.
Die Bläsersätze der Kapelle waren kaum verklungen, da meldeten sich auch schon vier Bordell-Betreiber bei der Stadtverwaltung. Alle wollten in Erding ein Puff eröffnen. „Ich begehre die Zulassung einer Tanzbar mit Separées“, soll ein Wiener Striezi geschrieben haben.
Von der 30000 sind alle Kommunen im Landkreis, auch Kolbermoor und Bad Aibling, allerdings noch weit entfernt. So bleibt das kreisfreie Rosenheim die einzige Stadt weit und breit mit Rotlicht-Lizenz. Rosenheim selbst bewegt sich erstmals auf 64000 Einwohner zu. Zum 30. Juni 2020 registrierte das Meldeamt 63695 Rosenheimer Bürger. Damit leben in der Wachstumsregion Rosenheim, also Stadt und Landkreis zusammengezählt, inzwischen fast 330000 Menschen. Zum Vergleich: Im ganzen Saarland sind es nicht einmal dreimal so viel, rund 985000.
Mehr Räte in
einigen Kommunen?
Neben den Städten Kolbermoor und Bad Aibling könnte es 2026 auch in Eggstätt, Griesstätt, Halfing, Prutting und Soyen zum Stühlerücken im Rathaussaal kommen. Denn ab 3000 Einwohnern gibt es 16 statt 14 Sitze im Gemeinderat, und in diesen fünf Gemeinden fehlt dazu nicht mehr viel. Bereits seit der Kommunalwahl im März 2020 haben sieben Gemeinde mehr Sitze im Rat, weil sie dank des steten Zuwachses entscheidende Marken übertrafen: Stephanskirchen (10000), Schechen und Oberaudorf (5000), Babensham, Eiselfing, Flintsbach und Frasdorf (3000).