Polizei wittert in Tuntenhausen einen Reichsbürger-Hotspot

von Redaktion

Deutschlandweite Razzia: Auch Beyharting und Schönau gehören zu den Zielen

Tuntenhausen – Die Ortschaft ist bekannt für ihre Marienwallfahrt, wohl auch fürs Schloss Maxlrain, ganz sicher für ihren Katholischen Männerverein, bei dessen Tagungen sich auch Vertreter der CSU die Ehre geben. Von ganz anderen Zusammenkünften in Tuntenhausen gehen Ermittler aus: Zu den Zielen der deutschlandweiten Razzia gegen Reichsbürger und Rechtsextreme vergangenen Mittwoch gehörten erneut Bürger aus der Gemeinde. Genauer: aus Beyharting und Schönau.

„Ich hab‘ vorher nichts gewusst, und ich bin auch nachher nicht informiert worden“, sagt Bürgermeister Georg Weigl. Welche Tuntenhausener diesmal ins Visier der Polizei gerieten, konnte er auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen nicht sagen. Gegen die Reichsbürger vorzugehen und zu ermitteln, sei Sache der Polizei.

Die hat Tuntenhausen jedenfalls schon länger auf dem Schirm. Bereits im Februar 2017 ermittelten dort Polizeibeamte. Seinerzeit nahmen die Beamten einen 40-Jährigen fest. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung konfiszierten sie Drucker, Datenträger und Schriftstücke.

Auf Nachfrage bestätigte Weigl, auch als Gemeindeoberhaupt einschlägige Erfahrungen gesammelt zu haben. Vor einigen Jahren habe man etwa einen „sehr aktiven Reichsbürger“ registriert. „Die müllen einen zu mit irgendwelchen Schriftstücken, wo es immer drum geht, dass die BRD eigentlich gar nicht existiert“, erzählt Weigl. „Wir haben es zur Kenntnis genommen“, sagt er, fügt aber hinzu: „Das ist deren Einschüchterungstaktik.“ Von einer Szene wisse er nichts, auch nicht von einer Lokalität, in der die Staatsleugner zusammenkommen.

Andere Tuntenhausener wissen mehr zu berichten. Aber nur hinter vorgehaltener Hand. Da gebe es zwei Tuntenhausener, die mit ihren Reichsbürger-Dokumenten prahlten. Einer soll ein ausländisches Nummernschild verwenden, was zur sogenannten „Gemeinde Chiemgau“ passen würde, die im aktuellen Verfassungsschutzbericht auftaucht. Die Gruppe sehe sich ausschließlich den bayerischen Gesetzen vor 1914 verpflichtet. 2015 gegründet, betrachte sie staatliche Einrichtungen als GmbHs und sei durch Verwendung nicht amtlicher Autokennzeichen aufgefallen. In Tuntenhausen jedenfalls kennt man sie. Die Polizei, die sich um 6 Uhr morgens am Feuerwehrhaus in Hohenthann sammelte, habe wohl „die üblichen Verdächtigen“ besucht, sagte ein Zeuge.

Eine Stellungnahme von Polizei und Staatsanwaltschaft war bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten. Doch eines scheint klar: In Tuntenhausen wittern die Behörden einen Reichsbürger-Hotspot. Michael Weiser

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