Prien – Groß muss die Wut sein, wenn man dafür über 300 Kilometer nach Prien fährt. So ging es Thomas Schwemmer, der aus Unterfranken angereist ist. Mit ihm protestierten am Rande des Merkel-Besuchs zahlreiche Landwirte, organisiert von der Vereinigung „Land schafft Verbindung“.
Zwischen Bernau und Prien säumte eine Schlange aus Schleppern und Traktoren die Straße, auf der die Anfahrt von Angela Merkel erwartet wurde. Laut Organisatoren sollen es mehr als 700 Traktoren gewesen sein. Mit dabei viele Landwirte aus der Region. „Die Rahmenbedingungen passen für uns nicht. So kann das auf Dauer nicht weitergehen“, sagt Hans Meier, der eine Milchviehhaltung in Rimsting betreibt. Er würde die Kanzlerin gerne fragen, wie sie sich die Ernährung der deutschen Bevölkerung vorstellt. Ein Risiko sieht er in der Abhängigkeit vom Ausland.
Nicht nur an der Bundesstraße, auch vor Ort am Hafen wurde demonstriert. Den wütenden Landwirten stellte sich die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Sie diskutierte mit Claus Hochrein und Christoph Plass, die „Land schafft Verbindung“ vertreten – durchaus hitzig. So Kaniber: „Das ist eine saubere Watschn für mich.“
Organisator Florian Heiss zeigt sich zufrieden: „Frau Kaniber hat nichts geschenkt bekommen. Der Umgang war sachlich und fair, wenn auch sehr kontrovers diskutiert wurde.“
Eine gewisse Routine hat „Land schafft Verbindung“ inzwischen gewonnen, schließlich häufen sich die Proteste der Landwirte in den vergangenen Jahren. Auch zur CSU-Klausurtagung in Seeon waren sie bereits, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen.
Und die Kanzlerin? Fuhr direkt an den Protestierenden vorbei, was die Landwirte mit Pfiffen quittierten. Für Heiss dennoch ein Erfolg: „Wir sind zufrieden mit der Aktion, auch wenn uns die Kanzlerin links liegen hat lassen.“ Sogar aus der Luft machten die Landwirte mit einem Flugzeugbanner auf sich aufmerksam. Auf diesem stand: „Redet mit uns, Eure Landwirte.“ Heidi Geyer