Am Ende ist für jeden Notenschluss

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

„Meine Gratulation zu Ihrem Abitur, denn Ihre Prüfung wurde genauso korrigiert wie die der anderen.“ Mir war klar, was der Direktor mit diesem Satz meinte, als er mir lächelnd das Zeugnis in die Hand drückte: Ich hatte neben den Vorbereitungen auf das Abitur noch ein Kind auf die Welt gebracht. Dank dem Rückhalt in meiner Familie, konnte das aber gut bewältigt werden. In den letzten Tagen haben viele junge Menschen ihr Abschlusszeugnis bekommen. Sicher sind die wenigsten von ihnen mit dem Kinderwagen zur Zeugnisverleihung gekommen, aber manche haben ihren Abschluss mit anderen Hürden gemeistert. Es gibt durchaus Jugendliche, die bereits ernsthafte gesundheitliche Schwierigkeiten haben. Bei anderen sind Missbrauch ganz unterschiedlicher Art oder Veränderungen in der Familienkonstellation zu verkraften. Das raubt Energie und macht eine durchgehende Leistung nicht immer möglich.

Viele machen das still mit sich selber oder den besten Freunden aus. Manchmal kommen sie mit einem Problem auch zu uns Seelsorgern. Meist sind es Kontakte zu den Ministranten und Firmlingen, die eine Vertrauensbasis schaffen und sich dann daraus weitere begleitende Schritte ergeben.

Wie auch immer: Jedes Abschlusszeugnis verdient Anerkennung. Natürlich braucht man für einige Studiengänge und Ausbildungsplätze einen bestimmten Notenschnitt, aber später interessiert das niemand mehr. Dann zählen andere Dinge. Dazu gehört, das Leben auch unter schwierigeren Bedingungen zu bestehen. Am Ende unseres Lebens ist ohnehin einmal für jeden Notenschluss.

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