Rosenheim – Sie geben sich als Polizeibeamte aus und bringen ahnungslose Senioren mitunter um eine ganze Menge Geld – oder Gold. So zuletzt geschehen am Montag in Rosenheim. Hier war ein Rentner Opfer der Betrugsmasche geworden. Die Beute der Betrüger: eine Goldsammlung, deren Wert die Polizei im hohen fünfstelligen Bereich ansiedelt. Von den Tätern fehlt jede Spur. Deshalb einmal mehr die Warnung der Polizei, bei dubiosen Telefonanrufen äußerste Vorsicht walten zu lassen.
In regelmäßigen Abständen werden auch Senioren aus der Region Rosenheim Opfer von Telefonbetrügern. Aktueller Fall: Ein Rentner aus dem Stadtgebiet hatte Montagvormittag einen Anruf eines falschen Polizeibeamten erhalten. Der Anrufer gab sich als Kommissar der örtlichen Kripo aus und erzählte dem Rentner von einer Diebesbande, die in seiner Nachbarschaft unterwegs sei. Der Unbekannte, so schildert die Polizei den Hergang, fragte nach Wertsachen des Rentners, die als mögliche Beute der Diebesbande infrage kämen.
Rentner erzählt von
seiner Münzsammlung
Noch am Telefon nahm die fatale Entwicklung ihren Lauf: Der Rentner gab dem Anrufer unter anderem eine Goldmünzensammlung preis. Durch äußerst geschickte Gesprächsführung, so die Polizei, überredete der Anrufer den Rentner zur Mithilfe bei der Ergreifung der vermeintlichen Diebesbande. Der falsche Kommissar forderte den Rentner auf, die Goldsammlung außerhalb des Hauses zu deponieren, um so der Diebesbande eine Falle zu stellen.
In den frühen Nachmittagsstunden rief der falsche Kommissar erneut an und teilte dem Rentner mit, dass die Wertgegenstände aufgrund der großen Gefahr zwischenzeitlich durch die Polizei abgeholt wurden.
Erst danach wurde der Rentner stutzig und verständigte die richtige Polizei über Notruf. Die steht nun vor einem Problem: Denn weder zu dem Anrufer, der sich als Kommissar der örtlichen Kriminalpolizei ausgegeben hatte, noch zum Abholer der Tatbeute liegen Hinweise vor. „Das Opfer hat die Goldsammlung draußen vor der Tür deponiert und kann leider keinerlei Angaben zum Abholer machen“, führt Martin Emig, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen aus. „Wir haben deshalb auch keinerlei Ansätze für einen Fahndungsaufruf.“
Die weiteren Ermittlungen hat nun die Kriminalpolizei übernommen.
Was der Polizei noch bleibt: zu warnen. Vor eben genau diesen Telefonbetrügern, die seit geraumer Zeit ihr Unwesen auch in der Region treiben: falsche Polizeibeamte. „Ein Riesenproblem“, gibt Polizeisprecher Emig einen Einblick. Denn: Oftmals stünden organisierte Strukturen dahinter, die Anrufe erfolgten dabei aus „Callcentern“ in der Türkei. „Die natürlich entsprechend geschult und erfahren sind“, erläutert Emig. Wortgewandt, mitunter auch mit Druck und geschickter Überzeugungskraft, brächten sie ihre Opfer dazu, Bargeld oder Wertgegenstände an die Abholer zu übergeben. „Über Mittelsmänner wird das Geld dann in der Regel schnell außer Landes geschafft“, so der Sprecher zu den Hintergründen. Die Ermittlungen deshalb bei einer Vielzahl der Fälle: entsprechend aufwendig.
Im Juni: Älterer Herr
übergibt Bargeld
So auch zuletzt im Juni, als im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd unter anderem ein älterer Herr aus dem Landkreis Rosenheim Opfer von Telefonbetrügern wurde. Er hatte, wie berichtet, nach mehreren Telefongesprächen eine beträchtliche Summe Bargeld – laut Polizei im höheren fünfstelligen Eurobereich – an einen falschen Polizisten übergeben.
Die Ermittlungen der Kripo dauern auch in diesem Fall an.