„Auf der Kippe stand es nie“

von Redaktion

Wie Dr. Michael Städtler die Hochphase der Corona-Krise stemmte

Rosenheim – 100 Tage Ausnahmezustand liegen hinter der Region – die Corona-Pandemie hatte Stadt und Landkreis von Mitte März an fest im Griff. Eine der Schlüsselstellen bei der Bewältigung der ersten Welle hatte Dr. Michael Städtler inne: als Ärztlicher Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz. Sein Schwerpunkt: die Steuerung der Krankenhausbetten – was ihn in der Hochphase der Pandemie mitunter mächtig ins Schwitzen brachte.

Noch bevor die ersten Corona-Fälle Anfang März die Region erreichten, brannten sich die Bilder aus Italien ins Gedächtnis ein: überfüllte Kliniken, Schwerkranke auf den Gängen, Tote über Tote – und die Machtlosigkeit der Mediziner. Einer, der damals wie so viele ganz genau hinsah, war Dr. Michael Städtler. Denn als Oberarzt am Romed-Klinikum Rosenheim und gleichzeitig Ärztlicher Leiter Rettungsdienst im Raum Rosenheim und Miesbach wusste er instinktiv: Schwappt die Welle über die Alpen in die Region, könnte es auch hier kritisch werden. „Keiner konnte abschätzen, was auf die Kliniken zukommt mit diesem völlig neuen Krankheitsbild.“

Eine gewaltige
Herausforderung

Offiziell war es am 16. März soweit: An diesem Tag rief das Bayerische Innenministerium den Katastrophenfall aus – und schuf per Dekret die neue Führungsposition eines „Ärztlichen Leiters Führungsgruppe Katastrophenschutz“, die, da war man sich in Stadt und Landkreis schnell einig, Städtler übernehmen sollte. „Eine völlig neue Funktion, überraschend geschaffen, aber eine derartige Pandemie gab es halt auch noch nie“, blickt Städtler zurück.

Alles in allem: eine gewaltige Herausforderung. Zu allererst galt es, sich einen Überblick zu verschaffen: über die Anzahl der verfügbaren Krankenhausbetten, die Intensivplätze, die Beatmungsgeräte – und diesen in den folgenden Wochen auch zu behalten. Die Basis: der Notfallplan „Pandemie“ für die Krankenhäuser. Covid-19-Schwerpunktkliniken wurden benannt, ganze Bettenhäuser umgebaut und zu Corona-Stationen umfunktioniert – und eine ganze Reihe zusätzlicher Intensivbetten mit Beatmungsplätzen geschaffen.

Und dann, über Tage und Wochen, ohne einen einzigen freien Tag: die Bettenkapazitäten im Blick behalten und die Patientenströme lenken. „Ein ständiger Austausch, um Patienten aus dem Klinikum Rosenheim in andere Häuser zu verlegen und Platz für neue zu schaffen“, blickt Städtler zurück – verbunden mit einer Riesenportion Erleichterung. „Wir hatten zum Glück an keinem Tag italienische Verhältnisse. Triage, also das Entscheiden, wer beatmet wird und wer nicht, war nie ein Thema, weil wir auch in der Hochphase immer noch ein wenig Luft hatten.“ Das Manko: „Wir wussten halt nie, ob es noch schlimmer wird.“

Die herausfordernste Zeit? Für Städtler ganz klar: Anfang bis Mitte April. Das Maximum mit 58 Intensivpatienten war am 10. April erreicht. Etwas verlagert der Peak auf den Normalstationen: zur Spitzenzeit am 20. April mit 272 stationären Covid-19-Fällen (Zahlen für den gesamten Rettungszweckverband, der die Stadt und den Landkreis Rosenheim sowie den Landkreis Miesbach umfasst). Städtler: „Das Kräftezehrendste war die lange Plateauphase von zwei, drei Wochen auf einem so hohen Niveau.“

Und wie kritisch war es wirklich? Diese Frage ringt Städtler ein Schmunzeln ab, bevor er gesteht: „Richtig auf der Kippe stand es nie, aber manchmal war es durchaus spannend.“

Der Schlüssel
zum Erfolg

Lässt sich ein Schlüssel zum Erfolg ausmachen? Der Zusammenhalt, da ist sich Städtler sicher. „Ohne das selbstlose Zusammenspiel zwischen den Kliniken, einschließlich der privaten Betreiber, und der super Teamarbeit hätten wir die Krise nicht so hervorragend gestemmt bekommen.“

Darin sieht Städtler das Erfolgsrezept, für ihn „der Zauber des Ganzen“. Und das ist auch der Grund, weshalb ihm beim Gedanken an eine zweite Welle nicht bang wird: „Wir haben eine tragfähige Struktur geschaffen, haben laufend nachgeschärft und machen es beim nächsten Mal einfach wieder so.“

Artikel 8 von 11