Rosenheim – Eine Planungsunterbrechung von einem halben Jahr: Nach Ansicht von Thomas Riedrich, dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative Brennerdialog Rosenheimer Land wäre das der richtige nächste Schritt nach dem derzeit laufenden Raumordnungsverfahren zu den Brenner-Nordzulauftrassen. Damit, so sagte er gestern auf einer Pressekonferenz von Bund Naturschutz und den Bürgerinitiativen, würde man Zeit gewinnen. Zeit in der man den Alternativ-Vorschlag, den Ausbau der Bestandstrasse, als tatsächliche sechste Variante mit einbeziehen könnte.
Das sei auch deshalb sinnvoll, weil derzeit beim Bundestag immer noch eine entsprechende Petition anhängig sei. Sollte darüber positiv entschieden werden, zwischenzeitlich aber die Planung vorangetrieben worden sein, käme das einer enormen Verschwendung von Steuergeldern gleich. Auch für Richard Mergner, den Vorsitzenden des Bunds Naturschutz wäre eine solche Planungspause wichtig, denn beim Brenner-Nordzulauf seien viele grundlegende Fragen noch völlig ungeklärt. Die Politik habe in den vergangenen Jahren Bahnstrecken vor allem aufgelöst, zumindest aber nicht weiter gepflegt.
Heute endet Einwandfrist
Nach Ansicht von Peter Kasperczyk, dem Vorsitzenden der BN Kreisgruppe Rosenheim, ist bislang auch nicht wirklich durchdacht, ob man die Ziele, die man mit den Neubaustrecken erreichen möchte, tatsächlich erreichen kann. So gäbe es über die erhoffte CO2-Reduzierung noch kein wirklich belastbares Zahlenwerk. Weder seien die Verluste beziffert, die durch die Zerstörung von „CO2-Senken“ wie Wälder, Moore oder Filze entstünden, noch sei die zusätzliche CO2-Belastung erfasst, die ein jahrzehntelanger intensiver Baustellenverkehr zur Folge habe. Dennoch ließ Mergner keinen Zweifel daran, dass er wenig Hoffnung auf das erwünschte Planungsmoratorium habe: Verkehrsminister Scheuer habe wiederholt keinen Zweifel daran gelassen, dass er vielmehr aufs Gegenteil setze – auf Beschleunigung des Planungsablaufes.
Für den Bund Naturschutz ergibt sich laut Mergner daraus die Folgerung, dass man auf jeden Fall im engen Schulterschluss mit den Bürgerinitiativen weiter gegen die Planungen kämpfe. Zwar sei man prinzipiell dafür, dass Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagert werde, nicht jedoch mit einer Planung, die eine ganze Region mit allen darin wohnenden Menschen komplett verändere und dabei noch weitgehend wirkungslos bleibe. jt