Applaus für integratives Konzept

von Redaktion

Seit dem Wochenende leben zwölf junge Menschen mit Behinderung im Benedetto-Menni-Nest in Aschau, das die OVB-Leser bei der OVB-Weihnachtsaktion unterstützt haben. Am Freitag hatte Josef Mederer (CSU), Präsident des oberbayerischen Bezirkstags, die Einrichtung besucht.

Aschau – Patrik ist neugierig. Denn es steht Besuch an: Der Präsident des bayerischen Bezirkstags, Josef Mederer (CSU), kommt an diesem Tag in das Benedetto-Menni-Nest in Aschau.

Freiheit hinter
der roten Tür

Patrik gehört zu den Bewohnern, die seit der ersten Stunde in der Wohngemeinschaft in der Hochriesstraße leben. Und fühlt sich sichtlich wohl. Warum? „Weil ich hier so viele Freiheiten habe“, berichtet er. Zuvor habe er in einem Wohnheim gelebt. Dort sei es anders gewesen. Im Benedetto-Menni-Nest wohnt der 23-Jährige hinter der roten Tür. Zahlreiche Fotos, darunter auch ein Bild von ihm mit dem ehemaligen FC-Bayern-Trainer Jupp Heynckes, hängen an der Tür. Denn Patrik ist Bayern-Fan mit Leib und Seele.

Der Besuch des Politikers bringt Patrik aber nicht aus der Ruhe. Ganz anders sieht es da bei Dietmar Klemens aus, dem Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins, der hinter der integrativen Wohngruppe steht. „Ich bin etwas nervös wegen unseres prominenten Besuchs“, sagt er und lacht. Klemens möchte bei dieser Gelegenheit nicht nur das Haus und Konzept der Einrichtung präsentieren, sondern dem Bezirkstagspräsidenten auch berichten, welchen Herausforderungen sich die Betreuer täglich stellen müssen.

Bei der Ankunft betont Josef Mederer, wie wichtig es ihm sei, die Einrichtungen zu besuchen, „über die wir am Schreibtisch in München entscheiden“. Er lobt die Bauweise des Hauses, die sich in das Wohngebiet einfügt. Klemens betont: „Integration beginnt schon bei der Gebäudeform und soll sich in allen Lebensbereichen fortsetzen.“

Dann beginnt der Rundgang. Nach einer kurzen Begrüßung wird es Patrik dann zu langweilig und er zieht sich in sein Zimmer zurück. Mederer besichtigt das barrierefreie Pflegebad im Erdgeschoss, begrüßt Bewohnerin Christina und begutachtet den Mehrzweckraum. Klemens betont, wie hilfreich die Spenden aus der OVB-Weihnachtsaktion „OVB-Leser zeigen Herz“ waren. „Dadurch waren wir flüssig, konnten die Einrichtung kaufen“, berichtet er. Ausgaben, die laut Klemens nicht in der Grundsicherung des Sozialsystems berücksichtigt werden, aber durch die Spenden der OVB-Leser geleistet werden konnten. „Mich ärgert es selbst, wie starr unsere Sozialgesetzgebung ist“, entgegnete Mederer.

Dann geht es rauf in den ersten Stock des Neubaus. Dort beziehen am Wochenende sechs weitere Bewohner die zweite WG. Eigentlich sei der Einzug schon für März geplant gewesen, Corona zwang die Bewohner, ihren Einzug zu verschieben.

Bewohner sollen
selbstbestimmt leben

„Unser Konzept ist so ausgerichtet, wie wir es uns als Eltern für unsere Kinder wünschen“, erklärt Klemens. Denn die Einrichtung entstand aus einer Initiative von Eltern heraus, die ihren Kindern ein selbstbestimmtes Leben in ihrer Heimat ermöglichen möchten. Dazu gehört auch Dietmar Klemens, in dessen früherem Garten das Haus heute steht.

Josef Mederer stellte fest, dass das Konzept des Benedetto-Menni-Nests nur wenig verbreitet ist. „Hut ab für den Mut, den Sie hier bewiesen haben.“ Es müsse mehr solcher „Leuchttürme“ geben.

Über das Benedetto-Menni-Nest

Im September 2018 gründete sich der Verein „Benedetto-Menni-Nest“ aus einer Elterninitiative. Das Ziel: Behinderte sollen selbstbestimmt und in engem Kontakt mit der Familie in ihrer Heimat alt werden können. Unterstützt werden die Bewohner der integrativen Wohngemeinschaft von ambulanten Diensten – und ihren Familienangehörigen. Seit September 2019 leben sechs Bewohner zwischen 20 und 30 Jahren im Benedetto-Menni-Nest, ab 1. August hat sich die Bewohnerzahl auf zwölf verdoppelt. Im September 2019 konnten die jungen Menschen in behindertengerechte 30-Quadratmeter-Appartements einziehen, die sie selbstständig aus ihrer Grundsicherung finanzieren.

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