Eine Million Euro für Landschaftspflege

von Redaktion

Amtswechsel beim Verband – Eiselfings Bürgermeister Reinthaler neuer Vorsitzender

Eiselfing/Landkreis – Landwirte, Naturschützer und Kommunalpolitiker in einem Boot: Ideologiefrei und ohne Grabenkämpfe arbeiten die drei Interessengruppen nach eigenen Angaben des ausscheidenden Vorsitzender Sebastian Forstner seit drei Jahren im Landschaftspflegeverband Rosenheim zusammen – eher unbemerkt von der Öffentlichkeit.

Der Nachfolger von Forstner ist ein grüner Bürgermeister: Die Mitglieder wählten Georg Reinthaler aus Eiselfing (mit einer Enthaltung). Sein Vorgänger Forstner, früherer Bürgermeister von Söchtenau, war seit der Gründung des Verbandes im Jahr 1997 im Amt.

Reinthalers erklärtes Ziel: „Die Zahl der bislang 28 Mitgliedsgemeinden im Landkreis deutlich zu steigern“. Seine Heimatgemeinde ist dabei, denn hier gibt es viele wertvolle Naturräume wie die Murner und Ahamer Filze und den Eiselfinger See.

600 Hektar Fläche in
Betreuung

Für eine Million Euro hat der Verband heuer Pflegeanträge gestellt. 500 Einzelflächen kommen in den Genuss – auf einer Gesamtfläche von 600 Hektar, berichteten Geschäftsführer Dr. Markus Höper und die Mitarbeiterinnen Gaby Müggenburg, Monika Maier, Rosa Kugler sowie Christiane Mayr in der ersten Versammlung des Corona-Jahres 2020, die im Eiselfinger Gasthaus Brands stattfand.

Der Landschaftspflegeverband betreut Almen, Moore, Streuwiesen, Blühflächen und Obstgärten – in der Regel übernehmen dies Landwirte aus der Region. Sie entbuschen, mähen, säen, legen Tümpel und Weiher an, pflanzen Bäume und Hecken, entfernen Problempflanzen und Müll, legen Ausgleichsflächen für Baumaßnahmen an. Mit Erfolg: Die Mitarbeiter berichteten von seltenen Orchideen, die sich auf Wiesen ansiedeln, von Wildbienen, die auf Blühflächen auf Nahrungssuche gehen, von Zauneidechsen, die wieder in der Sonne baden, von seltenen Schmetterlingen, die sich ansiedeln, und Libellen, die sich in der Nähe von Feuchtflächen wohlfühlen. Das bekannteste Tier im Fokus des Landschaftspflegeverbandes ist der stark bedrohte Kiebitz, der vor allem im nördlichen Landkreis Rosenheim neue Lebensräume findet.

Auch landkreisübergreifend führt der Verband die ersten Maßnahmen durch: unter anderem zur Pflege der Toteislöcher als Überbleibsel der Eiszeitlandschaft im Haager Land.

Der frühere Landrat Wolfgang Berthaler hatte den Verband 2017 ins Leben gerufen – als Instrumentarium, das bewusst Bauern und Grundeigentümer, Kommunen und Naturschutzverbände an einen Tisch holt. Die Vorstandschaft besteht aus neun Vertretern dieser drei Interessengruppen. Der neue Landrat Otto Lederer ist kraft Amtes im Vorstand. Ebenfalls neu im Führungsgremium: Simon Hausstetter, Bürgermeister von Rohrdorf, einstimmig von den Mitgliedern gewählt.

Träger des
Bergbauernmodells

Der Verband ist nach Angaben der Geschäftsführung als „viehloser landwirtschaftlicher Betrieb“ angemeldet. Er kann deshalb auch Betriebsprämien beantragen und Verträge dafür abschließen – etwa für Flächen, für die sich sonst keiner interessiert. Er fungiert außerdem als Maßnahmenträger – unter anderem für das Projekt „Biodiversität Audorfer Berge“ und das Bergbauernmodell Aschau und Sachrang.

Pro Maßnahme bleiben in der Regel Eigenkosten von zehn bis 30 Prozent. Die Fördermittel kommen aus unterschiedlichen Töpfen und Programmen. Mittlerweile ist die Geschäftsstelle, noch verortet am Landratsamt, mit vier Personen besetzt, denn die Antragstellung ist das A und O des Erfolges: ein bürokratischer Aufwand, den die Geschäftsstelle erledigt, während die Praktiker vor Ort, in der Regel heimische Landwirte, die Umsetzung übernehmen.

Aktuelles Projekt: die Entwicklung von gebietseigenem Saatgut für Wiesenflächen. Im Landkreis Rosenheim soll eine eigene Saatgutgewinnung aufgebaut werden, der Landschaftspflegeverband hat für die Aufbringung eine eigene Maschine angeschafft.

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