Rosenheim – Schäden im zweistelligen Millionenbereich, weit über 600 Einsätze mit über 1500 Hilfskräften – diese Bilanz zieht Einsatzleiter Richard Schrank nach den Hochwasser-Tagen in der Region. Besonders schwer getroffen hat es Kirchdorf bei Raubling, wo 40 Gebäude in den Fluten versanken, Keller vollliefen und Gärten in Seenlandschaften verwandelt wurden.
Heftige 30 Stunden liegen hinter den Einsatzkräften, die nach den andauernden und massiven Regenfällen bereits in der Nacht auf Dienstag gegen 3.30 Uhr die ersten Hilferufe erhalten hatten – und von da an im Dauereinsatz waren. Schnell war klar: Das weitet sich aus „Es entwickelte sich innerhalb einer Stunde zu einem flächigen Großalarm für den gesamten Landkreis“, erklärte Kreisbrandrat Schrank.
Gutes Zusammenspiel
der Hilfskräfte
Die Konsequenz: das Einrichten einer Koordinierungsgruppe im Landratsamt Rosenheim, von wo aus die Einsätze zentral gesteuert wurden. Deren Chef: Richard Schrank als „oberster“ Feuerwehrler im Landkreis. Seine Bilanz zum „Koordinierungsfall“, der die Vorstufe zum Katastrophenfall ist: in der Summe ein außerordentlich gutes Zusammenspiel. Und das bei immerhin rund 1200 Hilfskräften und 510 Einsätzen, die von der Zentrale aus koordiniert worden waren.
Hinzu kamen eine ganze Menge weiterer Einsätze, die von den jeweiligen Wehren direkt vor Ort abgewickelt worden waren. „Deshalb werden wir insgesamt auf weit mehr Einsätze und Beteiligte kommen“, führte Schrank im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen aus. Die Erhebungen für eine abschließende Bilanz liefen aktuell noch. In ersten Hochrechnungen schätzt Schrank, dass bis zu 1500 Kräfte ausgerückt waren – zu weit über 650 Einsätzen.
In Aktion waren laut Landratsamt nicht nur über 100 Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis, sondern auch zwei Ortsverbände des Technischen Hilfswerks mit etwa 60 „Mann“; überdies circa zehn Kräfte von Rettungsdienstorganisationen, rund 20 von der Wasserwacht und etwa 15 von der Bergwacht – Letztere bei der nächtlichen und durchaus spektakulären Evakuierung von zwölf Jugendlichen aus dem „Wildniscamp“ Bad Feilnbach aufgrund des anschwellenden Jenbachs.
Bei der Integrierten Leitstelle in Rosenheim gingen während der Hochphase mehr als 1000 Notrufe ein, wie Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes Rosenheim, vermeldete. Der Zuständigkeitsbereich der Leitstelle: die Stadt Rosenheim sowie die Landkreise Rosenheim und Miesbach.
Auch in Sachen Hilfsmittel kann Behördensprecher Fischer mit Zahlen aufwarten: So verbauten Feuerwehr und THW insgesamt rund 14000 Sandsäcke in der Region. 4000 davon lagerten fertig befüllt bei Feuerwehren und Bauhöfen. Die übrigen 10000 mussten von den Feuerwehrlern zuvor mit Sand befüllt werden – unter anderem im Kieswerk Neuner in Neubeuern.
Das hochprofessionelle Zusammenspiel der Hilfskräfte hob auch Landrat Otto Lederer gestern im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen hervor. Es habe sich einmal mehr bewiesen, wie eng Stadt und Landkreis Rosenheim hier zusammenarbeiten – eine Einschätzung, die Kreisbrandrat Schrank nur unterstreichen kann.
Lage in Kirchdorf
besorgniserregend
Lederers weiteres Fazit in Sachen Hochwasser: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Mit Ausnahme: der Bereich Kirchdorf (siehe Bericht Seite 10). Einen genauen Überblick über das Ausmaß der Schäden hatte er bis gestern zwar noch nicht. Aber: Die Meldungen aus dem Ort seien „besorgniserregend“.
Entspannung kehrte gestern im Straßenverkehr ein. Viele Straßensperren wurden gestern im Laufe des Tages aufgehoben – darunter auch die auf der B15 auf Höhe Hochstätt, wo die Feuerwehr nahezu 24 Stunden damit beschäftigt war, mit zwei Hochleistungspumpen eine vollgelaufene Unterführung von den Wassermassen zu befreien. Auch auf den Autobahnen, insbesondere auf der A8, lichtete sich das Verkehrschaos wieder.
Weiter gesperrt blieb indes die Staatsstraße 2010 zwischen Wasserwiesen und Kreisverkehr Kreuzstraße, wo sich die Wassermassen erst zurückziehen müssen.
Weitere Informationen rund um das Hochwasser finden Sie im Internet unter www.ovb-online.de.