Rosenheim/Kiefersfelden – Sie sprangen ein, als die Regierung des Freistaats Corona-Tests für Urlauber beschloss. Nun war Wachablösung: Die Firma Eurofins löste das BRK und die anderen Hilfsorganisationen der Region nach fast zwei Wochen harten Einsatzes ab.
Ein Ergebnis dieses Einsatzes: Die Organisationen unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Bevölkerungsschutz stehen bereit. Auch unter besonderen Bedingungen. So wie vor bald zwei Wochen in Kiefersfelden. Am Montag hatte Ministerpräsident Söder die Teststationen für heimkehrende Urlauber angekündigt, am Dienstag der Ministerrat den Beschluss gefällt, am Mittwoch war der Starttermin bekannt gegeben worden: Donnerstag.
39 Stunden bis
zur Inbetriebnahme
„Am Dienstag haben das BRK und wir uns zusammentelefoniert“, sagt Gabriel Mayer, Geschäftsführer der Ambulanz Rosenheim. „Es hat da noch keiner richtig bescheid gewusst.“ Im Laufe des Mittwochs habe man geplant, „am Mittwochabend haben wir mit dem Aufbau angefangen.“ Am Donnerstag, 30. Juli, um 7 Uhr morgens erfolgte der erste Abstrich – „39 Stunden von den ersten Informationen bis zur Inbetriebnahme einer Teststation.“ So berichtet es Matthias Baumann, Sprecher des BRK-Kreisverbands Rosenheim.
Wasserwacht, Johanniter, Malteser, Technisches Hilfswerk und Ambulanz arbeiteten zusammen, unter der Federführung des Bayerischen Roten Kreuzes. An den Kontrollstellen im Landkreis Rosenheim und im Landkreis Traunstein – an den Rastanlagen in Kiefersfelden und Hochfelln-Nord. Die Mission: Urlauber auf freiwilliger Basis auf Corona zu testen. Der Aufwand war groß. Über 180 ehrenamtliche Helfer hielten den Betrieb 24 Stunden täglich am Laufen, unter der Woche nahmen sie durchschnittlich 900 Tests, am Wochenende bis zu 1850 Tests ab.
Harte Arbeit, bei bis zu 34 Grad, und das mit Schutzmaske, Visier, imprägniertem Kittel und Handschuhen. „Einer unserer Mitarbeiter hat’s treffend beschrieben“, erzählt Matthias Baumann: „Wie im Skianzug.“ Aus diesem Grunde wurden die Tester alle 20, 30 Minuten abgelöst.
Doch zu Beginn vergangener Woche schüttete es, Hochwasser drohte, an Montag und Dienstag war das Personal von Wasserwacht und Technischem Hilfswerk wegen der Hochwassergefahr noch stärker eingespannt. Von einem „Mordsaufwand“ sprach Baumann gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Was gewiss ist: Die Zusammenarbeit unter den Ehrenamtlichen läuft. „Das lief hervorragend“, sagt Matthias Baumann. „wir können stolz sein, dass das so gut funktioniert.“ Gabriel Mayer bestätigt: „Die Zusammenarbeit absolut perfekt. Besser gehts nicht.“
Was Mayer aber überraschte, war die Reaktion der Urlauber. „Die Resonanz war hervorragend. So etwas habe ich schon lang nicht mehr erlebt“, sagt er. „Einer fuhr extra aus München her, um sich zu bedanken.“
Gestern war’s dann so weit. Über den Vormittag hin wiesen die Ehrenamtlichen die Mitarbeiter der Privatfirma ein und unterstützten sie beim Aufbau der firmeneigenen Infrastruktur.
Bleibt die Frage, warum Eurofins den Job nicht gleich übernahm.
Das Gesundheitsministerium hatte sich bis Redaktionsschluss nicht dazu geäußert. Vermutlich war das Labor vom bayerischen Schnellstart überrascht worden.
Die Ansagen aus München sind aber auch fordernd. Jüngst kündigte Ministerpräsident Markus Söder Testzentren für jeden Landkreis an – vermutlich ohne einen Landrat zuvor informiert zu haben. „Söder überrascht alle“, sagt Michael Fischer, Sprecher des Landratsamts Rosenheim. Wie man‘s machen solle, wo, oder mit welchem Personal: zunächst ungewiss.
Teststation weiter
in Kiefersfelden
Auch sonst gibt es überraschende Wendungen. Zunächst hatte es geheißen, dass die Teststation von Kiefersfelden zur Raststätte Heuberg umziehen werde. Doch auch unter Eurofins-Leitung wird in Kiefersfelden weiter getestet. Wann der Umzug folgt, scheint ungewiss. „Die Abstimmungen hierzu laufen“, sagte eine Sprecherin des Landesamtes für Gesundheit.