Rosenheim – Mit den Urlaubern kommen die Corona-Sorgen zurück in die Stadt Rosenheim. 21 neue Fälle verzeichnete das Gesundheitsamt in der vergangenen Woche, 19 Reiserückkehrer wurden positiv getestet.
Rosenheim ist damit die am stärksten von Corona betroffene Kommune in Bayern. Und das offenbar vor allem wegen der Sommerferien: Von 1. bis 19. August wurden nach Angaben des Staatlichen Gesundheitsamtes in Rosenheim 34 neue Erkrankungsfälle registriert, 28 davon bei Urlaubsheimkehrern. Vier von fünf jüngst mit Corona infizierten Rosenheimern holten sich das Virus im Ausland, genauer: 82 Prozent.
Vor allem drei Länder betroffen
Nur drei Menschen – also in etwa jeder Zehnte – steckte sich in Kontakt mit einem Infizierten an. Etwas geringer liegt der Urlauberanteil bei den Neuinfektionen im Landkreis, dessen Zahl den Anteil der Reiserückkehrer an den Neuinfektionen auf 77 Prozent drückt.
Das Coronavirus brachten auffällig viele Balkan-Heimkehrer mit. 37 Prozent der infizierten Reisenden steckten sich im Kosovo an, es folgen Bosnien-Herzegowina mit 20 und Kroatien mit 13 Prozent. Zusammengenommen ergibt das einen Anteil von 70 Prozent an den Urlaubsinfektionen.
Mit nahendem Urlaubsende bewegt sich Rosenheim wieder in Richtung Frühwarnmarke. Bereits im Mai hatte der von Corona besonders hart getroffene Freistaat eine Zahl von 35 Fällen pro 100000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen als kritische Marke beschlossen, als deutliches Warnsignal vor der in ganz Deutschland geltenden roten Line bei 50 Fällen. Dieser ersten Warn-Marke nähert sich Rosenheim derzeit mit großen Schritten.
Denn mit Stand vom Freitag, 21. August, lag dieser Wert für Rosenheim bei 33,16. Damit ist die Stadt erneut der Hotspot Bayerns und im Bundesgebiet unter 401 kreisfreien Städten und Landkreisen auf Platz zwei. Dichtauf folgt der Landkreis Dingolfing mit 29,1. Allerdings ist diese Statistik eine Momentaufnahme. Da die Datengrundlage einer 60000-Einwohner-Stadt kleiner ist als die eines ganzen Landkreises, sind die Rosenheimer Ergebnisse immer wieder starken Schwankungen unterworfen. Der Trend aber stimmt dennoch besorgt: Seit Mitte August ist der Anstieg steil.
„Zu viel“, sagt auch Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März (CSU), der sich bereits am Donnerstag über Youtube an die Rosenheimer gewandt und vor Leichtsinn gewarnt hatte. „Wenn bei Ihnen eine Infektion festgestellt wird und Sie in Quarantäne geschickt werden: halten Sie sich an die Regeln, bleiben Sie zu Hause, auch wenn Sie keinerlei Symptome zeigen und sich gesund und fit fühlen.“ Das sei der einzige Weg, das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten.
Vier Gemeinden stechen hervor
Im Westen Rosenheims bilden vier Gemeinden quasi einen Infektionsriegel. Allen voran Großkarolinenfeld mit fünf Neuinfektionen, vor Bruckmühl und Kolbermoor mit jeweils zwei und Bad Aibling mit einem neuen Fall.
Wasserburg hat seit vergangener Woche erneut vier Fälle registriert, die restlichen Neuansteckungen verteilen sich als Einzelfälle auf Brannenburg und Oberaudorf im Süden sowie Prien, Prutting und Amerang in Norden und Westen des Landkreises. Der Landkreis ist weiterhin unauffällig, mit einer Inzidenzquote von 8,05 rangiert er weit unter dem bayerischen Durchschnitt.
Insgesamt sind in Stadt und Landkreis Rosenheim 40 Fälle neu registriert worden. Das bedeutet eine erneute Zunahme der Fallzahlen im Vergleich zur Vorwoche.
Bisher sind insgesamt 2951 Fälle von Covid-19 aufgetreten, 579 in der Stadt, 2372 im Landkreis. Bei mindestens 2670 Menschen wurde die Genesung belegt.
Gleich geblieben ist seit Anfang Juli die Zahl der Corona-Toten: 222 Tote sind im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben, 199 im Landkreis, 23 in der Stadt. In der Region zeigen sich ähnliche Entwicklungen wie anderswo: Lediglich sieben Verstorbene gehören der Altersgruppe unter 60 Jahren an, rund zwei Drittel (145) waren über 80 Jahre alt. Derzeit werden zwei Menschen stationär wegen Covid-19 behandelt.
Das Staatliche Gesundheitsamt Rosenheim bemüht sich nach den Worten seines Leiters Wolfgang Hierl, Urlauber schnell zu unterrichten. „Alle positiv getesteten Reiserückkehrer wurden durch das Gesundheitsamt umgehend über das Testergebnis informiert, sobald uns ein Befund vorlag“, versichert Hierl. Bei den Erkrankten und ihren engen Kontaktpersonen wurde nach den Worten des Amtsleiters eine häusliche Quarantäne angeordnet. Man beobachte die Lage genau, heißt es in einer Mitteilung des Gesundheitsamtes.