Rosenheim – Im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus hat die Stadt Rosenheim nun drastische Maßnahmen ergriffen: In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt hat sie mit sofortiger Wirkung Kontakt-beschränkungen erlassen. Der Grenzwert für die Sieben-Tage-Inzidenz war in der Stadt Rosenheim am vergangenen Wochenende mit 53,7 überschritten. Die Schwelle liegt bei 50 Fällen. Das Gesundheitsamt weist darauf hin, dass zunehmend Erkrankungsfälle bei Bürgern aufgetreten seien, die aus dem Ausland zurückgekehrt waren.
Die Maßnahmen
im Überblick
Die Beschränkungen sehen vor, dass Reiserückkehrer aus Risikogebieten nach einem positiven Corona-Test zu einem zweiten Test nach fünf bis sieben Tagen verpflichtet werden. Dieser sei Voraussetzung für die Aufhebung der häuslichen Quarantäne. Diese Anordnung gelte für Stadt und Landkreis Rosenheim, wie der städtische Pressesprecher Thomas Bugl mitteilte.
Der Aufenthalt von Gruppen im öffentlichen Raum werde ab sofort auf Angehörige eines Hausstands, andernfalls auf maximal fünf Personen beschränkt. Diese Anordnung erfolge für das Gebiet der Stadt Rosenheim verpflichtend, für das Gebiet des Landkreises gelte eine entsprechende Empfehlung. Die Teilnehmerzahl bei nicht öffentlichen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen beschränke sich auf 50 Personen, unter freiem Himmel seien maximal 100 Personen zugelassen. Diese Regelung sei wiederum für das Rosenheimer Stadtgebiet verpflichtend, für das Gebiet des Landkreises gelte eine entsprechende Empfehlung.
Allen Reiserückkehrern aus dem Ausland, vor allem aus südosteuropäischen Ländern, empfehlen Landrat Otto Lederer und Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März, sich freiwillig testen zu lassen – etwa an der Teststation Hochfelln an der A8 und an der Rastanlage Heuberg an der A93 bei Brannenburg. Zu den Reisezielen, die nicht Risikogebiete sind, in denen sich Urlauber infiziert haben, zählten unter anderem Italien sowie Teile Rumäniens und Kroatiens.
Keine gezielten
Polizei-Kontrollen
Gestern lag die Zahl der Corona-Fälle laut Pressesprecher Bugl nur noch bei 45,8 pro 100000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Doch die Maßnahmen würden mindestens solange aufrechterhalten werden, bis in der Stadt der Schwellenwert von 50 Fällen sieben Tage in Folge nachhaltig unterschritten werde. Für den Landkreis hingegen bestehe keine „fachliche Notwendigkeit für eine verpflichtende Einführung“, teilte Landratsamtsprecherin Ina Krug mit. Mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 13,8 Erkrankten (Stand Sonntag) sei auch nicht der Signalwert von 35 Fällen überschritten. Sollte auch im Landkreisgebiet der Schwellenwert überschritten werden, prüfe das Landratsamt auch hier eine verpflichtende Einführung.
Das Ordnungsamt überwache nun gemeinsam mit der Sicherheitswacht die Einhaltung der Maßnahmen, so Bugl. Auch die Polizei möchte verschärft einen Blick auf mögliche Verstöße haben, wie Alexander Huber, Sprecher des Polizeipräsidiums Rosenheim, erklärt. Gezielte Kontrollen werde es allerdings nicht geben. „Wir halten nach wie vor die Augen offen, achten auf die Maskenpflicht und das Einhalten des Mindestabstands.“ Rosenheims Oberbürgermeister Andreas März appelliert an die Bürger, die geltenden Quarantäneregeln einzuhalten. Nicht wenige Infizierte, darunter vor allem jüngere Menschen, wiesen häufig keine Symptome auf. Pressesprecher Thomas Bugl sieht hier Handlungsbedarf: „Je länger solche Maßnahmen gelten, desto eher kann es zu gewissen Abnutzungserscheinungen kommen. Es ist wichtig, die Regeln verstärkt ins Bewusstsein zu rufen.“ Das gelte insbesondere in der Gastronomie – sowohl für Kunden, als auch die Wirte selbst.
Folgen für die
Gastronomie
Restaurants und Bars sind besonders von den neuen Beschränkungen betroffen: Nichtsdestotrotz zeigt sich der Rosenheimer Gastronom Manfred Kirner vom Wirtshaus „Zum Stockhammer“ zuversichtlich: „Die ersten Beschränkungen vor einigen Monaten waren zwar einschneidend, aber die Stadt Rosenheim hat das sehr gut geschafft – allein mit dem ‚Sommer in Rosenheim‘.“ Derzeit hätte er meistens eh nur kleine Gruppen und Familien zu Gast. Noch sei nicht klar, welche neuen Regeln bei einem Restaurantbesuch gelten. Der städtische Ordnungsdezernent Herbert Hoch weiß: „Die verschärfte Überwachung ist auch deshalb erforderlich, um das bisherige Entgegenkommen gegenüber den Gastronomen in der Stadt weiter aufrecht erhalten zu können.“
Der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Wolfgang Hierl, warnt: „Sollte die Zahl der Neuinfektionen nicht wieder sinken, wird an einer noch weitergehenden Verschärfung der Beschränkungen kein Weg vorbeiführen.“ Das gelte sowohl für Reiserückkehrer, als auch für Bürger im privaten Bereich. Unabhängig von den neuen Beschränkungen hat das Citymanagement laut Geschäftsführerin Sabrina Obermoser den geplanten verkaufsoffenen Sonntag am 30. August bereits Mitte August abgesagt und weitere Veranstaltungen auf Oktober beziehungsweise November verschoben.