Testzelte statt Festzelte

von Redaktion

Das hätte der Wiesnigel Ignaz sich vor einem Jahr nicht vorstellen können: 2020 gibt’s kein Herbstfest, nicht einmal die kleinen Dorffeste rund um Rosenheim wie in Sims, Gögging oder Söllhuben, keine Fußballfestwochen des FV Oberaudorf als Trainingslager für die Rosenheimer Wiesn. Statt der Bierhochburgen wurde auf der Loretowiese ein Corona-Testzelt aufgebaut!

Ignaz hat seit 2002 bis zu seinem Ruhestand ab August 2016 getreu dem bayerischen Wahlspruch „Leben und Leber lassen“ seinen stacheligen Wiesndienst erfüllt. Seitdem, als „Wiesnigel emeritus“, hat er die Wiesn entspannter, aber immer noch mit offenen Augen und Ohren sowie spitzer Feder begleitet. Heuer kommen Gram, Verzweiflung, ja Depression auf.

Keine fesch herausgeputzte Miss Herbstfest. Kein festlicher Wiesneinzug, keine Böllerschützen, keine Vergleichsfotos der Anzapf-Premieren des neuen Oberbürgermeisters Andreas März und des neuen Landrats Otto Lederer. Vermutlich verfügen beide noch nicht über die Zwei- bis Einschlag-Routine der weiterhin jugendlichen Alt-Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Schad is‘!

Kein „Die Krüge hoch!“-Aufruf

Und wer steckt hinter dem ganzen Schlamassel? Ein klitzekleines Virus namens Corona. Eigentlich war der Name den Wiesn-Aficionados nur als mexikanische Bierspezialität in den Bars der After-Wiesn-Partys ein Begriff. Dass es hier im Testzelt den Ausschank der Festmärzen von Auerbräu und der Flötzinger-Privatbrauerei von der Loretowiese verdrängen konnte, ist schier unglaublich.

Kein „Die Krüge hoch!“-Aufruf der Festkapellen, kein Duft nach Hendln und Steckerlfischen wabert durch die Stadt, kein „Ochsen-Montag“ und kein mit dem Radl importierter Zwei-Personen-Steckerlfisch-Zander mit der Igelfrau auf dem heimischen Balkon! So muss der Igel weitere Wege zurücklegen, um den gebeutelten Wirten und ihren Biergärten mit mass-, nein halbevollem Abstand aufzuhelfen und Festmärzen in nicht ganz artgerechter Haltung und Umgebung flaschlweis´ dahoam zu genießen.

Dann noch die Nachricht, dass die seit 16 Jahren existierende „Igelhife Grabenstätt“ vorerst geschlossen wird. Aufgrund der wieder gestiegenen Infektionszahlen befürchtet der Ignaz schon, dass auch das Herbstfest 2021 gefährdet sein könnte, wenn nicht bald ein Impfstoff gefunden wird. Am angenehmsten wäre ihm natürlich eine Schluckimpfung, die er mit Wiesnmär- zen nachspülen könnte…

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