Bad Endorf – Peter Rink aus Bad Endorf war 14 Jahre lang Leiter der deutschen Schule im Libanon in Jounieh, einer Stadt, die nördlich an Beirut angrenzt. Bis heute hat Rink, der fließend Arabisch spricht, Freunde im Libanon, verfolgt das Geschehen im Land am östlichen Ende des Mittelmeeres.
Herr Rink, was hören Sie von Ihren Kontakten über die Stimmung im Land?
Die Libanesen sind angefressen von der Hisbollah und von der Korruption, die beide die Regierung dominieren. Ich hege allerdings Befürchtungen, dass diese Unzufriedenheit auch nach dem Rücktritt der bisherigen Regierung nichts ändert.
Warum nicht?
Weil zum einen die Hisbollah immer mächtiger wird. Und weil zum anderen die Autoritätsgläubigkeit im Nahen Osten wesentlich verbreiteter ist, als in Europa.
An Europa hat sich der Libanon aber lange orientiert. Die Libanesen legen doch Wert darauf, dass sie keine Araber sind?
Das ist richtig, beziehungsweise war richtig. Das Antlitz des Landes hat sich aber verändert. Weg von der westlichen Orientierung, zunehmend hin zu muslimischer. Es gibt immer mehr Lokale, die keinen Alkohol ausschenken, die zu den Gebetszeiten schließen. Das war bis vor zehn, 15 Jahren undenkbar.
Eine unumkehrbare Entwicklung?
Mittelfristig, in den nächsten Monaten und wenigen Jahren, wird sich der Libanon, für meine Begriffe, nicht zum Positiven verändern. Ich sehe für dieses Land nicht optimistisch in die Zukunft. Interview: Sylvia Hampel