Kiefersfelden – Sechs Afghanen klingelten am Dienstagnachmittag an einer von ihnen zufällig ausgewählten Wohnungstür in Kiefersfelden. Sie erkundigten sich, ob sie Deutschland bereits erreicht hätten. Kurz darauf nahm die verständigte Bundespolizei die Migranten in Gewahrsam.
Ersten Erkenntnissen zufolge war die sechsköpfige Gruppe zuvor in unmittelbarer Nähe zur Inntalautobahn von einem Lkw-Fahrer abgesetzt worden. Offenbar hatten die zwei Minderjährigen und vier Erwachsenen eine mehrtägige Schleusung auf der Ladefläche eines Lastkraftwagens hinter sich. Ihren Angaben zufolge ließen sich die Organisatoren dieser illegalen Tour ihre Dienste teuer bezahlen.
Gegenüber den Bundespolizisten konnte sich keine der sechs Personen ausweisen. Sie erklärten vor den kriegerischen Auseinandersetzungen in ihrer afghanischen Heimat geflohen zu sein. Für ihre Flucht hätten sie sich Schleppern anvertraut. Diese hätten die Schleusung etappenweise organisiert und hierfür insgesamt bis zu 13000 Dollar pro Person verlangt. Allein für die letzte Lkw-Etappe, die am Sonntag in Serbien begonnen hätte, wären trotz der widrigen Umstände zwischen der Ladung jeweils etwa 4000 Euro veranschlagt worden.
Gegen den unbekannten Lkw-Fahrer, der die sechs afghanischen Staatsangehörigen bei Kiefersfelden abgesetzt haben soll, ermittelt die Rosenheimer Bundespolizei wegen Einschleusens von Ausländern. Da die Afghanen weder zum Fahrer noch zum Lastkraftwagen hinreichende Angaben machen konnten, gestalten sich die Ermittlungen bislang schwierig. Nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen konnten die minderjährigen Afghanen im Alter von 15 und 16 Jahren der Obhut des Jugendamtes anvertraut werden.
Drei der vier erwachsenen Geschleusten, 27, 32 und 46 Jahre alt, wurden einer Aufnahmestelle für Flüchtlinge zugeleitet. Der vierte Mann wird nach Griechenland abgeschoben werden. Der 22-Jährige befindet sich dort bereits in einem Asylverfahren.