Hohe Fallzahl und Querschenken 1543

von Redaktion

Bitte nicht allzu bierernst nehmen: Ein „Rückblick“ auf die „Corona-Wiesn 2020“

Rosenheim – Die Nicht-Wiesn 2020 – für zehntausende Wiesn-Fans in der Region sicher das Nicht-Ereignis dieses Jahres. Aber was wäre gewesen, wenn das Rosenheimer Herbstfest doch stattgefunden hätte? Ein spannender Gedanke.

Deshalb schließt unsere Serie „Wiesn-Erinnerungen“ heute mit einem erfundenen Rückblick auf die „Corona-Wiesn“ 2020, den man nicht allzu bierernst nehmen sollte. Ja, es sind harte Zeiten. Ja, Krankheit und Krise haben uns voll getroffen – manche gesundheitlich, viele wirtschaftlich, speziell die Wiesn-Branche: Schausteller, Gastronomen, Musiker.

Dennoch: Ein bisserl Spaß muss erlaubt sein. Oiso: Los geht’s mit der wohl ersten wirklich beabsichtigten Fake-Bilanz einer Mainstream-Zeitung. Das war die Corona-Wiesn 2020.

Zahlensalat: Ganz Deutschland, ja halb Europa schaut erwartungsfroh und kritisch auf den Wiesn-Start im bayerischen „Hotspot“ Rosenheim. 10000 Schaulustige, so schätzt die Polizei, füllen beim Festzug Straßen und Plätze. Die offizielle Zahl sorgt für eine hitzige Debatte. Eingefleischte Wiesn-Fans im Netz verbreiten Luftbilder. Sie sagen: Es waren mindestens 200000.

Nasenfrei zapfen: Landrat Lederer und OB März zapfen vor den laufenden Kameras von Rai Uno, BBC oder France24 die ersten Fassl Bier ganz nasenfrei, also ohne Maske an. Auch das sorgt für Diskussionen. Es kommt zur ersten Demo – rund zwei Dutzend weitere werden an 16 Wiesn-Tagen folgen.

Kumpel-Regel: Zur Eröffnung kommt Wirtschaftsminister Aiwanger. Er bringt es erneut auf den Punkt: „Wenn sechs bis acht Leute, jeder mit seinem Kumpel kommt, dann kann der sich natürlich jeweils mit seinem Kumpel, der seine Bezugsperson ist, an einen Biertisch setzen und mit 1,50 Meter Abstand sitzt der nächste Kumpel mit seinem Kumpel, aber die können nicht sechs mal zwei an einem Tisch sitzen, weil ja nicht einmal die ersten sechs an einem Tisch sitzen dürfen, also immer nur mit einer Bezugsperson oder einer Bezugsperson, außer der Tisch ist 15 Meter lang.“

Rohfinag kassiert und
Pandemiebär boomt

Blockabfertigung: An den Eingängen bilden sich lange Schlangen. Jeder Wiesn-Besucher muss auf einem Zettel ausfüllen, mit wem er kommt und wie lange er bleibt. Besonders hart trifft es die Tiroler: Sie werden an einen Extra-Zugang gelotst. Dort herrscht Blockabfertigung. Minimale Einlasszeit: 90 Minuten. Die Rosenheimer Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig überwacht die Maßnahmen persönlich.

Rohfinag erhebt Maut: Zudem müssen die Tiroler fünf Euro Maut für das Betreten von Auerbräu-, Flötzinger- und Alfons-Döser-Gasse zahlen. Die Gebühr kassiert die eigens gegründete Rohfinag, der Rosenheimer Herbstfest Finanzierungs AG.

Die Masstercard: Reibungslos funktioniert auch die neue Masstercard, die massgeschneiderte Lösung für den bargeld- und virenfreien Wiesn-Zahlungsverkehr. Namensgeber ist die Mass Bier, aber natürlich gilt die Masstercard auch für alle anderen Wiesn-Schmankerl.

Corina (19) in Not: Im Namen von Miss Herbstfest Corina (19) appelliert der Wirtschaftliche Verband (WV) als Wiesnveranstalter an Besucher und Medien, ab sofort auf Namenswortspiele zu verzichten. Ebenfalls unter Beschuss: OVB-Redaktionsigel Ignaz. Er sei ein stachelloser Mainstream-Covigel, heißt es in Internetforen.

Seifenopfer: Das BRK schlägt Alarm. Je später der Abend, umso mehr Menschen kommen mit Magenbeschwerden in die Erste-Hilfe-Stationen, die Hände besudelt mit roter, brauner oder weißer Soße. Grund: Rauschkugeln verwechseln die rund 1000 Seifenspender und Desinfektionsmittel-Quetschtuben, die in jeder Ecke lauern, mit Senf-, Mayo- und Ketchupspendern.

Pandemiebär: Beliebtestes Stofftier ist mit großem Abstand der Pandemiebär. So ist die nächste Demo fällig. WWF und Tierschützer fordern mehr Respekt für den vom Aussterben bedrohten Pandabären ein.

Glubbalisierungsgegner: Ganz anders geht es den Wiesn-Glubbal. Die individuell beschrifteten Wäscheklammern zum Anbringen an Dirndl oder Lederhose, wegen des hohen Flirtfaktors sonst ein beliebter Verkaufsschlager, müssen aus dem Sortiment genommen werden. Glubbalisierungsgegner hatten das sofortige Wiesn-Aus für alles „Ansteckende“ gefordert.

Hohe Fallzahl: Bei den regelmäßigen Kontrollen fällt auf, dass es am „Hangover-Turm“ zu den höchsten Fallzahlen kommt. Kritiker werfen den Wirrologen vor, sie würden Verhältnismäßigkeiten verschweigen und bewusst auf den Hinweis verzichten, dass der 85 Meter hohe „Hangover“ der höchste Fallturm der Welt ist. Unbestritten ist dagegen, dass bei vielen Bierdimpfen die Sieben-Tage-Body-Mass-Inzidenz steil nach oben geht.

In dubio prosecco: Zu kumpelhaften Nichtbezugsrudelbildungen kommt es unter anderem am Proseccostadl. Letztlich entscheidet das Rosenheimer Amtsgericht salomonisch: in dubio prosecco.

Querschenken 1543: Die strengen Auflagen am Ausschank sind schwer umzusetzen. Ein Schankkellner im Flötzinger-Zelt macht aus der Not eine Tugend, erfindet eine neue Technik und gründet die Bewegung Querschenken 1543 – was für eine schräge Nummer!

Wiesn-Impfstoff: „Ja mei, des Wiesn-Gen bekommen wir Rosenheimer schon mit der Geburt eingeimpft.“ Mit dieser Aussage, von der ARD in der Tagesschau bundesweit gesendet, provoziert WV-Wiesnmanager Hertreiter ungewollt die nächste Demo. Jetzt kommen die Impfgegner. Der WV dementiert auch das Gerücht, Bill Gates habe die Wiesn mit einer Millionenspende erst ermöglicht, um sich dann den Fahrchipmarkt zu sichern.

Massterarbeit: Die Bilder von Studenten, die sich in den Bierburgen über den Laptop hinweg zuprosten, während sie ihren Masster machen, gehen um die Welt. Die TH erstickt in Anfragen fürs Wintersemester 20/21, ein neues Erasmass-Programm entsteht.

Massenhysterie: Der Siegeszug der Masstercard führt zu einer wahren Massenhysterie. Die vielen Auswärtigen, von Tag zu Tag sind es mehr, tragen T-Shirts mit Aufdrucken wie „Masskerade“, „Kamassutra“ oder gar „Massturbation“. Sie stoßen im September auf „Happy Christmass“ an und gröhlen dazu ihren Wiesnhit 2020: „Cooooorona Grüüüün.“

Ab nach Berlin: Jetzt haben die Nicht-Zuagroasten vom entarteten Massismius die Nase voll. Beim Trachtenabend im Flötzinger-Zelt skandieren sie: „Berlin, Berlin, schleicht‘s eich olle nach Berlin!“

Wuidbussler vor
Wuidbieslern

Wuidbussler vorn: Die Polizeibilanz fällt am Ende anders aus als sonst. Die meisten Wiesnverbote setzt es für die Wuidbussler, also die Nichtbezugspersonküsser, es folgen die Wuidzuzla, sprich die Fremdmassleertrinker, und dann kommen erst die Wuidbiesler.

A Kumpelwiesn is over: Das Schlusswort hat wieder Hubert Aiwanger: „Aua Family-Wiesn is and remains a Kumpelwiesn“, sagt er ins Mikrofon von BBC. Na dann: Prost, auf 2021!