Pioniere der Mobilität

von Redaktion

Pläne für den Verkehr 4.0 – Oberaudorf schließt sich KuKi-Korridor an

Oberaudorf Im Inntal soll sich das Verkehrskonzept der Zukunft auf den Weg machen. Und Oberaudorf will Teil dieser Zukunft sein. Am Dienstag hat der Gemeinderat über die „Anbindung der Gemeinde Oberaudorf an den KuKi-Korridor“ beraten. Und zugestimmt, mit 14:1 Stimmen. Bürgermeister Matthias Bernhardt hatte das Projekt zuvor vorgestellt, zusammen mit Prof. Christian Arbinger, der das Projekt mit auf den Weg brachte und mit seinem Start-up DiMOS begleitet.

Um was geht es
bei der Trasse?

Hinter Ku und Ki verbergen sich die Kürzel der Gemeinden Kufstein und Kiefersfelden. Zusammen mit den Hochschulen in Kufstein und Rosenheim und weitereren Mitspielern hoben die beiden Gemeinden besagtes Verkehrskonzept aus der Taufe. Zweck des Ganzen, kurz und knapp: Mobilität flüssig, weniger umweltschädlich, sicher und bezahlbar zu halten, auch bei steigender Intensität. Die Digitalisierung macht‘s möglich.

Der KuKi-Korridor wird nun, mit dem Einstieg Oberaudorfs, sozusagen zum Oberkuki, bleibt ansonsten aber immer noch ein Projekt für den Verkehr 4.0 und damit eine Zone für autonome Navigation. Der Korridor nimmt damit vorweg, was kürzlich beim deutschen Autogipfel als Ziel ausgegeben wurde. Deutschland solle das erste Land weltweit sein, „das fahrerlose Kraftfahrzeuge im Regelbetrieb sowie im gesamten nationalen Geltungsbereich erlaubt“, heißt es in dem Ergebnispapier. Bis 2022 soll es so weit sein, dazu benötigen Wirtschaft und Wissenschaft aber Projekte wie den Korridor im Inntal.

Konzept gegen
Drohnen-Wolken

Die Pilottechnik des Korridors sind unbemannte Flugobjekte. „Das heißt nicht, dass wir zur Drohnenhochburg werden“, sagt Prof. Christian Arbinger; es gehe eher ums Gegenteil: Voraussetzungen für nützlichen Drohneneinsatz schaffen, unnötigen Einsatz außen vor halten. Unter sinnvollem Einsatz stellen sich Arbinger und Bernhardt keine fliegenden Paketboten vor, wie sie Amazon vorschweben. „Es geht um sichere Integration und Akzeptanz. Drohnen Bereich Rettungswesen“, sagt Arbinger. „Auf keinen Fall geht es darum, Lieferungen per Drohne zu machen.“

Sinnvoll seien hingegen Aufgaben, für die Feuerwehr und Bergwacht schon jetzt die Flugobjekte einsetzen, bei der Ortung von Brandherden in unzugänglichem Gelände etwa, oder bei der Suche nach vermissten Wanderern. Wo sie nicht hinsollen, über Bundesstraßen und Gleise oder andere sicherheitsrelevante Einrichtungen, da sollen sie durch Geo Fences am Überflug gehindert werden.

Dafür aber sind die Drohnen auf eine sichere Datengrundlage angewiesen. Und das wird Arbingers Firma nunmehr in einer Machbarkeitsstudie prüfen: Wie verlässlich sind zum Beispiel GPS-Daten auf Oberaudorfer Gemeindegebiet? Ein weiteres Beispiel: Will man ein Angebot für behinderte Menschen etablieren, wäre es fatal, wenn ein Leitsystem Blinde in gefährliche Situationen lotst. Der Daten-Check: Er gehört zu den Aufgaben von DiMOS.

Oberaudorfs Bürgermeister Matthias Bernhardt erhofft sich von der Machbarkeitsstudie und der Anbindung an den Korridor nicht nur technischen Fortschritt, sondern auch Nutzen für die Wirtschaft. Oberaudorf baue stark auf Tourismus und Handwerk, indem man Infrastruktur für den Korridor bereitstelle, könne man sein Portfolio vergrößern. „Wir wollen Teil des Datenraums Mobilität werden“, sagt er daher. Mit Arbinger hat er sich vor der Sitzung des Gemeinderats lange ausgetauscht. Offenbar waren die Gespräche inspirierend. Bernhardt denkt laut nach: Auch ein Institut zu Themen wie Verkehrsethik könne man sich im Inntal vorstellen.

Wie profitiert man
von der neuen
Technik?

Der Korridor wird länger. Und wird auch nach Oberaudorf noch wachsen. Bis nach Rosenheim soll er mal reichen, das wünscht sich Prof. Christian Arbinger. Wenn dann Flintsbach, Brannenburg, Raubling auch noch dabei wären, wäre es auch mit Oberkuki vorbei. „Dann müssten wir noch ein schönes neues Wort finden“, sagt Arbinger. Bleibt die Namensgebung das einzige Hindernis auf dem Weg in die Zukunft? Das komplizierte Thema „Datenraum“ muss erst einmal vermittelt werden. Keine einfache Aufgabe, wie auch Arbinger weiß.

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