Rosenheim – Die Empörung der Eltern über die Maskenpflicht in den Rosenheimer Grundschulen ist groß. Diese gilt bis einschließlich Freitag, 18. September. Im Landkreis gibt es bisher nur eine entsprechende Empfehlung des Rosenheimer Gesundheitsamtes. Das „Bündnis Rosenheimer Eltern“ hat nun sogar eine Demonstration gegen die Maskenpflicht für alle Schüler angemeldet. Ein Blick an die Grundschulen der Region.
Grundsätzlich seien die Eltern besorgter als die Kinder, erzählt hingegen Kai Hunklinger, Rektor der Grund- und Mittelschule Fürstätt. Er habe sich in den Klassen selbst ein Bild gemacht und mit den Kindern gesprochen. „Es bleibt aber hart für uns. Die Maskenpflicht ist eine Riesenumstellung.“
Sportunterricht in
abgespeckter Version
Etwa der Sportunterricht sei nicht mehr derselbe wie zuvor. „Wir sind mit den Klassen draußen unterwegs, bei einem langen Spaziergang mit genügend Abstand können die Kinder auch mal die Maske abnehmen.“ Ansonsten hinge es von der Sportart ab. Die Kommunikation sei das Wichtigste. „Jede Lehrkraft spricht mit ihrer Klasse. Wenn es einem Kind schlecht werden sollte, soll es sich melden und es darf ans Fenster.“ Bisher sei ihm solch ein Vorfall aber noch nicht zu Ohren gekommen. „Wir lüften ausgiebig, in den Pausen dürfen die Kinder auch ohne Maske in ihr Brot beißen. Alles andere gibt eine Sauerei.“
Dass die Maskenpflicht ein heikles Thema ist, zeigte sich auch an der Zurückhaltung der Schulleiter. Auf Anfrage nicht äußern wollten sich die Astrid-Lindgren-Schule, die Grundschule Erlenau und die Grundschule Pang. Andere waren gar nicht zu erreichen.
Die Maskenpflicht stößt auf Unverständnis. Bettina Toptchiyski, Vorsitzende des Gemeinsamen Elternbeirats der Grund- und Mittelschulen Rosenheim, erzählt: „Wir sind nach wie vor total entsetzt.“ Viele besorgte Eltern hätten sich bereits bei ihr gemeldet. „Es geht uns um die Verhältnismäßigkeit. Warum müssen unsere Kinder eine Maske tragen, wenn es gleichzeitig Lockerungen im öffentlichen Leben gibt?“ Eine Maske sei unzumutbar für ein Kind, ist Toptchiyski überzeugt. Viele Eltern seien auf der Suche nach einer Lösung, ihr Kind von der Maske zu befreien. Möglicherweise über ein Attest. Aber hier gibt es ein Problem: „Die Eltern befürchten, dass ihr Kind so als Außenseiter gilt.“
Unabhängig vom Elternbeirat haben sich nun sieben Eltern aus Rosenheim zu dem „Bündnis Rosenheimer Eltern“ zusammengeschlossen, darunter auch Bettina Toptchiyski. Für diesen Samstag haben sie eine Demonstration gegen die Maskenpflicht geplant. Die Veranstaltung mit 200 angemeldeten Menschen soll von 14 bis 16 Uhr stattfinden. Es findet noch ein Kooperationsgespräch mit dem Ordnungsamt und der Polizei statt, wo die für den Max-Josefs-Platz vorgesehene Demo stattfinden soll.
Die Notwendigkeit der Maskenpflicht betont Angelika Elsner, Schulamtsdirektorin und stellvertretende Leiterin der Behörde. Dennoch sei die Situation nicht leicht, wie aus Gesprächen mit den Schulen hervorgegangen sei. Bisher seien allerdings wenig Beschwerden von Eltern eingegangen. Ob es im Gesundheitsamt eine Beschwerdeflut gab, war bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung zu bringen. Einen herausragenden Fall gab es an der Erlenau-Grundschule, an der anscheinend Schüler anstrengendem Sport mit Maske nachgehen mussten. Es gebe klärende Gespräche, wie die Schulamtsdirektorin erklärte. Außerhalb des Stadtgebiets darf die Maske an den Grundschulen noch in der Tasche bleiben, so auch in Riedering und Stephanskirchen sowie an der Grundschule Schloßberg. Hier gilt: Wer will, der darf – aber es muss niemand.
Hoffen auf eine
Lockerung der Regeln
In Bad Aibling dürfen die Grundschüler der St. Georg-Schule ihre Masken aktuell weiterhin abnehmen, wenn sie an ihrem Platz sitzen. Rektor Wolfgang Baumann: Eine Maske dauerhaft zu tragen, sei gerade für die Jüngsten eine große Belastung. Man hoffe, dass auch für die Mittelschüler ab der fünften Klasse die Maskenpflicht nach dem 18. September wieder wegfällt. Ihnen bescheinigt Baumann eine große Disziplin: „Sie ertragen es geduldig.“ „Es ist für die Schüler und Lehrkräfte extrem anstrengend, während des Unterrichts Masken zu tragen“, sagt Marcus Hübl, Rektor der Priener Franziska-Hager-Mittelschule. Kopfschmerzen und Atemprobleme seien die Folge, der Unterricht leide auch durch die schlechte Sprachverständlichkeit. Das Gesundheitsamt hatte den Schulen im Landkreis empfohlen, die Maskenpflicht über den 18. September hinaus zu verlängern. Hübl: „Die Schulleitungen der Priener Schulen mit Ausnahme der kommunalen Realschule haben sich entschieden, dieser Empfehlung nicht nachzukommen, solange keine offizielle Anordnung besteht.“ Andrea Dorsch, Rektorin der Kommunalen Realschule Prien, meint: Die Schüler hätten sich an die Maske gewöhnt, „sodass ihnen eine Verlängerung nichts ausmacht“.
Die Leiterin der Grundschule Wasserburg, Sabine Obermaier-Tanner, sagt zur Masken-Empfehlung: Die Entscheidung liege bei den Eltern, nur wenige würden davon Gebrauch machen. „Mein Eindruck ist, dass viele Kinder kein Problem damit haben.“ Weil die Infektionszahlen im Landkreis nicht so hoch seien, sei der Druck, eine Maske zu tragen, nicht so groß.