„Es ist kaum zu glauben, dass menschliches Leben in dieser gottverlassenen Gegend möglich ist!“ Diesen Satz habe ich vor Kurzem im Fernsehen in einer Reportage über das Leben der Menschen im hintersten Outback Australiens gehört.
Die Bewunderung des Reporters für die bescheidene Lebensweise der Menschen dort kann ich teilen, seine so dahingesagte Formulierung bringt mich aber zum Nachdenken. Wann ist eine Gegend eigentlich „gottverlassen“? Ist ein Ort von Gott verlassen, nur weil er nicht den Anforderungen unserer westlichen Zivilisation entspricht? Die Menschen in dieser Reportage sahen jedenfalls weit glücklicher aus als manche, die mir zuletzt hierzulande begegnet sind.
Während ich in den darauffolgenden Tagen weiter darüber nachdenke, kommt mir ein Satz aus der Bibel in den Sinn. In der Lebensgeschichte des Jakob im Alten Testament wird erzählt, dass dieser in einer schwierigen Lebensphase am Morgen aus einem Traum erwacht und sagt: „Wirklich, Gott ist an diesem Ort – und ich wusste es nicht!“
Gott ist an jedem Ort gegenwärtig. „Gottverlassen“ wird für uns ein Ort nur dann, wenn wir ihm dort keinen Raum mehr geben. Dann kann sogar der schönste Fleck dieser Erde im wahrsten Sinn des Wortes zu einer „trostlosen“ Gegend werden. Nach meinem Lebensgefühl ist Gott in Bayern jedenfalls ganz sicher daheim. Aber nur, wenn wir ihn hier auch in unseren Herzen wohnen lassen.