Sind „Fieberambulanzen“ die Lösung? Ärzte fordern klares Konzept

von Redaktion

Mediziner wünschen sich zentrale Corona-Teststationen, um für die zweite Welle gewappnet zu sein

Rosenheim – Testen, testen, testen, um einer möglichen zweiten Welle Herr zu werden – auf diese Strategie setzen auch die Hausärzte-Vertreter aus der Region Rosenheim. Ein neuer Vorstoß kommt jetzt aus Berlin: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bringt „Fieberambulanzen“ ins Spiel. Was sagen die Experten aus der Region dazu?

Grundsätzlich eine gute Idee, stehen die Ärzte-Vertreter aus Rosenheim und Umgebung dem offen gegenüber. Allerdings: Es sind noch viele Fragen zu klären. Das unterstreicht auch Dr. Nikolaus Klecker, Bezirksvorsitzender im Bayerischen Hausärzteverband und mit Praxis in Rosenheim vertreten. „Zuständigkeit, Kostenübernahme, Verantwortlichkeit, da ist vieles noch unklar“, sagt Klecker.

Dem kann Daniel Darga, Allgemeinarzt aus Bad Feilnbach, nur zustimmen: „Als allererstes sollte aber der Name Fieberambulanz geändert werden, denn das ist mehr als irreführend.“ Und: Er vermisst bislang eine grundsätzliche Strategie, wie im Fall weiter ansteigender Fallzahlen mit Covid-19-Patienten und Verdachtsfällen umgegangen werden soll. „Man verlässt sich wieder auf den Idealismus aller medizinischen Angestellten und auch der Ärzte, dass sie die Herausforderung schon irgendwie stemmen werden.“ Für ihn ein Unding – was er an einem praktischen Beispiel verdeutlicht: „Ist Starkregen angesagt und sollte der Hochwasserschutz noch nicht stehen, sorge ich doch auch mit Sandsäcken vor und warte nicht, was passiert.“

Eigeninitiative hat bereits Dr. Florian Bonke mit seiner Corona-Schwerpunktpraxis in Flintsbach an den Tag gelegt – und sich eigens einen Container in den Garten vor der Praxis setzen lassen, in dem er und seine Kollegen nun Verdachtsfälle behandeln. Doch: Dabei handelt es sich um einen rein persönlichen Vorstoß, „weil wir eben die Möglichkeiten haben“. Viele Kollegen hätten dies nicht, könnten eben nicht einfach Verdachtsfälle von den übrigen Patienten trennen. Und nähme die zweite Welle Fahrt auf, wäre auch die Kapazitätsgrenze seiner Praxis schnell erreicht. „Dann brauchen wir eine oder mehrere zentrale Anlaufstellen im Landkreis“, ist er überzeugt.

Die Lösung für die Region ist nach Meinung von Dr. Fritz Ihler, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbandes und Allgemeinarzt in Rosenheim, naheliegend: das Testzentrum auf der Loretowiese für Patienten mit Symptomen frei zu machen. „Das würde die Praxen massiv entlasten, was sich im Frühjahr schon gezeigt hat.“ Denn für ihn liegt der Schlüssel zum Erfolg im Testen – nur so habe man in Rosenheim die zweite Welle erst einmal abfangen können. „Weil die Infektionen bei Reiserückkehrern erkannt und sie schnell in Quarantäne geschickt wurden. Die Akzeptanz war sehr gut.“

Gesundheitsamt
rät ab

Das Testzentrum Loretowiese auch für Verdachtsfälle zu nutzen – davon rät das Gesundheitsamt Rosenheim aktuell ab, wie Sprecherin Ina Krug auf Anfrage erklärte. Zur Entlastung würden zwar inzwischen auch Kontaktpersonen ersten Grades auf der Loretowiese getestet, weil Kapazitäten vorhanden, doch grundsätzlich soll diese Station symptomfreien Personen vorbehalten bleiben. Rosi Gantner

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