Maskenpflicht: Droht der lautlose Tod?

von Redaktion

Elternbündnis warnt vor Kohlendioxidvergiftung – Kinderpneumologe widerspricht

Rosenheim – Das Bündnis Rosenheimer Eltern steigt wieder in den Ring. Das Streitthema ist dasselbe: die Maskenpflicht an den Schulen. Diese gilt seit gestern in Stadt und Landkreis, an Grund- sowie an weiterführenden Schulen. In einem Brief an die Lehrer und Schulleiter warnen die Eltern vor einer Kohlendioxidvergiftung. Zudem fordern sie von Bayerns Regierung eine Studie über die Gefahr der Mund-Nasen-Bedeckung.

Flyer erklären Vergiftungssymptome

„Woran erkenne ich, wenn es mir unter der Maske nicht gut geht?“ Diese Frage stellt sich ein Mädchen auf einem der Flyer, die das Bündnis Rosenheimer Eltern gefertigt hat. Die Antworten: Schwindel, Rauschen in den Ohren, Kopfschmerzen – alles Anzeichen einer Kohlendioxidvergiftung, auch „der lautlose Tod“ genannt. Die Flyer haben sie bereits zahlreichen Schulleitern in Stadt und Landkreis zukommen lassen, damit diese an die Schüler verteilt werden.

„Wir möchten die Kinder sensibilisieren, sie können ihre Symptome vielleicht noch nicht mit der Maske in Verbindung bringen“, erklärt das Aktionsbündnis, deren Vertreter (Name der Redaktion bekannt) aufgrund von Anfeindungen nicht mehr namentlich genannt werden möchte. Das Bündnis lässt trotzdem von seinen Forderungen nicht ab, zu groß sei das Risiko durch das Tragen der Masken. Angeblich seien bereits Mädchen und Buben an Schulen in der Region ihretwegen kollabiert, so habe es auch einen Fall am Ignaz-Günther-Gymnasium gegeben, erklärt das Bündnis. Die Schule dementiert den Vorwurf vehement, auch dem Schulamt ist ein solcher Fall nicht bekannt.

In einem offenen Brief an alle Schulen der Stadt und des Landkreises legen die Eltern nach: Solange es noch keine Studien über die Gefahr von Masken gebe, „sind Lehrer, Erzieher und Eltern gesetzlich verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass Kinder keinen Schaden durch das Tragen von Masken erleiden.“ Parallel fordern sie von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml sowie ihrem Kollegen auf Bundesebene, Jens Spahn, die Durchführung einer Studie. Diese soll belegen, welche gesundheitlichen Schäden tatsächlich von einer Maske ausgehen können – und wie viele Infektionen selbige überhaupt verhindert. Denn solch ein wissenschaftlicher Nachweis fehle bisher.

Die Maskenpflicht ist und bleibt Streitthema. Das weiß Schulamtsleiter Edgar Müller. Den ganzen Tag klingele bei ihm das Telefon. Am Apparat: Besorgte Eltern und Lehrer. Vielen ist die Maskenpflicht ein Dorn im Auge. „Es geht aber in beide Richtungen: Manche wollen sogar noch strengere Regeln.“ Für ihn ist es legitim, dass sich das Bündnis nun an die Schulen wendet. Er hat dafür Verständnis. „Wir haben Meinungsfreiheit. Gerade zu den Masken gibt es unterschiedliche wissenschaftliche Aussagen.“ Den Flyern kann er nichts Negatives abgewinnen. Die Eltern hätten auch den richtigen Weg gewählt, indem sie diese nicht direkt an die Kinder verteilt haben. „Die Schule ist ein geschützter Raum, Flyer dürfen nicht ohne Einverständnis der Schule verteilt werden.“

Bei dem Rosenheimer Kinder- und Jugendarzt und Kinderpneumologen Otto Laub mit Praxis in Happing stoßen die Aussagen des Bündnisses auf Unverständnis. Der Arzt, der Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Bayern und Vorsitzender des Praxisnetz-Verbunds „Paednetz Bayern“ (Pädiatrie/Kinderheilkunde) ist, erklärt: „Ich finde in der mir verfügbaren Literatur keine Daten, die solche Symptome im Zusammenhang mit dem Tragen von Alltagsmasken valide darstellen.“

Seit Jahren betreut er Kinder und Jugendliche mit teilweise schweren Atemwegserkrankungen. Ihm sind durchaus eine ganze Reihe von Kindern und Jugendlichen bekannt, die bereits seit Langem zum Eigen- und Fremdschutz derartige Masken tragen. Dabei gibt es laut dem Mediziner auch Patienten mit bekannter Einschränkung der Lungenfunktion, von denen bisher keine Berichte, beispielsweise über eine Kohlendioxidvergiftung, existieren. Umso verwunderlicher sei es, dass bei völlig gesunden Kindern mit keinen dieser Einschränkungen solche Symptome aufträten.

Unterstützung bekommt der Mediziner vom Rosenheimer Gesundheitsamt: „Die immer wieder zitierte Behauptung, dass es durch das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung zu vermehrter Rückatmung von CO2 mit entsprechenden toxischen Symptomen kommt, wird aus wissenschaftlicher Sicht verneint“, so Sprecher Michael Fischer. Eine Stellungnahme des Gesundheitsministeriums steht noch aus.

Neue Fälle an den Schulen

Die Corona-Fälle an den Schulen in der Region reißen nicht ab. Neue positive Tests (jeweils ein Fall) meldet das Gesundheitsamt Rosenheim von der Max-Joseph-Grundschule Großkarolinenfeld, der Grund- und Hauptschule Heufeld, aus dem Schulhaus Götting (Bruckmühl) und von der Grundschule Prinzregentenstraße Rosenheim. Alle engen Kontaktpersonen wurden unter Quarantäne gestellt. Massiv betroffen ist die Mittelschule am Luitpoldpark in Rosenheim, wo zuletzt eine weitere Person positiv getestet wurde – was die Gesamtzahl der Corona-Fälle an der Luitpold-Schule nun auf 14 erhöht. rg

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