Rosenheim – Rosenheim katapultiert sich in den tiefroten Bereich, das Gesundheitsamt reagiert mit einem eindringlichen Appell. „Die Lage spitzt sich zu“, sagt Amtschef Dr. Wolfgang Hierl, der starke Anstieg der Infektionszahlen sei „dramatisch“. Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 114,9 (Stand Freitag) gehört Rosenheim zu den tiefroten Risiko-Regionen, ein Index von 85,7 wurde für den Landkreis ausgegeben.
Der sprunghafte Anstieg zieht in der Stadt weitere Einschränkungen nach sich. Veranstaltungen – abgesehen etwa von Gottesdiensten – sind etwa auf 50 Menschen beschränkt, ebenso wie Sportwettkämpfe. Sperrstunde ist um 21 Uhr.
Gefahr des
Kontrollverlustes
Mit dem Schub wackelt auch die Eindämmungsstrategie des Gesundheitsamtes. Es falle zunehmend schwer, Infektionsquellen und -wege nachzuverfolgen, räumt Hierl ein. Angesichts drohenden Kontrollverlusts holt das Amt Hilfe. Am Freitag nahmen fünf Anwärter der Polizei ihre Arbeit im Gesundheitsamt auf, weitere fünf sollen folgen. Zudem gebe es eine hauseigene Reserve von bis zu 30 Mitarbeitern, sagt Michael Fischer, Sprecher des Gesundheitsamts. Ausreichende Reserven sieht auch das Gesundheitsministerium. Die erneute Ausrufung des Katastrophenfalls stehe derzeit nicht zur Diskussion, heißt es aus München.
48 positiv Getestete im Landkreis, 29 in der Stadt Rosenheim – das war die Bilanz allein von Donnerstag auf Freitag. 14 Menschen werden in den Romed-Kliniken behandelt, einer davon auf der Intensivstation. Damit sind die Kliniken von Überlastung weit entfernt. Im Oktober starben erstmals seit Juli Menschen an oder mit Covid-19, die Gesamtzahl in Stadt und Landkreis erhöht sich um drei Menschen auf 225.
Woher rührt
die neue Dynamik?
Infektionsübertragungen ereignen sich laut Landratsamt überwiegend im privaten Umfeld. Es gebe aber auch Superspreader. Der Fall einer Party in Eggstätt, bei der sich über 30 Gäste infiziert haben könnten, liegt bei der Kriminalpolizei. Sie prüft, ob strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt.
Abgesehen von der FOS/BOS in Rosenheim, wo allein gestern zehn neue Infektionen gemeldet wurden, spielen Schulen keine allzu prominente Rolle. Bis Donnerstag waren im Oktober 90 Schüler und Mitarbeiter an 25 Schulen positiv getestet worden. Über 1200 Menschen wurden in Quarantäne geschickt.
Auf der Corona-Karte schwinden die weißen Flecken: Nur noch jede sechste Gemeinde war vergangene Woche offiziell infektionsfrei. Dafür mehren sich die „zweistelligen“ Kommunen. Kolbermoor lag mit 26 positiv Getesteten hinter Rosenheim (73) an der Spitze, es folgten Breitbrunn (17), Bruckmühl (15), Rohrdorf (13), Bad Endorf und Wasserburg (je 12), Kiefersfelden (11), Bad Aibling, Eggstätt und Neubeuern (je 10). In Eggstätt könnte es sich um die Ausläufer eines Ausbruchs im Seniorenheim Marinushof handeln: Dort waren vor einer Woche 27 Bewohner und 18 Mitarbeiter positiv getestet worden. Im Laufe der gesamten Woche wurden in der Region 297 neue Fälle gemeldet. Damit schnellt die Gesamtzahl auf 3955 Fälle. (Landkreis: 3067, Stadt: 888). Als „genesen“ gelten 3163 Menschen.