Rosenheim/Bad Aibling/Wasserburg/Haag– Pünktlich zum Faschingsauftakt am 11.11. um 11.11 Uhr protestierten gestern bayernweit Milchbauern gegen die ihrer Meinung nach zu niedrigen Milchpreise. Landwirte aus der Region beteiligten sich mit Protestaktionen und Übergaben eines Brandbriefes bei der Molkerei Danone in Rosenheim, dem Wendelstein Käsewerk in Bad Aibling, bei Attenberger Fleisch in Traunstein, bei Meggle Wasserburg, bei der Privatmolkerei Bauer in Wasserburg sowie am Milchwerk Jäger in Haag. Wenn die Forderungen – coronabedingt – nicht persönlich übergeben werden konnten, kommt der Brandbrief postalisch. Mit Bulldogs und Plakaten machten die Landwirte auf sich und ihre Forderungen aufmerksam. „Wir bekommen momentan weniger als 31 Cent für einen Liter vierprozentiger Milch“, erklärte Matthias Lohmeier, BDM (Bundesverband deutscher Milchviehhalter. Das seien niedrigere Preise, als sie bereits vor 30 Jahren gezahlt worden seien. Einer Studie zufolge müssen die Milcherzeuger für den Inflationsausgleich heute 80 Cent pro Liter bekommen. Dass zwar auch die Tiere heutzutage etwas mehr Milch gäben, als noch vor 30 Jahren, gab hingegen gegen die Molkereien zu bedenken. Die geringe Zahlungsbereitschaft der Kunden für Milchprodukte binden ihnen die Hände. Berechnungen der Milcherzeuger ergeben jedoch, dass sie momentan allesamt draufzahlen.
Die Forderungen, die daher zeitgleich in ganz Deutschland an vielen Molkereistandorten übergeben wurden, lauten daher, dass für die Milch mindestens 15 Cent mehr pro Liter gezahlt werden müssen, um zu verhindern, dass noch weitere Landwirte ihren Beruf ganz aufgeben müssen.
Die Preise für Biomilch bewegten sich seit 2013 relativ konstant zwischen 47 und 50 Cent pro Liter. Bei den konventionellen Landwirten hingegen variierten die gezahlten Preise im gleichen Zeitraum sehr stark. Von einem Hoch im Jahr 2013, als der Liter kurzzeitig einmal 41 Cent wert war, halbierte sich der Preis zum Tiefststand von weniger als 23 Cent im Sommer 2016. Nach einem zwischenzeitlichen Hoch im Herbst 2017, als der Milchpreis nochmals an der 40-Cent-Marke kratzte, ging es wieder stetig bergab bis zum jetzigen Tief-Stand; und die Kurve zeigt weiter nach unten, sagen die Bauern.
In dem Schreiben ist darüber hinaus nachzulesen, dass für ein Kilo Rindfleisch mindestens ein Euro mehr, für das Kilo Schweinefleisch mindestens 50 Cent mehr und das Kilo Geflügel mindestens 20 Cent mehr bezahlt werden müssen, damit die Landwirte überhaupt kostendeckend arbeiten. Diese Forderungen vertraten Bauern gestern vor dem Schlachthof der Südfleisch in Waldkraiburg.