Raubling/Kiefersfelden –„Eine Unverschämtheit“, ärgert sich Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger. „Es war brutal“, sagt sein Flintsbacher Kollege Stefan Lederwascher. So erlebten die beiden den längsten Stau seit Menschengedenken. Denn auf der A8 und der A93, dazu noch auf der Bundesstraße 15 im Inntal ging gestern nur noch wenig. Von 80 Kilometern Lkw-Stau sprach Roman Hörfurter, Einsatzleiter der Verkehrspolizeiinspektion in Pfraundorf, ausgelöst von der Blockabfertigung in Tirol.
„So einen Stau habe ich noch nicht erlebt.“ Neben Roman Hörfurter sprach auch Alexander Huber vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd von einer Premiere. Seit den frühen Morgenstunden ging’s nur noch im Schneckentempo voran. Der Rückstau von der A93 reichte auf der A8 von München her bis zum Seehamer See, von Salzburg her bis zum Samerberg. Für Lederwascher, am Mittwoch selber im Auto unterwegs, wurden kürzeste Abschnitte zur Herausforderung: „Wir hatten Probleme, von einer Seite der Autobahnbrücke zur anderen Seite zu kommen.“
Warum machen
das die Tiroler nur?
Besonders betroffen war Raubling. Weil viele Lkw-Fahrer, die die Inntal-Autobahn meiden wollten, dort abfuhren. „Bei uns versuchen die, das Inntal-Dreieck zu umgehen“, sagt Kalsperger. Die Ausfahrt bei Reischenhart sei gesperrt gewesen. Wäre das auch am Kreisel in Raubling möglich gewesen? Im Einzelfall vielleicht, sagt Huber. Aber man müsse das den Kollegen der Verkehrspolizei anheimstellen, ob das insgesamt zur Lagebereinigung sinnvoll ist.
Die Tiroler hatten, pünktlich nach einem Feiertag, Blockabfertigung angeordnet. Nach Feiertagen ist das Gedränge besonders groß. Dann tun Verzögerungen richtig weh. „Es ist vom Land Tirol eine regelrechte Frechheit, ja unverschämt, auf einen Feiertag eine Blockabfertigung folgen zu lassen“, schimpfte Kalsperger. „So geht man mit einem Nachbarn nicht um.“
Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) war am Mittwoch für ein Statement gegenüber den OVB-Heimatzeitungen nicht zu erreichen. Für viele Kenner der Materie aber liegen seine Motive klar aus der Hand: So zeigt der Tiroler dem Bayern, wo‘s langgeht. Man habe sich schon über das Thema ausgetauscht, sagt Lederwascher. Und da habe der Platter eingeräumt, es gehe darum, den Blutdruck in Berlin, München und Wien hochzutreiben. „Und ganz von der Hand zu weisen ist es nicht“, sagt der Flintsbacher Bürgermeister. „Nur so findet er anscheinend Gehör.“
Dieses Minimalverständnis für die Motive des Tiroler Landeshauptmanns droht Kiefersfeldens Bürgermeister bei aller Sympathie für die Nachbarn abhandenzukommen. Früher habe er Verständnis dafür gehabt, die Diskussion über die Zuführung zum Brennerbasistunnel anzutreiben, sagt Hajo Gruber. „Aber das ist zu viel, zumal wir unsere Planung ja voranbringen.“
Martin Krumschnabel steckt als Bürgermeister von Kufstein in einer Zwickmühle. In Normalzeiten arbeitet er mit den bayerischen Kollegen eng zusammen. Und nun? „Wir krachen mit unseren besten Freunden dauernd zusammen“. sagt er. „Aber wir finden auch keine Lösung.“ Eine Lösung: Damit meint Krumschnabel eine Verminderung des Durchgangsverkehrs. Da habe Platter einen Punkt, und da „steht ein Großteil der Bevölkerung hinter ihm“.
Am späten Nachmittag registrierte die Polizei noch Behinderungen auf der A8, vom Seehamer See Richtung Salzburg. „Insgesamt aber ist das Ganze glimpflich abgelaufen“, sagte Einsatzleiter Roman Hörfurter. „Wir hatten glücklicherweise keine Unfälle.“