Rosenheim/Wasserburg/Traunstein – Die Kommunalwahlen 2020: Sie werden als Bayerns Corona-Wahl in die Geschichte eingehen. Doch trotz Pandemie ist die Wahlbeteiligung am 15. März in Stadt und Landkreis Rosenheim deutlich höher als 2014 oder 2008. Das gilt auch für die Stichwahl am 29. März.
Briefwahl und BBT
Der Trend zur Briefwahl setzt sich auch 2020 fort. Viele haben ihre Briefwahl-Unterlagen schon bestellt oder abgegeben, als Corona noch weit weg ist. Auch die Diskussionen um den Nordzulauf zum Brennerbasistunnel (BBT) bremsen das Interesse an der Wahl sicher nicht.
Kandidatenrekord
Neben den Briefwählern und den umstrittenen BBT-Zulaufplänen ist viel Konkurrenz eine weitere Erklärung für den Stimmenzuwachs. 24 Amtsinhaber hören allein in Stadt und Landkreis Rosenheim auf, das Gerangel um die Nachfolge ist groß. Das Feld der Bewerber ist so umfangreich wie nie. 122 Kandidaten bewerben sich um 43 Bürgermeisterposten im Kreis Rosenheim, neun wollen dort Landrat werden, sieben Oberbürgermeister. Insgesamt 138 Bewerber also – neuer Rekord und knapp ein Fünftel mehr als 2014. Damals waren es 110 Kandidaten. Die Folge: Gleich 30 neue Gesichter in den Chefsesseln in Stadt und Landkreis Rosenheim. Das hat es bei einer Kommunalwahl in der Region noch nie gegeben. Ein neuer Landrat (Otto Lederer), ein neuer OB in Rosenheim (Andreas März) und 28 neue Bürgermeister haben seit Mai das Sagen.
Dass in Rosenheim die CSU-Kräfte Lederer (folgt auf Wolfgang Berthaler) und März (beerbt Gabriele Bauer) in die Stichwahl müssen, ist keine große Überraschung. Im zweiten Durchgang packen sie es aber souverän. Dagegen schaffen die CSU-Landräte in Mühldorf und Traunstein die erforderlichen 50 Prozent schon auf Anhieb – Mühldorfs neuer Landrat Max Heimerl mit 50,1 Prozent, in Traunstein geht Siegfried Walch mit dem Startkapital von 63 Prozent in die zweite Amtsperiode.
Abgewählt
Gleich in vier Rosenheimer Kommunen müssen die Amtsinhaber unfreiwillig ihren Schreibtisch räumen. Dabei trifft es 2020 ausschließlich Parteifreie: Peter Solnar und Georg Gäch in Aschau und Ramerberg schon in der ersten Runde, in der Stichwahl ereilt Doris Laban in Bad Endorf und Philipp Bernhofer in Bernau das gleiche Schicksal.
Wechselwind
Vor allem im Chiemgau bläst den Amtsinhabern Wechselwind ins Gesicht: Neben den Bürgermeistern in Bad Endorf, Bernau und Aschau erwischt es jenseits der Landkreisgrenze zu Traunstein auch noch die Amtsinhaber in Traunstein, Chieming, Übersee, Seeon-Seebruck und Ruhpolding. In Bad Endorf kommt es übrigens zur vierten Stichwahl in Serie.
Grüner Höhenflug
Die Grünen sind die großen Gewinner der Wahl – auch wenn sie bei der Vergabe der 48 Chefposten kaum eine Rolle spielen. Es bleibt bei einem Bürgermeister: Georg Reinthaler in Eiselfing. Doch im 70-köpfigen Kreistag sowie in vielen Stadt- und Gemeinderäten wird künftig mehr grüne Politik gemacht.
Historisches Tief
Dagegen hält im 70-köpfigen Kreistag die Talfahrt von CSU und SPD an. Mit knapp 37 Prozent und nur noch 26 Sitzen fällt die CSU dort auf ein historisches Tief, ebenso wie die SPD (sieben Prozent und fünf Mandate).